Flüssigeier

"Bei Schnitzel und Schaumrollen denkt keiner an Hühner"

Verena Kainrath, 1. Februar 2012, 18:23
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Robert Ortner, Österreichs größter Flüssigeiproduzent, über fixfertige Spiegeleier und fehlende Alternativen zur Käfighaltung

Wien - Bei einem Schnitzel denkt keiner an Hühner, sagt Robert Ortner. Auch nicht bei Schaumrollen und Palatschinken. Dass darin Ei- er aus aller Herren Länder stecken und wohl eher nicht händisch aufgeschlagen werden, sei den meisten nicht bewusst. Ortner wundert sich daher auch nicht wirklich darüber, warum kaum einer sein Unternehmen kennt, obwohl es doch in Österreich in aller Munde ist.

Der Niederösterreicher ist Spezialist für Flüssigeier. 10.000 Tonnen verlassen jährlich seine Produktion in Biberbach. Die Bundesbahn karrt sie in riesigen Tanks zu Großabnehmern wie Ölz, Recheis, Spitz, Manner und Felix. Bäcker, Wirte und Eissalsons sind ebenso treue Kunden wie die Küchen der Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie wollen das Ei in allen Formen und Mischungen: in Fünf-Liter-Packungen, als fixfertiges Spiegelei unter verschweißter Folie, als gefrorene lange Stange und gewürzte Eierspeis, die nur noch in die Pfanne gehauen gehört.

Der Bedarf der Lebensmittelindustrie danach ist groß, und Ortner deckt in Österreich davon 80 Prozent ab. Ob für Frittaten oder Biskotten, das Ei werde auf Kundenwünsche zugeschnitten. Die Betriebe wollten Halbfertiges und damit wenig Arbeit. "Denn die kostet Geld."

Ortner ist gelernter Maurer. In der Flüssigeibranche begann er als Staplerfahrer und stieg dann rasch zum Betriebsleiter auf. Zahlen seien seine Stärke, und schon immer habe er Bilanzen besser lesen können als so mancher Akademiker, sagt er, und es klingt bescheiden.

Dass das 1988 gegründete Werk acht Jahre später in die Insolvenz rutschte, erklärt er mit Managementfehlern: Acht große Eierproduzenten hatten es in Biberbach eröffnet, um überschüssige Ware nicht weiter auf Feldern entsorgen zu müssen. Da Hendln naturgemäß nach Ostern im gleichen Tempo weiterlegen, landeten einst Millionen Eier unter dem Pflug. Die zu hohen Eierpreise der früheren Eigentümer machten das Flüssigeigeschäft jedoch zu einem verlustreichen, erinnert sich Ortner. Vor 16 Jahren kaufte er 20 und der niederländische Konzern Interovo 80 Prozent der Anteile. Seither erziele die Pro Ovo Gewinne. 33 Mitarbeiter setzen mittlerweile jährlich 14 Millionen Euro um.

50 Prozent Import

Eine Million Eier schlägt der Betrieb am Tag maschinell auf. Messer schneiden sie über Blechen auf - Schlitze trennen Dotter und Eiweiß. Im Vergleich zum europäischen Mitbewerb ist Pro Ovo freilich klein: Internationale Erzeuger verarbeiten die sechsfache Menge.

Ortner sucht keine Eier, sie werden ihm angeboten. Gut die Hälfte importiert er, "weil es in Österreich zu wenig davon gibt". Eier aus Boden- und Freilandhaltung dominieren. Biologisch sind weniger als drei Prozent, den Kunden seien sie zu teuer. Fast ein Fünftel entstammt Käfigen. Er sei ein Gegner der Kleingruppenhaltung, sagt Ortner. Doch es mangle in Europa nach wie vor an Alternativen.

Für Rufe nach einer generellen Herkunftskennzeichnung auf Lebensmitteln sei es daher zu früh. Technisch hält er das ohne weiteres für machbar - auch wenn sich viele Betriebe wehrten. Er selbst bietet ab April erstmals Flüssigei unter dem AMA-Gütesiegel. "Wir wollen Importe zurückdrängen."

Gute Geschäfte macht Pro Ovo nicht nur mit dem Gelben vom Ei. Auch Teile der Schale werden zu Geld gemacht: Sie enden als biologischer Nacktschnecken-Tod. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
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Bioberni31
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Es mangelt in Europa an Alternativen??

Allein was in Österreich an Almen aufgelassen wird wäre Platz genug für Freilandhaltung, von Rumänien, Ungarn, Polen will ich ja gar nicht sprechen.

aL6
00

schon mal ein fleckchen wiese gesehen, nachdem einige hühner für ein paar stunden darauf gegrast haben? ;) ich verstehe mich allerdings auch als gegner der legebatterien....hab ja selber 7 hühner zuhause, die brav ihren job verrichten!
übrigens - wir zermahlen die schalen und mischen es den hühnern wieder ins fressen....

Salz Burger
40
20.2.2012, 17:06

Hühner fühlen sich im Freiland nicht wohl, weil sie Angst vor Feinden aus der Luft haben. Deshalb sind ihnen Büsche, wo sie sich verstecken können lieber.

