Glimmstengel noch und nöcher

10. Juni 2003, 14:04
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"Feel free to say no"-Anti-Raucherbus tourt durch Österreich, um Kids den Geschmack auszutreiben

Wien - Mit dem Motto "Feel free to say no" der Europäische Kommission sollen die Zwölf- bis 18-Jährigen auf die Gefahren des Rauchens aufmerksam gemacht werden. Rund 36 Millionen Jugendliche sollen erreicht werden. Gestartet wurde die Kampagne vergangenes Jahr, ab kommenden Freitag macht ein internationaler Info-Bus auch fünf Mal Station in Österreich, sagte der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien, Karl Doutlik am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Internationale Strategie gefragt

Nur eine internationale Strategie könne helfen, eine Trendumkehr bei Kindern und Jugendlichen zu erreichen, so Doutlik. Die Werbung gaukle leider noch immer vor, wie "locker" und cool der Glimmstängel wirke. Laut Statistik ist die Zahl der jugendlichen Raucher ständig im Steigen. 36 Prozent aller 15-jährigen Mädchen greifen zumindest einmal wöchentlich zur Zigarette, bei den Burschen sind es dreißig Prozent, warnte Doutlik. Damit liege Österreich im internationalen Spitzenfeld.

Indirekte Tabakwerbung in Italien verboten

Der Vorsitzende der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden, Univ. Prof. Dr. Manfred Neuberger, kritisierte die Tabakkonzerne, die schon seit Jahrzehnten von der abhängig machenden Wirkung des Nikotins und anderer Inhaltsstoffe in Zigaretten Bescheid wissen.

Trotzdem dürfe für Tabak, die "Einstiegsdroge für verbotene Substanzen"- so der Experte, immer noch geworben werden. Positiv sieht Neuberger, dass etwa in Italien seit Mai dieses Jahres die indirekte Tabakwerbung verboten ist. Rauchende Moderatoren etwa im Fernsehen gehören bei unseren südlichen Nachbarn der Vergangenheit an.

Schmeckt so gut

Laut einer aktuellen Wiener Studie hat die Gruppe der Neun- bis 17-Jährigen offensichtlich wenig Angst, dass Rauchen süchtig machen kann (39 Prozent), so Hannes Schmidl, Bereichsleiter Gesundheitsplanung der Stadt Wien. Nach den Gründen befragt, warum sie rauchen, hatten 73 Prozent "weil es schmeckt" angegeben. Rauchende Freunde beeinflussten die Kids in 46 Prozent der Fälle. Als "billiges Vergnügen" stuften 19 Prozent den Zug an der Zigarette ein.

Vierzig Prozent aller Krebstodesfälle seien auf Rauchen zurückzuführen", erläuterte Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident Österreichische Krebshilfe. Das "Nichtrauchen sollte von der Schule in die Familie getragen werden", so der Expertentipp. Bei einer Initiative der Krebshilfe in Schulen sei es immerhin gelungen, dass 58 Prozent der rauchenden Jugendlichen nach einem halben Jahr vom Glimmstängel losgekommen waren.

Gleichzeitig kritisierte Sevelda, dass trotz Unterstützung der Unterrichtsministeriums die Beteiligung an der Aktion sehr schlecht sei. Nur drei Prozent aller Schulen hatten im vergangenen Jahr teilgenommen. (APA)

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