FPÖ-Begriffsverwirrung: Strafe muss sein - Strache bekommt keinen Orden

Blog | Rubina Möhring, 1. Februar 2012, 18:17
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    foto: reuters/heinz-peter bader

    Wie weit, so fragt man sich, möchten Herr S. und seine Gefolgsleute bei der Konvertierung zu neuer, jüdischer Identität gehen?

Wie weit, so fragt man sich, möchten Herr S. und seine Gefolgsleute bei der Konvertierung zu neuer, jüdischer Identität gehen?

So ein Pech. Kein Orden des Vaterlandes wird die freiheitliche Brust des Herrn Heinz-Christian S. zieren. Auch nicht um den Hals herum oder im Knopfloch wird ihn das Verdienstzeichen schmücken. Strafe muss sein. Der Bundespräsident hat das so entschieden. Und wer ist schuld? Ein schnöder STANDARD-Journalist, der seine berufliche Informationspflicht tatsächlich ernst genommen hat und über die S.'sche befremdliche Bezeichnung von schlagenden Burschenschaftern als "Juden von heute" berichtete. Die Kultusgemeinde und sämtliche demokratieorientierten Parteien protestierten prompt. Ob sich die schmissigen Burschenschafter mit ihrer neuen Identität inzwischen angefreundet haben, konnte bisher nicht eruiert werden.

Es ist ein Segen, dass in Österreich Pressefreiheit herrscht. Ein doppelter Segen ist, wenn JournalistInnen mit feiner Witterung davon Gebrauch machen. Bekanntlich kam es laut STANDARD von Herrn S. dann noch dicker. Angriffe auf Burschen-Buden und Besucher des Schmisseträgerballs am Auschwitz-Gedenktag verglich er mit dem November-Pogrom 1938, der sogenannten Reichskristallnacht - allerdings unter Verzicht auf "sogenannten" und damit in reiner Nazi-Diktion.

Die Ballbesucher hätten, so Herr S., Todesangst verspürt, Damen, pardon, von Frauen war die Rede, dieser feinen Gesellschaft seien weinend zu ihm gekommen. Er selbst habe sich, als er zu Fuß einige Schritte an Demonstranten vorbeigehen musste, angeblich gefühlt wie ein Jude, der durch eine Gasse voller Nazis geht. Wie will er das eigentlich nachempfinden können, das, was 1938 passierte? Wenn grosso modo Opferrollen übernommen werden, ist das nicht nur eine Banalisierung des Leides anderer, sondern auch eine sehr heikle Fehlinterpretation.

Von Missinterpretation seitens des Journalisten spricht inzwischen der Herr S. und denkt an Rache-Klage. Wir werden ja sehen, wie das Ganze ausgehen wird. Diese verbalen Ausrutscher waren jedenfalls keine Begriffsverwirrung eines Nachkriegskindes sondern eine schamlose Verharmlosung des perfekt organisierten Völkermordes während des Hitlerregimes. Die nicht minder geschmacklose Bemerkung aus dem Umfeld des freiheitlichen Bildungsinstitutes, Mitarbeiter der Ballorganisation bekämen gleich den Judenstern aufgedrückt, fällt in dieselbe Kategorie. Auf dem Korporationsball verkam das Ballgeflüster, wie es scheint, mitunter zu verbaler Gesinnungstäterschaft. Gut, dass uns diese Information nicht vorenthalten wurde.

Bildung ist ein hohes Gut und Wissen bekanntlich Macht. "Der Weise ist dem Starken überlegen, ein verständiger Mensch dem robusten", ist schon seit langer, langer Zeit im Buch der Sprüche Salomons nachzulesen. Wo? Ganz einfach in der Bibel, im Alten Testament. Halbwissen, Halbbildung sind bekanntlich weiter verbreitet, Unwissenheiten allerdings fatal.