Aber dann wären Eier sehr teuer, was sicher kein Ziel sein kann.

msm
01
Alternativen gibt es...

Unsere Landwirte bekommen für stillgelegte Äcker Förderungen, somit haben Massentierhalter, die Lebensmittelindustrie immer weniger Konkurrenz, können sich die Preise untereinander absprechen.
Wir finanzieren diese Förderungen über Steuern, werden dafür schön langsam vergiftet, durch den Genuß industriell erzeugter Nahrung, durch das Einatmen von Abgasen, verursacht durch unnötig lange Transportwege

Sand
01
"Bei Schnitzel und Schaumrollen denkt keiner an Hühner"

Sagt Robert Ortner mit dieser Aussage, dass Flüssigeier von Bayer Leverkusen geliefert werden? Von Bayer kommt lediglich der Farbstoff, der dem Hühnerfutter beigemischt wird, damit das Eigelb - we auch der Zuchtlachs - die jeweilige nationalen Farbnachfrage erfüllt: vom skandinavischen blass-gelb bis zum spanischen rot-orange. Österreich liegt ungefähr im Mittelfeld.

Gaddafi lebt
02
"Gut die Hälfte importiert er"

Und die dafür zuständigen Hühner haben gentec-Futter noch nicht einmal von der Weiten gesehen...

Salz Burger
30
20.2.2012, 17:07

Wichtig ist doch nur, dass die Inhaltstoffe passen. Wer auf den pseudoreligiösen Anti-Gentechnik-Wahn setzt muss sich halt woanders umschauen. Den meisten Konsumenten wird es egal sein. Mir auch.

Zweimal denken, einmal sprechen
01
26.2.2012, 19:58

So um die 7% sind also die meisten, so, so ...

ich wollt ich wär ein huhn
00
leider kommt in dem bericht nicht zum ausdruck

warum soviel flüssigei genommen wird. mit dem eu-hygienewahn ist es jedem betrieb durch auflagen fast unmöglich gemacht worden frische eier zu verarbeiten. daher wird fast überall flüssigei (oder fertige produkte) verwendet da dieses pasteurisiert und sicher einsetzbar ist. so gesehen auch noch ein vorteil für den konsumenten da salmonellen, etc. ausgeschlossen sind.

ka-r-li
00
25.2.2012, 10:19

wenn sie eier pasteurisieren, sind die aber nimmer flüssig...

Salz Burger
10
20.2.2012, 17:08

ja, eben. Wir wollen alle sichere Nahrungsmittel.

gracilis
02
Möglicher Lichtblick:

Immerhin fast 3% Bioeier. Es braucht also nur EINEN Produzenden, der seine tiefgekühlte Bioschnitzel mit ebendiesen Bioeiern paniert, und es entsprechend deklariert. Ab dann entscheidet der Konsument, und wenn ich mir die Menge an angebotener Bioware im Supermarkt ansehe, ist der Trend eindeutig ein ansteigender.

Nichts ist Alternativlos

Bonnie Prince Charlie
02
Bei Schnitzel denkt keiner an Hühner!

Ich schon. Beim Hühnerschnitzel.

José Atento
22
Flüssigei igitt

Wer da noch in ein Restasurant geht und oft extrem überhöhte Preise bezahlt, ist eigentlich selbst schuld.

Bei uns legen die Hühner jeden Tag ein Ei und davon kann man leben.

lemming0815
00

sie essen ein ei am tag oder ein huhn, nachdem es das ei gelegt hat?

milchtrinker
10
Jeden Tag ein Ei?

Entweder Sie haben echte "Turbo-Hühner" oder keine Ahnung!

msm
00
Bis zur Mauser...

...stimmt es in etwa, danach werden in Legestationen die Hühner sowieso entsorgt,

choronzon
00
soweit ich das korrekt rauslese

schreibt atento "die hühner jeden tag ein ei".
sinnerfassend lesen is murdsschwer ich weis.

re flexion
00
Naja (wie im Posting darunter schon ironisch vermerkt)

Ist die Frage ob @milchtrinker nicht eh' sinnerfassend gelesen hat und @José Atento einfach nicht sinnrichtig genau formuliert hat.

Sonst wär ja schon die Frage wie man von einem Ei pro Tag leben kann.

choronzon
00
oh

ja da geb ich ihnen recht.

re flexion
00
Genau lesen!

"die Hühner jeden Tag ein Ei"

also mehrer Hühner gemeinsam ein Ei!

Wie man davon leben kann verstehe ich jedoch nicht.

volldienull
00

also er wird sich wohl kaum nur von eiern ernähren...?

re flexion
00
Überlegens mal

was "davon leben" in diesem Kontext bedeuten kann.

m_M
00
Bei Schnitzel denkt keiner an Hühner!

ja stimmt
die fertig panieren im Supermarkt haben kein Ei gesehen!

peak oil
00
wenn du glück hast,

haben sie zumindest fleisch gesehen. aber welches, das solltest du leiber nicht wissen, damit dir der appetit nicht vergeht.

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