Die Show des Gerrit Glomser

12. Juni 2003, 13:41
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Königsetappe: Der Titelverteidiger siegte am Kitzbühler Horn und verteidigte das Gelbe Trikot souverän - Golcer auf Platz zwei

Kitzbühel - Gerrit Glomser hat auf der Königsetappe der Wiesbauer-Tour eine beeindruckende Show abgezogen. Der Gesamtsieger des Vorjahres feierte auf dem dritten Abschnitt von Badgastein auf das Kitzbühler Horn (158 km) einen Solosieg mit 22 Sekunden Vorsprung auf Jure Golcer (Volksbank Vorarlberg) und baute seine Gesamtführung vor dem Slowenen auf 36 Sekunden aus. "Ich überrasche mich jedes Mal wieder selbst", meinte Glomser Freude strahlend.

Simoni lobt Glomser

So wie Tausende Rad-Fans war auch Giro-Sieger Gilberto Simoni als Zuschauer von der Leistung seines Saeco-Teamkollegen begeistert. "Ein sehr harter Anstieg, Gerrit ist intelligent gefahren", lobte der Trentiner. Glomser bewies mit seiner entscheidenden Attacke rund 1.000 Meter vor dem Ziel seine Klasse und zeigte nach seinem zweiten Platz auf dem Horn im Vorjahr endgültig, dass er auch als Bergfahrer seinen Mann steht. "Gerrit hat seinen Platz für die Tour de France sicher", sagte Simoni, der beim Saisonhöhepunkt ab 5. Juli auf die Dienste des Salzburgers baut.

Leichtfüßiger Glomser

Die "Leichtigkeit", mit der Glomser den 7,5 km langen Schlussanstieg (Höhendifferenz 916 m, durchschnittliche Steigung 14 Prozent) zum Alpenhaus bewältigte, war verblüffend. "Es hat diesmal nicht so weh getan wie im Vorjahr, als ich im Ziel zusammengebrochen bin", erklärte der 28-Jährige, der bis Ende Mai bei einem sechswöchigen Höhentrainingslager in Colorado Kraft getankt hatte. Auf den restlichen vier Etappen ist nun sein Saeco-Team gefordert, es gilt, Ausreißergruppen keinen zu großen Vorsprung zu lassen.

Schwer gezeichneter Obwaller

Während Glomser recht locker Siegerinterviews gab, waren seine Rivalen im Ziel arg gezeichnet. Hans Peter Obwaller, der im Vorjahr die Etappe auf das "Dach" der Rundfahrt solo gewonnen hatte, lag diesmal als Vierter hinter dem Bulgaren Iwailo Gabrowski (+0:31) 42 Sekunden zurück. "Für mich war es sehr hart, ich bin mehrmals abgerissen, habe mich wieder herangekämpft und bin zu oft über das Limit gegangen", sagte der Gesamt-Zweite von 2001 und 2002.

Ein Funke Hoffnung

Die Leistung Glomsers hatte ihn verblüfft. "Ich bin besser gefahren als im Vorjahr, mir ist unerklärlich, wie man diesen Berg so schnell hinauffahren kann. Drei Mann waren besser, das muss ich akzeptieren", meinte der Pinzgauer. Die Hoffnung auf den Gesamtsieg hat er trotz 1:02 Minuten Rückstand noch nicht aufgegeben. "Abgerechnet wird erst am Schluss, aber es wird sehr schwer."

Kontrolle von der Spitze aus

Glomser hatte das Rennen im Schlussanstieg stets kontrolliert, geriet nie in Bedrängnis. "Ich konnte es ruhig angehen lassen, musste nur abwarten, bis die anderen eine Schwäche zeigten", untertrieb der Salzburger. In der fünfköpfigen Spitzengruppe, die sich gleich zu Beginn des Hornanstiegs gebildet hatte, machte zunächst sein Kollege Leonardo Bertagnolli Tempo und ließ Obwaller leiden. Doch dann attackierte Glomser in der Folge zwei Mal selbst und distanzierte beim dritten Mal auch den guten Kletterer Golcer, den Zweiten der Slowenien-Rundfahrt.

Nun hat Glomser die besten Karten, als erster Fahrer seit Wolfgang Steinmayr 1975/76 den Tour-Sieg zu wiederholen. Die "Schwäche" Obwallers war ihm nicht verborgen geblieben. "Er hat nicht die Form des Vorjahres, konnte bei den Tempowechseln nicht mitgehen."

Lichtblick Thomas Rohregger

Drittbester Österreicher des Tages war nicht Andreas Matzbacher (24./+3:49), der nach einer Verkühlung nicht in Topform ist ("Ich konnte nicht mitfahren, das ärgert mich voll"), sondern der erst 20-jährige Tiroler Thomas Rohregger (Hervis Linz) als Neunter (+1:36). Bernhard Kohl (Rabobank) büßte als 19. 3:04 Minuten ein und Martin Kraler (Merida Graz) kam unmittelbar vor Matzbacher als 23.(+3:42) ins Ziel. (APA)

Dritte Etappe - 158 km von Bad Gastein über 158 km auf das Kitzbüheler Horn:
1. Gerrit Glomser (AUT) 4:03:22 Stunden - 2. Jure Golcer (SLO) + 22 Sekunden - 3. Ivailo Gabrovski (BUL) 31 - 4. Hans-Peter Obwaller (AUT) 42 - 5. Valter Bonca (SLO) 55 - 6. Leonardo Bertagnolli (ITA) 1:07 Minuten - 7. Rinaldo Nocentini (ITA) 1:21 - 8. Igor Pugaci (MOL) 1:24 - 9. Thomas Rohregger (AUT) 1:36 - 10. Pieter Weening (NED) 1:51 - weiter: 19. Bernhard Kohl 3:04 - 23. Martin Kraler (AUT) 3:42 - 24. Andreas Matzbacher (AUT) 3:49 - 29. Harald Morscher (AUT) 4:23 - 31. Christian Pfannberger (AUT) 4:34 - 33. Christian Pömer (AUT) 4:51 - 35. Hannes Hempel (AUT) 6:06 - 49. Rene Kopeinig (AUT) 8:18 - 69. Werner Riebenbauer (AUT) 11:05

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    Anstieg aufs Kitzbühler Horn mit Kaisergebirge im Hintergrund

  • Jure Golcer vor dem späteren Etappensieger Gerrit Glomser.

    Jure Golcer vor dem späteren Etappensieger Gerrit Glomser.

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