Niemand kann Herrn S. vorwerfen, dass er aufgrund seiner späteren Geburt den mörderischen Antisemitismus und die Judenverfolgungen während des sogenannten Dritten Reiches nicht miterlebt hat. Ein Blick ins Lexikon hätte jedoch genügt, sich über Morde und Schandtaten, die von den Nazis in der Nacht zum 10. November 1938 und in der folgenden Zeit begangen wurden, zu informieren. Zur Wortschöpfung "Kristallnacht" hatte die Täter das unglaubliche Ausmaß zerschlagener Fenster animiert, die Berge von Glasscherben. Für die zerstörten Leben hatten sie keinen Blick.

Noch eine kleine Anregung. Einfach ins Theater gehen. Zum Beispiel in Barrie Koskys Inszenierung von "Der Kaufmann von Venedig". Die läuft zwar gerade in Frankfurt am Main, aber um sich über den historischen Konflikt zwischen Christen- und Judentum zu informieren, ist dies eine Reise wert. Exemplarisch wird hier christlicher Hass und Verachtung gegenüber einem Juden auf den Punkt gebracht. Auch Martin Luthers derbe antijudaische Ansichten werden in Erinnerung gerufen. Das Premieren-Publikum war zum Teil verstört, manche haben geweint. Und wie geht in Frankfurt die Geschichte von Shakespeares venezianischem Juden aus? Um sein Leben zu retten, muss er zum Christentum konvertieren. Shylock näht sich wieder die Vorhaut an.

Wie weit, so fragt man sich, möchten Herr S. und seine Gefolgsleute bei der Konvertierung zu neuer, jüdischer Identität gehen? Auch bis in ausschließlich männliche Bereiche? Oder war das alles nun doch nicht so genau gemeint und aus Unwissenheit nicht bis ins Detail durchgedacht.

Im Fernsehen jedenfalls trägt Herr S. Tränen im Knopfloch. Er ist zutiefst entsetzt und empört, dass die Dinge völlig falsch und aus dem Zusammenhang gerissen berichtet worden seien. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung samt Berichterstattung.

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Igor Gassner
00
23.2.2012, 13:46
DEr Ausdruck Reichkristallnach war eine Erfindung der Presse

und wurde von den NS selbs nie verwendet. Ich empfehle das Buch Menschenrauch sollte man in Israel zur Pflichtlektüre machen damit man ein wenig klarer über sich selbst nachdenken kann.

V995
00
wen einerso einen charakter wie strache hat ist er eigentlich eh schon gestraft

IchbinIch5
10
Hugo Stolz
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Vielleicht könnte der Herr Bundespräsident nun dem STANDARD-Journalisten den für Strache gedachten Orden geben?
Es wäre in diesem Jahr zumindest einmal eine Ordensverleihung an jemanden, der kein Failmann ist.

flohimpelz
00
Dumm gelaufen Hazeh,

aber du hast ja mit 17 diesen Weg eingeschlagen.
Hättest du dir ein bisserl einen Anstand und Selbstachtung bewahrt wäre es nie soweit gekommen.

schreibsauf
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wer setzt die Grenzen, ich kann nicht begreifen

warum man Bedrohungen und Beschimpfungen von diesen Ballbesuchern so einfach toleriert. Es kann doch nicht sein dass selbsternannte Moralapostel hier einen Unterschied machen, Menschen bleiben Menschen oder will man damit ausdrücken dass alle Ballbesucher es verdient haben. Mir wird ganz schlecht wenn ich daran denke das man bereit wäre politisch anders Denkende, in Friedenszeiten, zu attakieren, so quasi, selbst schuld. Hey, wacht auf damit macht man sich genauso schuldig wie jene die man anklagt!

oskarat
04
Literaturtipp für F-Wähler und solche die es werden wollen

Max Frisch - Biedermann und die Brandstifter

http://de.wikipedia.org/wiki/Bied... andstifter

Thor O
01
eigentlich ein gutes Beispiel

Nur leider kann (und wird) dieses Buch auch als Argumentation von der rechten Seite verwendet.

