Israelitische Kultusgemeinde: Muzicant appelliert an Angeordnete um Unterstützung

10. Juni 2003, 13:58
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Offener Brief an Parlamentarier

Wien - Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, appelliert nun an die Abgeordneten im Nationalrat um Unterstützung für seine Forderung nach finanziellen Mitteln für seine Gemeinde. In einem am Dienstag veröffentlichten "Offenen Brief" an die Parlamentarier ersucht er um Zustimmung zu dem Antrag der Opposition, die eine jährliche finanzielle Unterstützung für die IKG einfordert.

Muzicant: "Wir wenden uns in dieser schicksalshaften Stunde daher an alle demokratischen Parteien dieses Landes mit dem dringenden Appell, der Kultusgemeinde zu Hilfe zu eilen und den im Parlament eingebrachten Abänderungsantrag zur Existenzsicherung der jüdischen Gemeinde zu unterstützen. Ihre Stimme ist entscheidend!"

"Schicksalhafte Stunde"

Nach 1945 sei es vorerst "undenkbar" erschienen, dass in Österreich wieder eine jüdische Gemeinde entstehen würde. Das "Unerwartete" sei aber dennoch geschehen. Nun sei aber eine "schicksalhafte Stunde" gekommen: "Heute sehen wir uns an den Anfang zurückgeworfen und fragen uns, ob die vom österreichischen Volk gewählten Mandatare bereit sind, dieser jüdischen Gemeinde jene finanzielle Basis zu geben, die es ihr ermöglicht, ihre Infrastruktur aus Eigenem zu erhalten, oder ob nicht doch alles ein schöner Traum war und wir, aus diesem Traum gerissen, ernüchtert konstatieren müssen, dass wir zu Bettlern degradiert werden."

"Wichtig und bedeutsam"

Er halte jedenfalls fest an der Meinung, "dass die Existenz einer jüdischen Gemeinde für Österreich ebenso wichtig und bedeutsam ist wie für uns Juden", so Muzicant weiter. Ein demokratisches Land, das sich zu Menschenrechten und zur europäischen Wertegesellschaft bekenne, sei auch verpflichtet ist, eine jüdische Gemeinde zu fördern und zu unterstützen, "ohne dass diese - täglich, wöchentlich, jährlich - darum kämpfen muss, dies insbesondere im Licht der Tatsache, dass wir heute einer der größten und reichsten Gemeinden Europas wären, hätte es nicht die Schoah gegeben, in die so viele Österreicher schuldhaft verstrickt waren". (APA)

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