Rauer Wind für ÖSV-Langläufer

13. Juni 2003, 16:55
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Künftig wird nur noch Weltklasse gefördert - Gandler neuer Chef für Langlauf und Biathlon - Pepi Strobl bleibt "Österreicher"

Innsbruck - Auf Österreichs Langläufer kommen raue Zeiten zu. Nach der lebenslangen Sperre für Ex-Chef Walter Mayer wurde Dienstagabend anlässlich der traditionellen ÖSV-Sommergespräche auf dem Innsbrucker Patscherkofel zwar Ex-Langläufer Markus Gandler als neuer Direktor für Langlauf und Biathlon vorgestellt, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel machte dabei aber auch klar, dass künftig nur noch Weltklasse gefördert wird.

Zurück in die Steinzeit gefallen

Nach den goldenen Jahren mit Olympia- und WM-Medaillen ist Österreichs Langlauf in Folge der Blutbeutel-Affäre von Salt Lake City und einiger Fehler im Training wieder in die Steinzeit zurück gefallen. Das Nationalteam für die kommende Saison umfasst mit Christian Hoffmann, dem 35-jährigen Michail Botwinow und dem gesperrten Marc Mayer nur noch drei Läufer. "Wir haben heute eine Situation wie vor zehn Jahren, nur mit zehn Mal so viel Geld, das kann aber nicht sein", so Schröcksnadel. Deshalb ist jetzt mit der Geldverteilung im Gießkannenprinzip Schluss.

Künftig werden die Mittel in einem gemeinsamen Konzept mit den Landesverbänden gezielt nur noch für förderungswürdige Läufer und Talente eingesetzt. "Wenn Weltklasse nicht absehbar ist, wird auch nicht gefördert", so Schröcksnadel. Mit dem neuen Konzept sehe er aber sehr gute Chancen, wieder an die Weltspitze anzuschließen.

Gandler und Stadlober in der Verantwortung

Die Hypothek trägt mit Gandler jetzt ein Ex-Rennläufer, der als Agentur-Besitzer eigentlich schon in die Privatwirtschaft entschwunden war. Ihm zur Seite steht mit Alois Stadlober ebenfalls ein Ex-Läufer. Der Steirer hat zugesagt, auf freundschaftlicher Basis beratend zu helfen. Emil Hoch ist Trainer für die Distanz, Ex-Läufer Roland Diethard kümmert sich künftig um die Sprinter. Gefunden wurde auch bereits ein ausländischer Chef für den Nachwuchs, den Namen des "Kapazunders" (Gandler) hält man noch unter Verschluss.

Gandler hofft aber, dass der ehemalige Gold-Schmied Mayer über kurz oder lang wieder zur Verfügung steht. Dazu muss dieser aber seine Klage gegen die FIS gewinnen. Mayer wurde deshalb vom ÖSV "notgedrungen" gekündigt, um beim Arbeitsgericht gegen die lebenslange Sperre kämpfen zu können. "Wir lassen niemand fallen. Ihm ist zu verdanken, dass Langlauf Weltklasse geworden ist. Gewinnt er den Prozess, stellen wir ihn sofort wieder ein", versicherte Schröcksnadel.

Fall Mayer geht vor Gericht weiter

Mayer muss auch den ÖSV klagen, weil der ja den FIS-Beschluss exekutiert hat. "Aber damit können wir leben", so Schröcksnadel. "Mayer hat eine Strafe verdient, aber lebenslang ist unverhältnismäßig. Die FIS hat ihn gegen meine Stimme gesperrt. Es war wie bei einer Hexenverbrennung, der Delinquent wurde weder eingeladen noch angehört", kritisierte der Präsident. Dass die FIS nichts mit Doping am Hut habe, sei löblich. "Das tun wir auch. Aber ich habe etwas gegen Ungerechtigkeit und es gibt drei Gutachten, dass es sich nicht um eine leistungsfördernde Methode gehandelt hat."

Abseits des Langlaufs hatte Schröcksnadel unter dem Gipfel seines Hausberges praktisch nur gute Nachrichten zu vermelden. Pepi Strobl wird wie erwartet weiter für den ÖSV fahren und auch wenn Stephan Eberharter erst im Juli über seine Zukunft entscheiden wird, verdichten sich die Anzeichen, dass es in der kommenden Saison zum großen Showdown zwischen dem Tiroler und Hermann Maier kommt.

Showdown zwischen Maier und Eberharter ist möglich

Alpinchef Hans Pum: "Der Stephan trainiert fleißig, ist gut drauf. Er will sich jetzt aber nicht den Kopf zerbrechen. Das Duell gegen Maier spielt bei seiner Entscheidung sicher keine Rolle. Klar ist aber, dass so ein Duell nicht nur für Österreich, sondern für den ganzen Skisport gut wäre und für ein Riesen-Medienecho sorgen würde."

Fix ist nun, dass am Patscherkofel eine zweite Abfahrt gebaut wird. "Damit ist gesichert, dass auch künftig wieder Weltcuprennen hier stattfinden können. Für die Skigäste wäre es unzumutbar, dass der Berg wegen eines Rennens zehn Tage lang gesperrt ist", sagte Schröcksnadel. Mit den Arbeiten wird im Herbst begonnen. (APA)

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