Anthropologe korreliert Artensterben mit menschlichem Bevölkerungswachstum

11. Juni 2003, 15:13
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Direkte Auswirkungen auf Säugetier- und Vogelspezies berechnet

Columbus/Ohio - Wenn die Weltbevölkerung im gleichen Maß ansteigt, werden in den kommenden 50 Jahren weitere 15 Prozent der Tiere zu bedrohten Arten. Betroffen davon sind nicht nur Spezies in Entwicklungsländern, sondern überall auf der Welt, berichtet der Anthropologe Jeffrey McKee von der Ohio State University in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Biological Conservation".

"Wenn andere Spezies nach den gleichen Mustern wie Säuger und Vögel dezimiert werden, ist es mit der Zukunft der Biodiversität schlecht bestellt", so McKee, der die Korrelation zwischen Bevölkerungswachstum und Artensterben herstellt.

Untersuchung

Der Wissenschaftler hat die Bevölkerungszahlen von 230 Staaten genauer untersucht, um demografische Daten wie Wachstum und Bevölkerungsdichte zu ermitteln. "Wir wissen, dass es eine Reihe von natürlichen Komponenten gibt, die eine Gefährdung gewisser Lebewesen unterstreichen", erklärt der Forscher, der auch als Professor für Ökologie tätig ist. Die natürlichen Faktoren wurden menschlichen Faktoren gegenübergestellt.

Nach Angaben des Wissenschaftlers lässt sich so genau vorhersagen, welche Arten speziell gefährdet sind, wenn die Bevölkerung weiter um den Faktor x wächst - gültig für 88 Prozent dieser Spezies. "Selbst die restlichen 12 Prozent lassen sich anhand der individuellen Ökologie eines Landes, etwa der Zahl endemischer Pflanzen und Tiere, genau bestimmen", so McKee. Dabei bemerkt der Forscher, dass die Schätzung der Zahlen nur insofern ungenau sei, als verschiedene Arten bisher noch nicht beschrieben sind.

Negativbeispiel Kongo

McKee sagt voraus, dass in den USA in den kommenden 50 Jahren zehn weitere Arten als gefährdet eingestuft werden müssen. "Das klingt nach wenig, aber es dauert hunderttausende Jahre bis eine Spezies sich überhaupt entwickelt", so der Experte. Es sei eine Katastrophe, wenn innerhalb von 50 Jahren plötzlich zehn weitere Arten an den Rand der Ausrottung gebracht werden. In der Studie wurden nur Säugetiere und Vögel berücksichtigt.

In seiner Arbeit hat der Forscher auch besonderes Augenmerk auf die Republik Kongo gelegt. Dieses Land habe eine der schlimmsten Zukunftsaussichten: Bis 2050 werden dort weitere 26 Spezies als gefährdet einzustufen sein. In dem zentralafrikanischen Land, das für seine reiche Artenvielfalt an Säugern bekannt ist, würde die Zahl der gefährdeten Tierarten damit um fast 40 Prozent steigen. (pte)

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