"Große Akzeptanz der Priesterinnen"

10. Juni 2003, 11:48
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Ein Jahr nach der umstrittenen Weihe warten bereits neue Kandidatinnen auf ihren Einsatz

Linz - "Unsere Akzeptanz ist groß, viel größer, als wir angenommen hatten" - so schildert Christine Mayr-Lumetzberger, eine der "Priesterinnen" in der katholischen Kirche, fast ein Jahr nach der umstrittenen "Weihe". 15 weitere "Priester-Kandidatinnen" gebe es inzwischen, sowohl aus Österreich als auch aus Deutschland und den USA, berichtet Mayr-Lumetzberger.

"Beugestrafe kümmert uns nicht"

Im Juni 2002 hatten sieben Frauen auf einem Donauschiff von einem südamerikanischen "Bischof" die "Priesterweihe" empfangen. Die Kirche betonte schon im Vorfeld und bis heute, dass diese Weihe ungültig sei. Rom erklärte schließlich die sieben Frauen für exkommuniziert. Dazu Mayr-Lumetzberger: "Eine Beugestrafe, die von den Männern in Rom verhängt wird, kümmert uns nicht". Die "Priesterinnen" üben seit dem vergangenen Jahr in verschiedenen Bereichen ihre "seelsorgliche" Tätigkeit aus, berichten sie.

Seelsorgerinnen mit bürgerlichen Berufen

Man habe viele Anfragen, "wir predigen, wir halten Trauungen und arbeiten in der Hospizbewegung mit", so Mayr-Lumetzberger. Andere sind in einer Art "Telefonseelsorge" tätig, sie führen Gespräche und agieren auch auf dem Weg über E-Mails. Auf Anfrage feiern sie auch die Eucharistie.

Dabei verstehen sich die Frauen als "Arbeiterpriesterinnen", das heißt, sie gehen "zivilen" Berufen nach und üben ihre "priesterliche" Tätigkeit "in der Freizeit" aus. Die Frauen wollen, wie sie betonen, auch nicht in "Konkurrenz" zu den bestehenden katholischen Pfarren treten. "Wir stehen einfach für Menschen zur Verfügung, die uns brauchen", betont Mayr-Lumetzberger, "wir suchen keinen Streit mit der Kirche, wir provozieren nicht, wir behandeln die männlichen Kollegen im Priesteramt respektvoll und erwarten das auch umgekehrt".

Anwärterinnen mit Theologie-Studium

Derzeit seien etwa 15 Frauen "in der Warteschleife" für die "Priesterinnen-Weihe". Die meisten haben ein Theologiestudium absolviert oder tun dies derzeit noch, im nächsten Schritt werden sie in speziellen Seminaren auf ihre priesterliche Aufgabe vorbereitet. Diese Seminare dauern insgesamt zehn Wochenenden. Mayr-Lumetzberger rechnet damit, dass die nächsten "Priesterinnen" in etwa einem bis eineinhalb Jahren "geweiht" werden. (APA)

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    Christine Mayr-Lumetzberger
  • Die Priesterinnen bei der Weihe vor einem Jahr.
    foto: standard/bilderbox.com
    Die Priesterinnen bei der Weihe vor einem Jahr.
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