"'Die USA manipulierten Geheimdienstinformationen"

10. Juni 2003, 16:41
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Ehemaliger US-Beamter kritisiert laut ZDF-Magazin Bush und Powell

Mainz - Die US-Regierung hat nach Darstellung eines früheren Mitarbeiters Informationen über die Rüstung im Irak verfälscht, um sich einen Vorwand für die Militärintervention in dem Land zu verschaffen. Wie das ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag im Voraus berichtete, erklärte Greg Thielmann in einem Interview des Senders, die Regierung habe Geheimdienstinformationen manipuliert, um ihre politischen Ziele zu erreichen. "Der Irak war nicht einmal in der Lage, seine direkten Nachbarn zu bedrohen und schon gar nicht die USA, das mächtigste Land der Welt", sagte er laut ZDF.

"Angebliche Beweise waren Fäschungen"

Den Angaben zufolge leitete Thielmann bis September im Geheimdienstbüro des US-Außenministeriums die Abteilung, die sich mit irakischen Massenvernichtungswaffen beschäftigte. Er kritisierte von Präsident George W. Bush angeführte Informationen über angebliche Uran-Käufe des Irak in Afrika. Seine Abteilung habe die betreffenden Dokumente über ein halbes Jahr vorher geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, "dass die angeblichen Beweise Fälschungen waren". Er habe seine Vorgesetzten davor gewarnt, sich auf diese Papiere zu berufen. "Ich war sehr enttäuscht, dass dann trotzdem dieses Material als unser wichtigstes Beweismittel präsentiert wurde."

Auch Außenminister Colin Powell habe die Bedrohung durch den Irak verzerrt dargestellt, sagte Thielmann den Angaben zufolge. Powell habe am 5. Februar im UNO-Sicherheitsrat Aluminiumröhren als Beweis für ein irakisches Atomwaffenprogramm angeführt, obwohl er von der Geheimdienstabteilung mehrmals informiert worden sei, dass diese Röhren nicht für die Produktion von waffenfähigem Atommaterial geeignet seien. "Ich habe es sehr bedauert, dass Powell sich dennoch vor dem UNO-Sicherheitsrat und vor der Welt auf diese falschen Beweise berief", sagte Thielmann laut ZDF. (APA/AP)

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