Olaf Glaeseker ist Ex-Sprecher und Ex-Vertrauter des deutschen Bundespräsidenten
Mit modernen Kommunikationsmitteln ist das so eine Sache. Sie können
recht hilfreich sein, im Fall des deutschen Bundespräsidenten Christian
Wulff jedoch ist das Gegenteil der Fall. Wulff selbst blamierte sich mit
einem Anruf auf der Mailbox von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.
Sein Ex-Sprecher und Ex-Vertrauter Olaf Glaeseker gewährt in E-Mails,
die an die Öffentlichkeit gelangten, Einblick in seine Befindlichkeit.
"Generalfeldschnulli" und "Schnulli" nannte er sich selbst, wenn er an
den Partyveranstalter Manfred Schmidt schrieb. Klingt putzig, führt aber
ins Gegenteil: Der entlassene Glaeseker durchlebt gerade dunkle Tage.
Möglicherweise hilft dem 50-Jährigen seine körperliche Konstitution. Der
bullige Niedersachse war in seiner Jugend Mehrkämpfer und
niedersächsischer Meister im Weitsprung. Nach dem Studium der
Sportwissenschaften in Köln arbeitete er zunächst bei mehreren
Regionalzeitungen.
1999 wird er Sprecher der CDU-Niedersachsen und betreut als solcher 2003
auch den Wahlkampf des damaligen Oppositionsführers Wulff bei der
Landtagswahl. Mit Glaeseker an der Seite schafft es der zweimalige
Verlierer Wulff, beim dritten Anlauf, endlich in die Staatskanzlei.
Glaeseker wird Staatssekretär und Regierungssprecher.
Seither gelten die beiden als unzertrennlich, es ist von "siamesischen
Zwillingen" die Rede, wobei Glaeseker sich nie in den Vordergrund
drängte. Er ist der perfekte "Diener", stets diskret beratend zur
Stelle.
Dass Wulff auch in konservativen Kreisen durch die Scheidung von seiner
ersten Frau keinen Kratzer abbekommt, verdankt er Glaeseker. Der
lanciert unermüdlich schöne Bilder von Wulff und der zweiten Frau
Bettina an die Boulevardpresse. Ob Hochzeit oder Geburt des gemeinsamen
Kindes - die Bild-Zeitung wird von Glaeseker stets gut versorgt.
Es wundert niemanden, dass Wulff Glaeseker mit nach Berlin nimmt, als er
2010 Bundespräsident wird. Kommt die Rede auf den Sprecher, ist in der
deutschen Hauptstadt bald vom "Präsidentenflüsterer" und von
"Mephistopheles" die Rede. Wulff bezeichnet Glaeseker als "mein
Faktotum".
Jetzt sind die innigen Zeiten vorbei. Gegen Glaeseker wird wegen des
Vorwurfs der Bestechlichkeit ermittelt. Von lustigen Tagen zeugen nur
noch E-Mails an den haarlosen Partyveranstalter Schmidt. Die
unterzeichnete Glaeseker früher "mit dickem Glatzenschmatz". (DER STANDARD-Printausgabe, 02.02.2012)