Heißer Juli, hochfliegende ORF-Pläne

12. Juni 2003, 15:10
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Hat der ORF-Stiftungsrat erst die Gebührenerhöhung abgesegnet, kommen auch andere Vorhaben wieder in Bewegung

Das "Jahrhundertprojekt" (ein Betriebsrat) musste warten. Schon vorige Woche war eine zweite Runde zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat vorgesehen. Rund tausend von 1600 freien Mitarbeitern will die Anstalt anstellen, um Klagen zuvorzukommen. Man vertagte sich auf nach dem Stiftungsrat.

Beim ersten Treffen von Management und Betriebsräten zum Thema im Mai lagen die Personalwünsche der Abteilungen noch ein gutes Stück über dem Limit. Ö1 zum Beispiel forderte merklich mehr Angestellte als vorgesehen, erklären Insider. Nur für das Landesstudio Burgenland seien die Zahlen weitgehend ausverhandelt.

Gebührenerhöhung "noch nicht gegessen"

"Die Geschäftsführung hat offenbar mit der Gebührenerhöhung alle Hände voll zu tun", sagt einer der Verhandler. Die der Stiftungsrat Donnerstag kommender Woche absegnen soll. "Noch ist sie nicht gegessen", warnt ein ORF-Insider Dienstag zum STANDARD und zieht Parallelen: "Die Erhöhung wackelt so wie die Pensionsreform."

Mit neuen Pensionsregelungen erschwerte die Regierung schon einmal das Leben: Wegen höheren Antrittsalters können sich ein paar Hundert ORF-Angestellte etwas später verabschieden. Frühere Ruhestände hätten es der Anstalt deutlich erleichtert, die Freien kostenneutral anzustellen.

Hinter den Kulissen wird heftig daran gearbeitet, die erste Anpassung der Gebühren seit 1998 noch durchzubringen. Wie berichtet sollen sie mit Jahreswechsel um 8,2 Prozent steigen - und damit geringer als die Inflationsrate seit der jüngsten Erhöhung

Heiße Phase

Mit Ende Juni geht es in Sachen freie Mitarbeiter in die "heiße Phase", formuliert ein ORF-Betriebsrat. Die Frage dann: Wer konkret wird angestellt, von wem trennt sich das Haus?

Mück erwartet "mit der Absicherung einer Anstellung mutigen Journalismus"

ORF-Chefredakteur Werner Mück erwartet "mit der Absicherung einer Anstellung mutigen Journalismus", wie er zuletzt in einem Interview erklärte. Derzeit allerdings heiße es besser nicht durch solchen auffallen, beschreibt ein ORF-Redakteur das - vermutete oder tatsächlich vermittelte - Chancenprofil, einen fixen Job zu bekommen.

Auf den Beschluss der Gebührenerhöhung wartet auch Wolfgang Lorenz: Der Planungschef hat für die Anstalt erarbeitet, wie ORF 2 europaweit und unverschlüsselt über Satellit ausgestrahlt werden könnte. Und das, ohne größere Löcher in die zuletzt ohnehin mit 42,5 Millionen Euro operativem Verlust belastete ORF-Bilanz zu reißen.

Lorenz schwieg sich zuletzt im APA-Interview über die Kosten aus, sprach nur von "im Wesentlichen Leistbarem". Wie berichtet sind bis zu zehn Millionen veranschlagt.

Zwei Modelle

Laut Lorenz sind zwei Modelle vorgeschlagen, die "auf Abruf" zu verwirklichen wären, Voraussetzung: Gebührenanpassung.

  • Variante 1: Für einige Sendungen wie etwa Koproduktionen müssen europaweite Senderechte (statt bisher nur österreichische) ausverhandelt werden.

  • Variante 2, dem Vernehmen nach um vier Millionen Euro: Fehlen für Programme internationale Rechte, werden sie durch Eigenproduktionen - wohl auch aus dem Archiv - ersetzt. "Universum" etwa könnte auf ORF 1 wandern.

Nicht zur Debatte steht für Lorenz derzeit ein völliger Abschied des ORF von 3sat. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe vom 11.6.2003)

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