"Mütter, Töchter, Trümmerfrauen":

13. Juni 2003, 15:13
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Der ORF widmet den Frauen der Nachkriegsjahre einen Programmschwerpunkt

Wien - Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren es vor allem Frauen und Kinder, die mit kleinen Resten geretteter Habseligkeiten einer ungewissen Zukunft entgegensahen. Weibliche Arbeitsleistung ebnete den Weg aus dem Nachkriegschaos in die Normalität. Mit Andreas Novaks Dokumentation "Mütter, Töchter, Trümmerfrauen" und einer ausführlichen Berichterstattung im Rahmen von "Willkommen News" widmet der ORF diesen Frauen einen Programmschwerpunkt.

"Zeitgeschichte ist männlich"

Andreas Novak begibt sich für "Mütter, Töchter, Trümmerfrauen" am Freitag, dem 13. Juni, um 21.20 Uhr in ORF 2 auf Spurensuche. Er zeigt Heldinnen der so genannten "Heimatfront", die von der Zwangsrekrutierung in den NS-Rüstungsbetrieben auf die Schutthalden der Städte wechselten. Novak: "Die Zeitgeschichte hat sich mit diesem Thema nur wenig auseinandergesetzt. Geschichte war männlich, Politik war männlich und in den Schulen wurde ein männlich zentriertes Geschichtsbild vermittelt." Zeitzeugin Grete Mejer: "Die Bombenängste wird man nie wieder los, das sitzt ganz tief in einem drin. Wenn man sich diesen Film ansieht und die Leistungen dieser Frauen betrachtet, stellt sich die Frage, warum hat man ihnen kein Denkmal gesetzt hat." Lotte Treffer, die am Freitag, dem 13. Juni, auch bei "Willkommen News" zu Gast ist: "Dieser Film hat mich zutiefst bewegt. Dokumentationen sollen auch Denkanstöße geben. Der Film von Andreas Novak weckt das Interesse an diesen Frauen und dieser Generation."

Zeitzeuginnen berichten

Im Leben der Frauen nach dem Krieg standen "Tauschgeschäfte" auf der Tagesordnung. Die Marchfelder Bäuerin Monika Lugmayr (Jahrgang 1940) schildert im ORF Magazin "Willkommen News" am Donnerstag, dem 12. Juni, um 18.30 Uhr in ORF 2 ihre Kindheitserlebnisse: StädterInnen, meist Frauen, kamen aufs Land, um Wertsachen, aber auch Dienstleistungen gegen Lebensmittel einzutauschen. Dieses weibliche Bild der "Hamsterer" hat sich Frau Lugmayr bis heute eingeprägt.

Lotte Treffer, Jahrgang 1930, war eine "Trümmerfrau". 1945 kam sie mit ihren Eltern aus dem Prager Exil ins zerbombte Wien zurück. Sie erzählt über den täglichen Überlebenskampf, die Schwierigkeiten den Kalorienbedarf zu decken. Weggeworfen wurde nichts, auch Lebensmittelabfälle waren wertvoll, als Brotaufstrich diente manchmal ein Stück Hefe. Lotte Treffer ist zu Gast in "Willkommen News" am Freitag, dem 13. Juni, um 18.30 Uhr in ORF 2. (red)

"Mütter, Töchter, Trümmerfrauen"
Freitag, 13. Juni, um 21.20 Uhr in ORF 2
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