Simbabwe: Gericht verlängert Gewahrsam für Oppositionsführer Tsvangirai

10. Juni 2003, 15:11
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Mugabes Regierung geht gegen Streik-Unterstützer vor - Sechs Unternehmen wurde die Betriebslizenz entzogen

Harare - Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai muss noch bis zum 10. Juli in Polizeigewahrsam bleiben. Eine entsprechende Anordnung traf am Dienstag ein Gericht in Harare, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Tsvangirai durfte beim Obersten Gericht eine Freilassung gegen Kaution beantragen, über die am Nachmittag entschieden werden sollte.

Der Chef der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) war am Freitag unter dem Vorwurf des Verrats festgenommen worden. Seinem Anwalt zufolge wird ihm die Organisation einer landesweiten Protestwoche gegen Staatschef Robert Mugabe vorgeworfen. Auf Verrat steht in Simbabwe die Todesstrafe. Bereits am ersten Tag der Aktionswoche vergangene Woche war der Oppositionspolitiker vorübergehend festgenommen worden. Der MDC-Generalsekretär Welshman Ncube befindet sich seit Montag ebenfalls in Gewahrsam.

Tsvangirai, Ncube und ein weiterer Parteifreund müssen sich derzeit vor Gericht gegen den Vorwurf des Landesverrats verantworten. In dem seit Februar laufenden Prozess wird ihnen vorgeworfen, ein Attentat auf Mugabe geplant zu haben.

Nach der Aktionswoche der Opposition in Simbabwe geht die Regierung von Präsident Robert Mugabe nun gegen deren Unterstützer vor. Sechs Unternehmen, die während der Protestwoche geschlossen waren, wurde die Betriebslizenz entzogen. Der Staat werde die Firmen übernehmen, erklärte Industrieminister Francis Nhema am heutigen Dienstag im staatlichen Rundfunk. Den ausländischen Mitarbeitern würde die Arbeitserlaubnis entzogen. Acht andere Unternehmen hätten "akzeptable" Entschuldigungen für ihre Schließung präsentieren können. Nhema machte keine weiteren Angaben zu der Art der Unternehmen.

Die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai hatte mit der Aktionswoche den seit 23 Jahren regierenden Präsidenten aus dem Amt drängen wollen. Mit einem Großaufgebot von Armee, Polizei und Milizen hatte Mugabe (79) jedoch Massenproteste verhindern können. Die MDC dagegen hatte die Wirtschaft des Landes zum Erliegen gebracht, da die meisten Arbeiter und Angestellten ihrem Aufruf folgten und zu Hause blieben. Tsvangirai wurde erneut wegen Hochverrats angeklagt und ist seit dem Wochenende in Polizeihaft. Ein Gericht wollte am Abend über seine Freilassung gegen Kaution entscheiden.

(APA/dpa)

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