NATO und USA wollen Kampfeinsatz 2013 beenden

2. Februar 2012, 18:10
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Kabul von vorzeitigem US-Truppenabzug überrascht - Generalsekretär Rasmussen: Verantwortung an Afghanen übergeben

Kampfeinsatz endet vorzeitig
USA und Nato wollen die bewaffneten Auseinandersetzungen in dem Land am Hindukusch früher als erwartet einstellen. Bereits 2013 wollen sie die afghanischen Kräfte im Kampf gegen die Taliban nur noch unterstützen.

Brüssel/Kabul - Der Krieg in Afghanistan geht seinem Ende zu - zumindest für viele ausländische Soldaten in dem Land am Hindukusch. Das haben führende westliche Politiker zuletzt erklärt.

Die USA etwa wollen ihren Kampfeinsatz deutlich früher als erwartet beenden. Die US-Truppen würden sich vor Ende 2013 aus Combat-Operationen zurückziehen und dann nur noch eine unterstützende Rolle bei der Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte spielen, kündigte der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta am Mittwoch an. Zuvor hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärt, dass die französischen Soldaten bis Ende 2013 abziehen sollen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte am Donnerstag in Brüssel, dass auch die Militärallianz ihren Einsatz 2013 beenden will.

"Die Transition wird im Verlauf des Jahres 2012 fortgesetzt, und wir erwarten, dass die letzten Provinzen an die afghanischen Sicherheitskräfte bis Mitte des Jahres 2013 übergeben werden" , sagte Rasmussen vor Beginn eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister. "Ab diesem Zeitpunkt wird sich die Rolle unserer Kampftruppen nach und nach von Kampfeinsätzen zu Unterstützungaktionen ändern." Es sei allerdings "von entscheidender Bedeutung, dass dieser Rollenwechsel abgestimmt vor sich geht" .

Auf die ähnliche Ankündigung Panettas reagierte Kabul allerdings überrascht. "Die Entscheidung, dies ein Jahr vorzuziehen, wirft die gesamten Planungen für die Übergangsphase über den Haufen" , hieß es in afghanischen Regierungskreisen. Damit müssten alle Vorbereitungen drastisch beschleunigt werden. Die afghanische Regierung sei nicht im Voraus informiert worden. "Wenn sich die USA aus den Kämpfen zurückziehen, wird das sicher Konsequenzen für unsere Bereitschaft, Ausbildung und die Ausrüstung der Polizei haben" , hieß es in Afghanistan.

In Brüssel berieten die Nato-Verteidigungsminister genau über diese Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte. Panetta nahm an dem zweitägigen Treffen teil. Die Nato hatte sich bei ihrem Gipfel 2010 in Lissabon darauf verständigt, den Kampfeinsatz in Afghanistan bis Ende 2014 zu beenden.

Die USA hatten bisher erklärt, sie würden einen Großteil ihrer Kampftruppen bis Ende 2014 abziehen. Der neue Zeitplan stimme mit der in Lissabon beschlossenen Nato-Strategie überein, betonte Panetta. "Bei den Beratungen in Lissabon war es immer klar, dass einmal ein Punkt kommen würde, an dem wir den Übergang machen - um dann in der Lage zu sein, den erzielten Erfolg 2014 zu festigen" . Daher sei dies keine neue Strategie, nur die Umsetzung der Beschlüsse des Lissabonner Gipfels.

Panettas Ankündigung erntete auch Kritik von Obamas möglichen Gegner im Rennen um die Präsidentschaft, dem Republikaner Mitt Romney. "Warum in aller Welt präsentiert man den Leuten, gegen die man kämpft, den Tag des Abzugs auf dem silbernen Tablett?" , erklärte er. "Das ergibt überhaupt keinen Sinn" . Eine Rückkehr der Taliban nach dem Abzug der Isaf wäre ein politischer Rückschlag für die internationale Gemeinschaft, die Milliarden dafür ausgegeben hat, die Taliban zu stürzen und ein demokratisches System in dem Land zu etablieren. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2012)

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    Marines tragen in der hart umkämpften Helmand-Provinz einen verwundeten Kameraden zu einem Sanitätshubschrauber. Spätestens Ende 2013 soll Schluss mit dem Kampf in Afghanistan sein.

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    Leon Panetta und Anders Fogh Rasmussen (li.) wollen sich aus dem Krieg zurückziehen.

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