Start-up aus Wien

Wasser reinigen mit dem Sonnen-Smiley

David Krutzler, 1. Februar 2012, 18:29
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    foto: helioz

    Wadi" im Einsatz in Ägypten: Hat die Sonne genug geschienen und ist das Wasser ausreichend gereinigt, erscheint auf dem Display ein Smiley.

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    Jetzt werden sozial engagierte Unternehmer gesucht.

Der Vorarlberger Unternehmer Martin Wesian zog aus, um verunreinigtes Wasser in Entwicklungsländern mit einfachsten Mitteln zu bekämpfen

Zum globalen Durchbruch seiner Erfindung fehlt nur noch Geld.

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Stuttgart - Ein Hauch von Facebook mag Martin Wesian kurz in den Sinn gekommen sein. Da entwickelt man als Student ein bahnbrechendes System mit möglicherweise globalen Auswirkungen und Konsequenzen. Und nach langer Suche klopft beim Start-up-Unternehmen aus Wien plötzlich ein potenter Investor an die Tür, der die Idee auch umsetzen will.

An der Türschwelle endet allerdings, vorerst zumindest, die Ähnlichkeit mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. "Da ist einer gekommen, der hat uns sofort eine Million Euro in Aussicht gestellt. Das hat sich wie ein Lottogewinn angehört, schließlich kämpfen wir um jeden Euro an Förderungen. Die Bedingung des Investors aber war, dass das von mir entwickelte Gerät nicht mindestens fünf Jahre, sondern höchstens zwei Jahre halten darf." Wesian hat dankend abgelehnt. Der 37-jährige Wirtschaftsingenieur aus Vorarlberg hat mit dieser Entscheidung an seine potenziellen Kunden gedacht. Sie sind die Ärmsten der Welt ohne gesicherten Zugang zu sauberem Wasser. "Für die macht es einen lebenswichtigen Unterschied, ob mein Gerät statt fünf nur zwei Jahre hält."

Reinigung in PET-Flaschen

Der Dornbirner hat 2009 in seiner Diplomarbeit für die FH Technikum Wien ein bereits bestehendes Wasserdesinfektionsverfahren verfeinert: Gewöhnliche, mit Wasser gefüllte PET-Flaschen werden einige Stunden in die Sonne gelegt. Die UV-Strahlen töten dabei Keime ab, die zu lebensbedrohlichen Krankheiten wie Cholera, Hepatitis oder Polio führen können. "Sodis" (Solar Water Disinfection) wird die von der ETH Zürich entwickelte Methode genannt, die bereits mehr als drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern verwenden. Das Problem war aber bisher, den genauen Zeitpunkt der Desinfektion zu bestimmen. "Bewölkungsgrad, Sonneneinstrahlung und Verschmutzung des Wassers haben da einen großen Einfluss", sagt Wesian.

Sein entwickeltes Gerät, das er "Wadi" getauft hat, nimmt den Menschen diese Unsicherheit ab. Einfach auf eine PET-Flasche geschraubt, zeigt Wadi den Fortschritt der Desinfizierung auf einem Display ähnlich der Anzeige bei einem Handy-Akku. Hat die Sonne genug gearbeitet, leuchtet ein Smiley. Die Idee brachte Wesian zahlreiche Preise wie den "Energy Globe Award" ein.

Kein Abkochen mehr

Erst vergangene Woche wurde er in Stuttgart mit dem mit 20.000 Euro dotierten dritten Platz des vom Druckerhersteller Kyocera gestifteten Umweltpreises ausgezeichnet. Der Umweltgedanke ist dabei nur Begleiterscheinung: Wadi verhindert Feuerstellen, die normalerweise für das Abkochen des verunreinigten Wassers verwendet werden - und somit einen bedeutenden CO2-Emittenten.

60 Stück hat Wesian schon produziert, sie werden auch in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen (UN) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) testweise in Indien, Ruanda, Uganda, Kenia, Tansania und Ghana eingesetzt. Wesian: "Nicht nur wir sagen, dass das Ding funktioniert." 4000 Stück werden gerade in Indien produziert. "Noch kostet das Gerät knapp zehn Dollar. Wir versuchen, es auf fünf Dollar drücken zu können." Ziel ist, Wadi, das auch über einen Grobpartikelfilter verfügt, für Dorfgemeinschaften in Entwicklungsländern leistbar zu machen. Damit könnten auch staatliche Gesundheitsausgaben in die Bekämpfung von Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser ausgelöst werden, signifikant eingespart werden.

Noch leben Wesian und die sechs Mitarbeiter seines Unternehmens Helioz von Förderungen. Sind abschließende Tests positiv, ist endlich der Markteinstieg geplant. Im April stellt Wesian sein Gerät bei der Asia Water in Kuala Lumpur vor, dann folgt ein Vortrag an der Eliteuniversität Yale. "Das Interesse an Wadi ist gewaltig", sagt Wesian nach Rückmeldungen von potenziellen regionalen Distributionspartnern. Gelingt mit sozial denkenden Geldgebern der globale Durchbruch, wird Martin Wesian noch einmal ganz kurz an den Millioneninvestor denken. Und lächeln. (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)

Kommentar posten
11 Postings
sainty1
00
Viel Glück!!!

