Millionensummen auf Möllemanns Auslandskonten

11. Juni 2003, 21:08
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SPD erwägt Untersuchungsausschuss - Witwe will keine Teilnahme Westerwelles an Beisetzung am Freitag

Düsseldorf - Der bei einem Fallschirmabsturz ums Leben gekommene frühere FDP-Politiker Jürgen Möllemann hat laut Medienberichten über Konten in Luxemburg und Liechtenstein mit erheblichen Millionensummen verfügt. Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete am Mittwoch im Voraus von einem Konto mit 8,95 Millionen Euro in Luxemburg, das Magazin "Stern" von "erheblichen Geldbeträgen" in Liechtenstein. Unterdessen will Möllemanns Witwe offenbar, dass FDP-Chef Guido Westerwelle der Beerdigung am Freitag fernbleibt.

Verdacht des Profits aus Schmiergeld- und Provisionszahlungen erhärtet

Demnach erhärten die neuen Erkenntnisse bei Ermittlern den Verdacht, dass Möllemann von Schmiergeld- und Provisionszahlungen im Zusammenhang mit dem Panzerexport 1991 nach Saudi Arabien profitierte. Der Düsseldorfer Staatsanwalt Johannes Mocken bestätigte zwar, dass zwischen den Möllemann-Konten in Luxemburg, Liechtenstein und seiner Firma WebTec in Düsseldorf Geldtransfers "hin und her" gegangen seien. Bei den anderen Informationen handele es sich aber um Gerüchte. "Das ganze Spekulieren um Waffengeschäfte und die Herkunft der Gelder, da bewegen wir uns auf dem Level des Gerüchtes. Wir haben darüber keine Erkenntnisse", sagte Mocken.

SPD erwägt Untersuchungsausschuss

Die SPD erwägt nach den Berichten über das Vermögen Möllemanns einen Untersuchungsausschuss im Bundestag zu den illegalen Parteispenden der nordrhein-westfälischen FDP. Der SPD-Abgeordnete Volker Neumann sagte der "Zeit", er sei "fast der Auffassung, dass eine Neuauflage des U-Ausschusses gerechtfertigt ist".

Beerdigung Möllemanns am Freitag

Möllemann soll im engsten Familienkreis in Münster beigesetzt werden. Möllemanns Witwe, Carola Möllemann-Appelhoff, will laut "Passauer Neuen Presse" nicht, dass Westerwelle an der Beerdigung teilnimmt. Der Sprecher der Familie, Uwe Tönningsen, sagte der Zeitung, "es wäre eine kluge Entscheidung von Herrn Westerwelle, nicht zu erscheinen". Die Witwe habe "nicht unbedingt den Wunsch, diesen Herren, denen sie gram ist, zu begegnen."

Der am vergangenen Donnerstag ums Leben gekommene Politiker war laut "Stern" zeichnungsberechtigt für Konten der Liechtensteiner Briefkastenfirma Curl AG. Diese sei von seinem langjährigen Geschäftspartner Rolf Wegener gegründet worden, der über eine andere Gesellschaft beim umstrittenen Export von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien im Jahr 1991 fast neun Millionen Mark (rund 4,6 Millionen Euro) Provision kassiert haben soll.

Möllemann soll dem Bericht zufolge den Panzerexport als Wirtschaftsminister gefördert haben. Von der Curl AG seien 3,9 Millionen Schweizer Franken (rund 2,53 Millionen Euro) an Möllemanns Düsseldorfer Firma WebTec geflossen. Über das Luxemburger Konto waren laut "Zeit" Aufwendungen für Möllemanns Ferienhaus auf Gran Canaria sowie Honorarzahlungen der Firma WebTec abgewickelt worden.(APA/AP)

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