Alles eine Frage des Stils

1. Februar 2012, 20:52
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Auto statt Fahrrad, Internet statt Buch, Protest statt Partei - ein breites Abtasten des jugendlichen "Lifestyles"

Blättert man in der aktuellen "Jugend und Zeitgeist"-Studie des Instituts für Jugendkultur zum Kapitel "Lifestyle", könnte man sich folgendes Bild machen: Die Teenager orientieren sich an der Generation "Saturday Night Fever". Auto statt Fahrrad, Internet statt Bücher und Ausgehen statt Zuhausebleiben, sagt die Gegenüberstellung von Schlagworten, die auf ihre "Lifestylekompatibilität" abgetastet wurden.

Der SchülerStandard porträtierte in den vergangenen Wochen einige der "jugendkulturellen Szenen" der Studie. Und kam zu der Erkenntnis, dass es nur wenige Leute gibt, die sich klar in eine Szene einordnen lassen wollen. Überraschend ist daher, dass nur 21,3 Prozent der Befragten angaben, sich keiner der angeführten Szenen zugehörig zu fühlen. Die Studie beantwortet klar die Frage nach der größten Szene: Mit satten 38, 2 Prozent ist dies "Fitness". Manuel Steinbichler, Student und langjährig in der Jugendarbeit tätig, sieht dieses Ergebnis als ein Wien-spezifisches und meldet Zweifel an, dass dies für ganz Österreich repräsentativ sei. Die Erhebung wurde unter 16- bis 19-Jährigen und ausschließlich in der Hauptstadt durchgeführt.

Fitness, Fußball, Hip-Hop und House

Die Szenen Fußball, Hip-Hop und House landeten auf den Plätzen zwei bis vier. Sabrina Zehetbauer (17), Schülerin aus Wien, kann der Einteilung in Szenen bei der Jugendstudie nicht viel abgewinnen: "Nur weil ich gerne Sport mache oder manchmal trainieren gehe, heißt das noch lange nicht, dass ich der Fitness-Szene angehöre." Genauso würde es sich ihrer Meinung nach auch mit anderen Szenen verhalten, soll heißen: Wer Hip-Hop oder House hört, ist noch lange nicht in der jeweiligen Szene. Eines fällt bei der Erhebung der Szenenzugehörigkeit auf: Die Gruppen sind angepasster. Szenen, die sich traditionellerweise optisch klar abheben wollen, wie Punks oder Gothics, kamen bei der Umfrage nicht über fünf Prozent.

Trends sind für die Bildung von Jugendszenen wichtig, erklärt sich Zehetbauer die Erstplatzierung von Fitness. "Mit dem immer größer werdenden Schönheitswahn ist es klar, dass die Fitness-Szene wächst." Auch Fußball, die zweitbeliebteste "Szene", könne man ihrer Ansicht nach einfach mit der Beliebtheit des Sports erklären.

Vereinbar mit dem Lebensstil der Jugendlichen ist außerdem eher No-Name-Kleidung (44,4 Prozent) gegenüber "Markenklamotten" (35,3), Freizeit mit Freunden (59) eher als mit der Familie (23,5) und Musik zum Zuhören (44,3) statt zum Tanzen (40,8). Der allgemeine Sparkurs hat sich hier noch nicht niedergeschlagen: 44 Prozent wollen "Geld ausgeben", gegenüber 39,5 Prozent, die Sparen bevorzugen.

Lifestyletechnisch ist unter den Ergebnissen der Jugendstudie vor allem die Frage nach der Einstellung zur Politik interessant: 37 Prozent empfinden es als zu ihrem Lebensstil passend, in einer politischen Protestbewegung mitzumachen. Ein Viertel würde sich in einer Partei engagieren. "Neben rationalen Argumenten ist auch viel Platz für Emotionen", kommentiert Studienautorin Großegger die Beliebtheit von Protestbewegungen. Das "Element der Empörung" steht dabei aktuell sehr stark im Vordergrund. Daraus "erwächst ein Gemeinschaftserleben, das Protestaktionen zu einem echten 'Polit-Event' macht". Das "eigentlich interessante Ergebnis der Studie" sei jedoch der auffällig hohe Anteil der "Weder-noch"-Antworten. Wiederum ein Indiz für die vielbeschworene "Politikverdrossenheit" der Jugend. (Selina Thaler, David Tiefenthaler, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)


  • Laut Studie zählen sich nur noch wenige zu 
optisch auffälligen Jugendszenen.
    foto: epa/azubel

    Laut Studie zählen sich nur noch wenige zu optisch auffälligen Jugendszenen.

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