Reich sein muss sich lohnen!
01
Ich unterstütze euch

wenn ihr das Teil so baut, dass es mindestens 10 Jahre hält.
Ich hab jetzt zwar keine Million, aber wenn sich 1.000 von meiner Sorte finden dann geht das schon...

Crowdfunding ftw!

Raphae1
01

In den heißen Ländern des Südens reicht fast immer ein Sonnentag. Am nächsten Tag in der Früh ist es angenehm kühl.

Peter_23
02
Richtig. Dann kann der Herr Wesian kein Geschäft damit machen und verdurstet "finanziell".

Möcht nicht wissen, was dieses Start-Up bis jetzt schon an "Kreditlinien" (=Schulden) laufen hat. Natürlich liegen dann manche Nerven blank.

Die "Zielländer" werden es kaum kaufen können. Denen fehlt das Geld. $5 wird man dort für wichtigere Sachen ausgeben, als wie für solchen komplizierten und wohl auch fehleranfälliges Technikspielzeug.

Bleibt also für das Startup-Unternehmen nur eine Option: Subventionen, Subventionen, Subventionen. Und das ist wohl auch der Ziel dieses Artikel in diversen Medien: (staatliche) Geldgeber im Rahmen der "Entwicklungshilfe" in reichen Ländern zu finden.

Das Muster nachdem das abläuft ist immer das Gleiche. Den Entwicklungsländer hilft es nur kaum. Aber wir haben ein tolles Startup mehr.

leo lander alias mont tatont
02
vor 2 Jahren war der Schaa.... auch schon mal hier

wird wohl nix mit dem Welterfolg

m_M
00
hey man, ich glaube dir ist nicht bewusst was es heißt Wasser zu trinken wo man nicht krepiert !

Peter_23
65
Das halte ich nicht für so klug bzw. für unnützen Firefanz.

Die Desinfektion von Wasser mit UV-Licht in PET-Flaschen hat keine "Über-Desinfketion" zur Folge. Man kann also nicht mehr desinfketionieren weil man zu spät "abdreht". Das ist eben kein Kochen wie bei einem Weichen Ei - was zulange gekocht, dann eben hart wird.

Daher viel einfacher als dieser Firefanz von Wesian: Schutzdauer vorsehen und die Flasche eben etwas länger liegen lassen. Besonders bei bewölkten Himmel. Gerade in Entwicklungslänger ist all dieser technische Firlefanz unnötig. Keep it simple.

Und Tipp: Nicht eine Flasche, sondern mehrere nehmen. Dann hat man immer was zu trinken und es ist dann egal ob die Durchlaufzeit einer Flasche nun 3 Tage oder optimiert nur 1,5 "Sonnentage" braucht. PET-Flaschen gibt es genug.

leaves of grass
01

je weniger lang die flasche in der sonne liegt, umso weniger chemie löst sich aus dem plastik. macht also durchaus sinn, und gibt mehr sicherheit.

a v3
53
NEIN

Peter, du weißt wohl nicht was es heißt fast zu verdursten. Das Infektionsrisiko wird dramatisch gesenkt und daher ist diese Erfindung eine echte Sensation; und übrigens soll es dann nur 5 Dollar kosten... echt lächerlich dieser Preis. Wenn man sich manch andere Projekte ansieht ist WADI eine echt Hoffnung für die Dritte Welt. Das kann Peter aber wohl schwer nachvollziehen. Peter ist so wie der Investor der an seine Tür geklopft hat und eine Obsoleszenz verlangt hat: eben typisch nur das Geld vor Augen. Aber he Peter sagt: lassts halt mehrere Flaschen länger in der Sonne liegen.So einfach ist das; das da noch kein anderer draufgekommen ist? Super Peter du bist eine echte Bereicherung für diese Welt.

Ijon
02

Also mir kommt das auch etwas kompliziert vor...
Und bevor du lossschimpfst denk mal drüber nach wieviel 5 Dollar in diesen Gebieten wert sind und wieviele PET-Flaschen man sich dafür leisten könnt.
Wenn 1 so ein Trum für die ganze Dorfgemeinschaft reichen soll, kann mans ja auch wieder nur auf eine Flasche schrauben...aja..legt man halt die anderen daneben gö...und da beißt sich die Katz dann in den Schwanz.
P.S.: Niemand von uns weiß was es heißt fast zu verdursten, also lass diese Angriffigkeit mal lieber beiseite..

a v3
00

Darum gehts nicht. Wenn du fast verdurstest dann denkst du nicht an die Keime im Wasser. Daher ist es gut zu wissen wann man das Wasser ohne folgen trinken kann. Selbst wenn es nur eines gibt in der Dorfgemeinschaft werden die Leute sensibilisiert für das Thema.

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