OMV holt sich Geld von Privatanlegern

11. Juni 2003, 14:28
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Ölkonzern begibt sieben-jährige 150-Millionen-Euro-Anleihe zu voraussichtlich 3 7/8 Prozent

Wien - Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV begibt von 23. bis 26. Juni eine Unternehmensanleihe im Volumen von 150 Mio. Euro mit sieben Jahren Laufzeit und einer voraussichtlichen Verzinsung von 3 7/8 Prozent. Endgültig fixiert werden sollen der Kupon und der Emissionskurs am 17. Juni. Mit dem endfälligen Bond - die Rückzahlung ist für 30. Juni 2010 vorgesehen - will die OMV ihre heuer getätigten Akquisitionen zum Teil langfristig finanzieren. Zielgruppe für die Anleihe sind primär heimische Privatanleger und institutionelle Investoren im In- und Ausland.

Die Anleihe soll im Amtlichen Handel der Wiener Börse notieren. Lead-Manager ist die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ausgewählt, die die Platzierung gemeinsam mit einem Syndikat aus neun weiteren österreichischen Banken durchführen wird. Eine Aufstockung des Emissionsvolumens über 150 Mio. Euro sei möglich, so die OMV. Ebenso sei ein vorzeitiger Zeichnungsschluss vorbehalten. Gestückelt ist die Anleihe zu je 1.000 Euro.

Anleihe soll Wachstumskurs im Donauraum unterstützen

Durch die Refinanzierung über die erste Euro-Anleihe der OMV soll eine "noch effizientere Unterstützung des mittel- und langfristigen Wachstumskurses" der OMV gewährleistet werden, sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Mittwoch in Wien. Er schloss dabei auch weitere Akquisitionen im OMV-Kernmarkt, dem Donauraum, nicht aus. Wie berichtet bewirbt sich die OMV um die kroatische INA. Ob sie sich auch für die serbische Beopetrol bewerben wolle, wollte Ruttenstorfer nicht sagen, meinte aber, die OMV habe generell Interesse an allen interessanten Unternehmen.

Ruttenstorfer bezeichnete die geplante 150 Mio.Euro-Anleihe als einen "wesentlichen Schritt zur Diversifizierung der Fremdfinanzierungsquellen der OMV" und als "eine weitere attraktive Anlagemöglichkeit in OMV-Papieren" für österreichische Privatanleger und in- und ausländische Investoren. Im Zuge des "sehr erfolgreich" laufenden Expansionsprogrammes seien in den ersten beiden Monaten dieses Jahres mit dem Erwerb der internationalen Assets der TUI-Tochter Preussag Energie um rund 300 Mio. Euro und der Downstream-Assets der BP in Südostdeutschland, Ungarn und der Slowakei um etwas mehr als 500 Mio. Euro (inkl. 150 Mio. Euro Umlaufvermögen) zwei wesentliche Schritte getan worden. Die Zwischenfinanzierung der Akquisitionen sei kurzfristig mittels Bankdarlehen erfolgt.

Drei strategische Stoßrichtungen

Die OMV als integrierter Öl- und Gaskonzern verfolgt laut Ruttenstorfer in seinen Kernbereichen drei strategische Stoßrichtungen. So habe sie sich beim Mineralölproduktenmarkt auf den Donauraum konzentriert, einem Markt mit 100 Mio. Einwohnern und 80 Mio. Tonnen Ölverbrauch. Auf diesem Markt wolle die OMV eine "langfristig haltbare Position" haben. Darunter versteht Ruttenstorfer im Schnitt einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Aus Erfahrung wisse man, dass auf reifen Ölmärkten zwei bis drei Wettbewerber übrig bleiben und rund 60 Prozent Marktanteil halten. "Wir wollen bei diesen Dreien dabei sein und bei jenen Dreien, die dann auch langfristig in diesem sehr großen, auch wachsenden Markt, Geld verdienen", so der OMV-Chef.

Bis 2008 wolle sich die OMV im Bereich Raffinerie- und Marketing verdoppeln. Um ein integriertes Öl- und Gasunternehmen bleiben zu können, bedeute dies aber auch den Ausbau bei der Förderung. Deshalb die Zielsetzung, die Förderung von 80.000 Fass pro Tag von 2002 auf 160.000 Fass pro Tag in 2008 anzuheben, "um eine gute Ration von eigener Förderung zur Verarbeitung und zum Vertrieb zu gewährleisten". 90 Prozent davon lägen bereits in den OMV-Reserven.

Erdgas als kommender Energieträger

Ruttenstorfer sieht Erdgas als den kommenden Energieträger. Die OMV sei auch hier entschlossen, ihre exzellente Position im Erdgasgeschäft, die daraus herrühre, dass ein Drittel der russischen Erdgasströme über Österreich in Richtung Westeuropa gehen, weiter auszubauen, so der OMV-Chef. Dazu plant das Unternehmen bei EconGas - der für Supply, Handel und Marketing zuständigen gemeinsamen Gesellschaft mit den EnergieAllianz-Gasversorgern - zu expandieren, und den zu OMV Erdgas zählenden Hub Baumgarten als europäischen Hub für die Gaswirtschaft stärken. Insbesondere werde ein Projekt geprüft, womit neue Gasquellen aus Zentralasien über die Türkei erschlossen werden könnten.

Am Dienstag hatten die OMV-Aktien an der Wiener Börse um 0,77 Prozent auf 105,19 Euro zugelegt.(APA)

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