Im Kampf gegen Ungleichheit

25. Juni 2003, 01:00
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Sylvia Pankhurst - Feministin, Pazifistin und Suffragetten-Tochter - im Porträt

Der Name Pankhurst steht gleich für drei herausragende Persönlichkeiten der englischen Suffragettenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Emmeline und ihre Töchter Sylvia und Christabel, die sich gemeinsam in der 1903 von ihrer Mutter gegründeten WSPU (Women`s Social and Political Union) engagierten. Ihren Einsatz für die Rechte der Frauen mussten sie hart bezahlen. Die Teilnahme an Demonstrationen führte zu Haftstrafen im Londoner Frauengefängnis Holloway, wo ihre Hungerstreiks mit Zwangsernährung sanktioniert wurden. Erfahrungen, die Sylvia Pankhurst erst viele Jahre später in ihrem Buch "The Suffrage Movement" (1931) verarbeiten konnte.

Einsatz für Pazifismus und Sozialismus

Als in der Durchsetzung des Frauenwahlrechts lange Zeit keine Fortschritte sichtbar waren, sah sich die WSPU veranlasst, militanter vorzugehen. Bombenanschläge und Brandstiftungen waren die Folge. Schon zu diesem Zeitpunkt zog sich Sylvia aus der WSPU zurück, weil ihre pazifistische Ideologie mit diesen Auswüchsen unvereinbar war. Stattdessen entfaltete sie ihr sozialistisches Engagement für die Arbeiterfrauen. Kinderbetreuungseinrichtungen und medizinische Versorgungsstätten wurden initiiert.

Der Bruch zwischen Sylvia, der Pazifistin, und den beiden anderen Pankhurst-Frauen war endgültig, als sich die WSPU im Ersten Weltkrieg auf die Seite der Heimatfront stellte. Gemeinsam mit Charlotte Despard gründete Sylvia die Women`s Peace Army und forderte Friedensverhandlungen. Daneben arbeitete sie für die durch Antikriegskampagnen berüchtigte Labour Party und schrieb für deren Wochenzeitung für Arbeiterinnen "The Women`s Dreadnought". Auch physisch verstärkte sie ihren Einsatz für die Arbeiterfrauen, die in größter Not zu leben hatten. Aufgrund der desolaten Verhältnisse war die Säuglingssterblichkeit im ersten Kriegsjahr extrem angestiegen: 100 000 Babys starben ( im Vergleich dazu 75 000 britische Soldaten). Mit Unterstützung von Barbara Tchaykovsky gelang es ihr, in London vier Mutter-Kind-Kliniken zu eröffnen, wodurch die Sterblichkeitsrate wieder gesenkt werden konnte.

Ihr ganzes Leben hindurch war Sylvia Pankhurst sozial und politisch tätig. Bereits 1917 war sie aufgrund prokommunistischer Zeitungsartikel für die Russische Revolution wegen Aufwiegelung zu einer fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. 1930 unterstützte sie jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Den zweiten Weltkrieg verbrachte sie in Äthiopien, im Widerstand gegen den Faschismus und als Leiterin der Kampagne gegen die italienische Okkupation des Landes. Hier blieb sie auch bis zu ihrem Tod 1960.

Soziale Prägung durch den Vater

Schon als kleines Mädchen hat sie ihr Vater, ein Rechtsanwalt, in die Slums von Manchester und London mitgenommen. Dort hielt er politische Reden und so kam Sylvia sehr früh mit den Unterprivilegierten in Kontak: "The misery of the poor, as I heard my father plead for it, and saw it revealed in the pinched faces of his audiences, awoke in me a maddening sense of impotence; and there were moments when I had an impulse to dash my head against the dreary walls of those squalid streets."

Feministin durch die Mutter

Mit ihrem Lebenspartner Silvio Corio, einem italienischen Journalisten, führte Sylvia ein glückliche Beziehung ohne Trauschein. Auch als sie mit 44 Jahren Mutter wurde, wollte sie auf keinen Fall heiraten. Nichts wäre ihr absurder vorgekommen als einen Ehevertrag zu schließen und den Namen eines Mannes anzunehmen. Eine richtige Feministin blieb sie also ihr Leben lang. (dabu)

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    Sylvia Pankhurst als junges Mädchen.
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    Die Pazifistin in mittleren Jahren.
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    Die Feministin im Alter.
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