Gescheiterte Börsenfusion

Ein Hauch Protektionismus

Kommentar | Lukas Sustala, 1. Februar 2012, 18:06

Dass der Deal gescheitert ist, liegt nicht an der kartellrechtlichen Realität

Die EU-Kommission hat der Fusion von Deutsche Börse und NYSE Euronext den wettbewerbsrechtlichen Riegel vorgeschoben. Die beiden Börsenbetreiber hätten zusammen in vielen Ecken des weitläufigen Finanzmarkts quasi eine Monopolstellung gehabt. Wenn 90 Prozent der gehandelten Derivate auf deutsche Anleihen von nur einer Börse abgewickelt werden, ist es mit Wettbewerb nicht mehr weit her. So weit, so logisch.

Doch dass der Deal gescheitert ist, liegt nicht an der kartellrechtlichen Realität. Die Kommission hat in den mehr als 4900 Fusionkontrolle-Verfahren nur 21-mal Nein gesagt. Es hätte sicherlich einen Kompromiss gegeben, etwa den Verkauf von Teilen des neuen Konzerns. Zudem wären die beiden Börsen nicht der erträumte Finanzmarkt-Champion geworden. Der Wertpapierhandel findet längst abseits der Börsen statt. Banken mischen mit eigenen Handelsplätzen ebenso mit wie die riesigen Vermögensverwalter. Wettbewerb gäbe es also genug.

Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass die Fusion an Protektionismus gescheitert sein könnte. Die Landesregierung in Hessen, Aufsicht der Deutschen Börse, unterstützte den Schritt nicht und berief sich auf rechtliche Bedenken; tatsächlich aber fürchtete sie den Bedeutungsverlust des Börsenplatzes Frankfurt. Dass sie trotz des globalen Wettbewerbs auf den Erhalt des lokalen Champions und nicht auf einen Kompromiss drängte, war ein Fehler. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)

  • 4.5.2012
    • Die überforderte EZB [27]

      Die Wege aus der Krise weisen nicht nach Frankfurt, sondern nach Madrid und Rom

byron sully
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fusionen sollte man nicht verbieten, sondern so hoch besteuern, daß sie sich einfach nicht mehr auszahlen. die megafusionen von großkonzernen der letzten jahre sind an der jetzigen wirtschaftskrise sicher mitschuld. sie hätten verhindert gehört - allerdings nicht durch demokratiepolitisch bedenkliche verbote, sondern durch eine fusionssteuer in astronomischer höhe (meinetwegen progressiv bis zu einem spitzensteuersatz von einigen tausend prozent des jahresgewinns).

Gaddafi lebt
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" war ein Fehler"

Das muss sich erst rausstellen.

Eines ist nämlich klar. Die NYSE hätte Frankfurt ausgehöhlt und den Standort vernichtet.
Was ginge da erst für ein Geschrei los (wie jetzt bei Nokia Bochum)!

FatFaceRicky
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Bei Handelsplätzen für Aktien gibt es durchaus viel Wettbewerb. Bei den Futures sieht die Situation allerdings anders aus und von daher ist die Entscheidung sehr zu begrüssen.

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