--- die Brandstifter sind dann halt die Moslems... und die Nicht-FPÖ-Wähler sind die feigen Mitläufer...

oskarat
00

das ist ja das paradoxe an der sache - egal, welcher ideologie ein extremist folgt, sein handlungsweise ist die gleiche und das ergebnis aus dieser handlung schadet der gesellschaft.
interessant auch, dass extremisten kritik stets als polemik der jeweils entgegengesetzten ideologie betrachten.

flohimpelz
00
Ob man das Stück auch in einem Bierzelt aufführen kann,

aber diese Wappler werden mit ihren 3 - Bier-Bestellungen ständig stören - außerdem müssten die 1 1/2 Stunden zuhören. Ob das für so einfältige Gemüter zuträglich ist??

Thor O
32
Der HC kann leider sagen was er will...

er bekommt trotzdem immer mehr und mehr Wählerstimmen.

Wenn andere Parteien nicht endlich damit anfangen zu sagen:

"JA, die Ausländerpolitik gehört neu überarbeitet..."

...dann werden immer mehr Leute HC wählen.

Rasenschnitt
12
Jedes Volk wählt die Regierung, die es verdient!

Helmut
23
Super Idee...

...genau das haben OeVP und SPOe die letzten Jahre gemacht. Das Resultat sieht man heute...gut,vor dem Maerchen von immer mehr Waehlerstimmen fuerchten sich dann auch wieder viele...man braucht nur in andere Laender schauen, wie dort solche Parteien behandelt werden...sie werden rigoros ignoriert und ausgegrenzt...niemandem wuerde dort einfallen, sich mit Hazeh auf einen normalen Dialog einzulassen und genau das sollte man endlich auch bei uns machen...

la ardilla diablo
03
Wissen Sie, gerne würde ich sagen können, dass der Herr S. mit dieser Aussage das Fass zum Überlaufen gebracht hat, gerne würde ich jetzt sagen können, "es reicht!"

Leider hat der Herr S. das Fass schon vor 6 Jahren zum Überlaufen gebracht ("daham statt Islam"), seither fließt das Wasser nur so in Strömen aus besagtem Gefäß. Die Grenzen des guten Geschmacks hat sein Ziehvater der Herr H. etwa 20 Jahre lang immer weiter vor sich her geschoben, Herr S. rennt regelmäßig drüber.
Es würde wohl schon x mal für den Tatbestand der Verhetzung reichen, aber passieren wird trotzdem nix, weil man sich sonst ja fragen müsste, warum nicht früher was geschehen ist.
Und den Orden? Naja, den gibts dann halt erst im Herbst, wenns alle vergessen haben...

@derStandard: in Zukunft solche Aussagen aufnehmen (Handy). Beim Strasser hat man ja gesehen, dass man nur mit stichhaltigen Beweisen solche "Vorbilder" stürzen kann.

lord sinclair
15
das grundlegende problem

ist weniger strache...jeder vernünftig denkende und halbwegs gebildete mensch in diesem land belächelt diese witzfigur sowieso nur noch.

das eigentliche problem, sind jene, die diesen kasperl WÄHLEN. bei diesen personen hat offesichtlich alles versagt, was der staat zu bieten hat: bildung, aufklärung, politisches denken, etc....

wir sollten uns um jene armen kreaturen kümmern, die denken, daß strache ein wählfähiger politiker ist - DAS sind die wirklich armen im geiste...

man tut sich nur schwer, diese zu identifizieren...denn obwohl die blauen knapp 30% stimmen haben, will sie keiner gewählt haben...ich kenne jedenfalls niemanden, der blau wählt...wo seit ihr? und lasst euch re-brain-washen auf vernünftig!

Polnische Pinguine
46

Ich weiß nicht ob es der richtige weg ist, mit so viel Hass gegen FPÖ anzukämpfen. Immerhin ist es genau die gleiche Methode, mit welche FPÖ versucht Wähler zu bekommen und kritisiert wird. Ich würde hier einwenig mehr Vernunft begrüßen um zu zeigen das wir nicht gleich sind.

THE MGT.
00
Mal wieder der typische Schmäh mit der Täter-Opfer-Umkehr,

der Selbststilisierung zum armen unschuldigen verfolgten Hascherl und Vernebelung und Verdrehung der Fakten.

