Kongo: Französische Truppen errichten Kontrollpunkte in Bunia

11. Juni 2003, 15:27
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Hema-Kämpfer wollen Stadt Mongbwalu erobert haben - EU- Außenpolitik-Beauftragter Solana: "Kongo-Mission streng auf Region Ituri begrenzt"

Bunia/Hamburg - Einen Tag nach ihrer Ankunft in Kongo haben die französischen Truppen in der umkämpften Stadt Bunia Kontrollpunkte errichtet. Damit solle die Präsenz der zunächst mehr als 100 Soldaten unterstrichen werden, sagte Militärsprecher Oberst Gerard Dubois am Mittwoch. Die Soldaten bilden die Vorhut einer internationalen Friedenstruppe, die mit insgesamt 1.400 Mann die Kämpfe zwischen rivalisierenden Volksgruppen in der Stadt beenden soll.

Den Truppen stünden viele Möglichkeiten zur Verfügung, Bedrohungen der Bevölkerung, des Flughafens und von Hilfsorganisationen zu begegnen, sagte Dubois weiter. Die Soldaten erweiterten derzeit den Sicherheitsring um den Flughafen und hätten Schlüsselpositionen in der Stadt besetzt.

Operation "Artemis"

Frankreich stellt einen Großteil der Soldaten, die im Rahmen der Operation "Artemis" die bereits in Bunia stationierte UN-Truppe MONUC verstärken sollen. Über die weitere Zusammensetzung der Friedenstruppe werde möglicherweise am Mittwoch in Paris entschieden, erklärte Dubois. Ihr Mandat ist auf die Stadt Bunia beschränkt.

Der Anführer der Hema-Volksgruppe, Thomas Lubanga, erklärte, seine Kämpfer hätten die Stadt Mongbwalu zurückerobert. Die Gefechte um die Stadt und ihre Goldmine hätten mindestens 73 Menschen das Leben gekostet. Lubanga, Chef der Union Kongolesischer Patrioten (UPC), kündigte einen Vormarsch seiner Truppen auf die Ortschaften Mahagi und Aru nahe der ugandischen Grenze an. Nach Angaben von Lubanga kontrollieren die Hema derzeit etwa 60 Prozent der Provinz Ituri, die etwa zwei Mal so groß wie Belgien ist.

Solana: "Wir sind nicht das Afrika-Corps"

Der Einsatz von europäischen Truppen im Bürgerkriegsland Demokratische Republik Kongo soll nach den Worten des EU-Außenbeautragten Javier Solana streng auf die umkämpfte Region Ituri begrenzt werden. "Wir sind nicht das Afrika-Corps", sagte Solana der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit". Die Truppen erfüllten "allein einen UN-Auftrag", um den Flughafen zu sichern, zwei Flüchtlingslager zu schützen und die Stadt Bunia zu befrieden.

"Und das alles nur bis Septmeber", betonte Solana: "Wenn wir wieder abziehen, werden wir nicht alle Probleme des ganzen Landes gelöst haben."

Europa müsse ein "militärischer Akteur" werden, wenn "wir unsere Werte verteidigen wollen" begründete Solana das EU-Engagement. Europa habe eine Verantwortung für die Welt, "ob uns das gefällt oder nicht". Zugleich schloss Solana weitere Einsätze für die Zukunft, auch in anderen Erdteilen, nicht aus. Das bedeute jedoch nicht, dass die Gemeinschaft "Polizist der Welt" werde. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Französische Soldaten bei ihrer Landung im Kongo.

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