Im Urlaub nach antiken Schätzen schürfen

27. August 2003, 11:27
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Archäologische Grabungen sind ein klassisches Urlaubsziel, bisher musste man sich aber mit einer Besichtigung der antiken Überreste begnügen. Nun kann man in den Ferien erstmals selbst aktiv an einer Ausgrabung teilnehmen

Die "Arge Wissenschafts-Tourismus" bietet heuer in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut, dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Wien und dem Naturhistorischen Museum Wien die Möglichkeit, in einem ein- bis zweiwöchigen Urlaub unter fachkundiger Anleitung an der Erforschung eines keltischen Fürstensitzes und einer keltischen Wallburg, beide in Niederösterreich, mitzuwirken.

Hinter der "Arge Wissenschafts-Tourismus" stehen das Online-Magazin "ExpeditionZone.com", das sich den Themen Wissenschaft, Reise, Abenteuer widmet, und das Wiener Reisebüro "X-Dream Holidays". "Wir wollen mit dieser Initiative ein neues Segment des Qualitätstourismus eröffnen, das interessierten Laien erstmals die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit an Grabungen bietet, den beteiligten Regionen mehr Nächtigungen bringt und auch der Wissenschaft dringend benötigte Drittmittel zur Finanzierung ihrer Forschungen beschafft", erklärte Robert Manoutschehri von "ExpeditionZone.com" im Gespräch mit der APA. Denn ein Teil der Einnahmen geht direkt an die beteiligten wissenschaftlichen Institutionen.

Gestartet wird heuer mit zwei wissenschaftlichen Destinationen: ein keltischer Fürstensitz auf dem Sandberg bei Roseldorf im nördlichen Weinviertel und eine keltische Wallburg auf dem Braunsberg nordöstlich von Hainburg an der Donau. Für beide Grabungen werden im August bzw. September jeweils zwei Termine angeboten. Am Sandberg kosten 13 Tage Urlaubs-Archäologie 1.380 Euro (verkürzte Teilnahme ist möglich), die Mindestteilnehmerzahl ist fünf, maximal können sieben Urlauber nach Schätzen schürfen. Am Braunsberg kosten acht Tage 1.260 Euro, bei mindestens fünf und maximal zehn Teilnehmern.

Inkludiert sind in die Preise neben Übernachtung, Frühstück und Mittagsjause auch eine tägliche Schulung und Betreuung durch einen Gruppenleiter, eine Einführung in die Geschichte des jeweiligen Grabungsprojekts und der untersuchten Kultur sowie eine theoretische und praktische Einführung in die modernen Grabungsmethoden. Darüber hinaus werden Exkursionen und Ausflüge in die Umgebung sowie Abend-Gespräche mit den beteiligten Forschern angeboten.

"Wir haben einfach zu wenig Geld für unsere Forschungen und versuchen auf diese Art, unsere Arbeit aufrecht zu erhalten", erklärte der Vorstand des Instituts für Ur- und Frühgeschichte, Otto Helmut Urban, seine Beweggründe, die sonst streng gehüteten Grabungsfelder auch für Laien zu öffnen. Sowohl der Bund als auch die Länder würden seit Jahren "so mit dem Geld runterfahren, dass wir selbst praktisch kaum noch forschen können". Urban sieht das Projekt als Versuch an. Ob es auch aus wissenschaftlicher Sicht klappe, werde davon abhängen, ob die Teilnehmer das richtige Bild von der Archäologie hätten, oder mit "Indiana Jones-Mentalität" kommen.(apa/red)

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