Strache und die FPÖ werden nicht "Hass" verfolgt. Es wird ganz einfach wiedergegeben, was er und seine Parteifreunde wieder und immer wieder an Verharmlosungen der NS-Diktatur und völlig verdrehtem Geschichtsrevisionismus von sich geben. Das sind Fakten.

Umgekehrt ist das, was von der FPÖ in Richtung der "Fremden" (ist beliebig u. je nach Anlass mit "die Ausländer", "die Asylanten", "die Moslems" usw. zu ersetzen) gehetzt wird tatsächlich von hasserfüllter Rhetorik gekennzeichnet. Da geht es nicht um Fakten, sondern um Verallgemeinerungen, um so ganze Bevölkerungsgruppen pauschal anzufeinden.

Just N. Opinion
 
34
Verzerrte Wahrnehmung. Durch die Strache-Brille?

Es wird nicht "mit so viel Hass" gegen FPÖ "angekämpft".

Es wird sachlich und authentisch berichtet, was sich zugetragen hat und was jemand gesagt hat, der eine Person öffentlichen Interesses ist.

Sonst nichts.

"Hass" kann darin nur ein FPÖ-Sympathisant erkennen.

Thomas Höbelt
 
01
Verzerrte Wahrnehmung....

na ja es geht hier irgendwie um besagte Wahrnehmung ! Und die ist aufgrund der Auswahl des (medial) zu Berichtenden eben immer etwas verzerrt.
Soll heißen, und ich will sicher nicht Strache oder seine stumpfsinnigen Sager verteidigen, daß mit Sicherheit auch jede Menge anderer Politiker aller Coleurs ziemlich oft in Bierzelten und an Wirtshaustischen ziemlich Haarsträubendes von sich geben, nur ist halt da nicht immer gleich ein eifriger Journalist mit Notitzblock oder Mikrophon dabei.

Polnische Pinguine
31

Schon deine Antwort bestätigt meine Aussage. Vernunft ist was anderes, ich selber bin kein Österreichischer Staatsbürger und dadurch kann ich aus Prinzip her nicht zur FPÖ sympathisieren, besonders weil Teile meine Familie durch Deutschen und Österreichischen Nationalisten getötet worden sind. Mit Hass, Hass bekämpfen funktioniert einfach nicht, davon lebt die FPÖ nämlich.

Just N. Opinion
 
01
Ist das eine Antwort auf meine Antwort?

Inwiefern bestätigt meine Aussage deine Aussage? Versteh ich nicht. Erklär doch bitte, in welchen Textstellen des Artikels du Hass erkennst, mit dem gegen die FPÖ angekämpft wird.

Polnische Pinguine
32

Wenn du es selber nicht erkennst, kann ich dir nicht weiter helfen. Überlege dir in Zukunft wem du Vorurteils, und meide solche Sätze wie "Stracher Brille". Vielleicht hilft es schon einwenig. Auf was ich aber hindeuten will, findest du weiter unten bzw. hinten. Ich finde es überhaupt nicht angebracht wenn Strache sich mit Juden vergleicht, und aber genauso wenn wer hier ein Hitler Foto verlinkt und mit Strache vergleicht.

Just N. Opinion
 
00
Ein schwache Ausrede

dafür, dass du offenbar deine eigene Aussage nicht näher begründen kannst.

Thor O
32
sorry just

aber Leute wie Sie sind der Grund dafür, dass sich andere Parteien nicht an die Ausländerpolitik wagen...

...und das ist einer der Gründe warum diese Partei immer mehr und mehr Wählerstimmen erhält...

Und NEIN - ich bin kein FPÖ-Sympathisant... aber Leute mit einer derartigen Naziphobie wie Sie sehen das natürlich anders...

EXTREME ist immer schlecht...

Just N. Opinion
 
22
Versteh ich ebenfalls nicht.

Wieso bin ich der Grund dafür, dass sich andere Parteien nicht an die Ausländerpolitik wagen, und was verstehen Sie unter Ausländerpolitik? Können Sie das klarer ausführen?

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