Wir, das Europäische Parlament

1. Februar 2012, 20:44
  • Artikelbild
    foto: eyp
  • Artikelbild
    foto: eyp

    Das "Teambuilding" hilft beim Kennenlernen, um dann große EU-politische Fragen im European Youth Parliament zu debattieren.

Atomstrom - ja oder nein? Über diese und ähnliche große Fragen der EU-Politik diskutieren Jugendliche im European Youth Parliament - Eine der vielen internationalen Sitzungen fand letzte Woche in Graz statt

Wien/Graz - "Ich bin fest davon überzeugt, dass es für die Staaten der EU wichtig ist, demokratische Werte zu demonstrieren und nicht das Prinzip der Zensur hochzuhalten." Die jungen Zuhörer der General Assembly, der parlamentarischen Generalversammlung, lauschen gespannt der englischen Rede, wagen es aber durchaus, die Vortragenden auf Unklarheiten, Missverständnisse oder Fehler hinzuweisen. Offiziell und korrekt geht es zu - man wähnt sich in einer Sitzung des Europäischen Parlaments. Nur die Teilnehmer sind auffallend jünger: Rund 50 Schüler aus ganz Österreich haben sich vergangenen Freitag gemeinsam mit internationalen Mitgliedern des European Youth Parliament (EYP) in der Grazer International Bilingual School zum zweiten "EYP Day" versammelt.

Kompakter Sitzungsmarathon

Das EYP ist eine international agierende NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, "unabhängiges Denken", "soziopolitische Initiative" und "soziale und professionelle Fähigkeiten" an junge Europäer zu vermitteln. Diesmal sollten innerhalb eines einzigen Tages all jene Aktivitäten Platz finden, die sonst in regulären Sitzungen auf vier bis zehn Tage verteilt sind. Zum ersten Mal wurde dieses neue Konzept am 16. Dezember 2011 im Wiener Gymnasium St. Ursula erprobt. Viele Teilnehmer, darunter auch Perl Li (18), resümierten: Die Sitzung war "sehr kompakt, aber spannend".

Die Arbeit bei einer EYP-Sitzung passiert auf mehreren Ebenen. Bereits im Vorfeld werden die Teilnehmer in Komitees gegliedert, die Lösungen für ein bestimmtes Problem und ein Statement ausarbeiten. Da sich Teilnehmergruppen oft über die Schule formen, stehen die Organisatoren einer EYP-Sitzung mit den Lehrern in Kontakt, die von der NGO Vorbereitungsmaterial bekommen. Schließlich ist auch die Sitzung in mehrere Abschnitte unterteilt. Fabian Sommer, der in Graz das erste Mal als "chair", also Gruppenleiter fungierte, erzählt von der Arbeit in seinem Komitee.

Für und wider Atomstrom

"Nach den üblichen gruppendynamischen Spielen, dem Teambuilding, musste sich das Komitee entscheiden, ob es für oder gegen Atomstrom ist." Sommer, ist neben seiner gelegentlichen Chair-Tätigkeit, auch Vizepräsident, Nationaler Koordinator und Zuständiger für Innere Angelegenheiten bei EYP Austria.

Um den Diskussionen im Komitee, das sich mit dem Thema Umwelt und Atomstrom beschäftigte, Struktur zu verleihen, wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt. Eine sammelte Argumente für den Einsatz von Atomstrom. Die andere präsentierte Gegenargumente. Schließlich wurden die Rollen getauscht. Auf die komiteeinterne Diskussion folgte schließlich die Vorbereitung auf die parlamentarische Vollversammlung, die General Assembly (GA). "Trotz der interessanten und kreativen Argumente für Atomstrom entschied sich das Komitee einstimmig, eine Resolution gegen die Verwendung des Atomstroms zu verfassen", erzählt Sommer. Ebenso wie bei allen anderen Abschnitten einer EYP-Sitzung ist bei der GA eine klare Struktur einzuhalten: Die Komitees präsentieren ihre Stellungnahmen, es werden Fragen gestellt und konstruktiv kritisiert, um sich eine Meinung bilden zu können. Dann kommt es zur Abstimmung, und die Stellungnahme wird angenommen oder abgelehnt. (Bath-Sahaw Baranow, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)

Reich sein muss sich lohnen!
02
Ziemlich realitätsfern das Ganze

Die spielen da Parlament wie es sein sollte, nicht wie es ist.

Wo ist zum Beispiel der Klubzwang? Die Parlamentarier müssten in Parteien eingeteilt werden.
Einige Parteien bilden dann eine Koalition mit der Sie eine Mehrheit im Parlament haben der Rest geht in die Opposition.

Wie die Parlamentarier abzustimmen haben wird von der Partei diktiert.

Im Parlament findet man dann einfach nur alles shice was von der Opposition kommt und beklatscht alles was von der Koalition kommt und umgekehrt falls man sich in der Opposition befindet.
Diskussionen gibt es nur fürs Fernsehen, ein bisschen Demokratie-Show fürs Stimmvieh - wie man abzustimmen hat entscheidet ohnehin der Klub...

knaeckeKami
 
01

Ich war bereits bei einer Veranstaltung des EYP und kann das bestätigen.
Es ist nichtdestotrotz eine gute Gelegenheit, andere Kulturen (okay, nur innerhalb der EU) kennenzulernen und die Englischkenntnisse zu verbessern.

Und ein bisschen "Ich habs euch ja gesagt Effekt":
Bei meinem Committee wurde zu Zukunft Ägyptens behandelt, das war kurz nach dem Rücktritt Mubaraks. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass der Militärrat so schnell wir möglich entmachtet werden muss. Dies ist nicht geschehen und jetzt gibt ist wieder Chaos in Ägypten

asinus
00

Sehe ich ähnlich...in Wirklichkeit bestimmen nach wie vor die Lobbies das Geschehen, sie nehmen auch Einfluss auf die Parlamentarier; dazu kommt die Parteihörigkeit, eventuelle Weisungen usw. - von Bestechung, Gefälligkeiten usw. wollen wir gar nicht reden.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.