Vorwahl in Florida

Gingrich, die Mondkolonie und Churchill

Frank Herrmann aus Orlando, 1. Februar 2012, 17:53

Trotz seiner Niederlage denkt der Gegner Mitt Romneys, des Siegers von Florida, gar nicht ans Aufgeben. Vielmehr baut Newt Gingrich auf die nachhaltige Wut der Tea Party, die ihn noch einmal nach oben spülen soll.

Den Planeten Newt erkennt man schon von weitem an den alarmierenden Sprüchen, gedruckt auf handliche Styropor-Schildchen, die wahren Amerikanern ans Herz legen, den liberalen Medien nur ja kein Wort zu glauben. Nicht der New York Times, nicht CNN, allenfalls Fox News, dem Haussender der Konservativen. Wo immer Newt Gingrich auftaucht, sind die Parolen nicht weit. Neuerdings darf auch ein Vorredner mit prominentem Namen bei keiner Vorstellung fehlen. Michael Reagan, Adoptivsohn des 40. US-Präsidenten, des Säulenheiligen der Republikaner. Mit einer Ode an seinen Ziehvater liefert der Radiomoderator das Stichwort für Gingrichs einprägsamste Zeile: "Ich bin ein Konservativer im Sinne Ronald Reagans, mein Gegner ist ein Moderater aus Massachusetts."

Massachusetts, das soll nach Boston und Harvard klingen, nach Elite. Auch in der Nacht seiner deklassierenden Niederlage in Florida hat der Kandidat den Satz vorgetragen und trotzig, ja wütend hinzugefügt: "Wir werden an jedem Ort kämpfen, und wir werden gewinnen." Gingrich, der tapfere Erbe Winston Churchills, der niemals kapituliert. Seine Kampagne, die Kampagne des Volkes, werde am Ende klar siegen gegen die Wall Street, gegen Mitt Romney. Kein Wort der Gratulation für den Sieger, umso ausführlicher sprach der Verlierer von seinem ersten Arbeitstag im Oval Office. Als gäbe es keinen Zweifel daran, dass er nicht nur die Vorwahlen gewinnt, sondern auch die Wahl gegen Barack Obama im November.

"Den Mann trennt nur noch eine einzige Hütte von seiner Mondkolonie", kalauerte Steve Schmidt, der Stratege, der vor vier Jahren den Wahlkampf John McCains managte. "Er ist einfach größenwahnsinnig." Newt und der Mond, ein Planet namens Fantasia - es mangelt nicht an Metaphern, mit denen das republikanische Establishment den überaus selbstsicheren Rebellen verspottet. Der hatte erst vor ein paar Tagen versprochen, spätestens im Jahr 2020 Amerikaner auf dem Erdtrabanten anzusiedeln, "am Ende meiner zweiten Amtszeit". Nun ist die Mondkolonie so etwas wie das Synonym für den Realitätsverlust auf dem Planeten Newt. "Gingrich hatte schon immer jede Minute eine neue Idee, und die meisten waren völlig verrückt", erzählt Bob Dole, Präsidentschaftsbewerber des Jahres 1996. Und McCain schlägt süffisant lächelnd vor: "Lasst uns Newt auf den Mond schicken und Mitt ins Weiße Haus."

Kein Zweifel, den alten Herren wäre wohler, würde der "Störenfried" bald das Handtuch werfen. Je hässlicher sich Gingrich und Romney ineinander verbeißen, desto souveräner lassen sie Obama aussehen, desto geringer vielleicht auch die Chancen, den Amtsinhaber abzulösen. Die "Grand Old Party" rühmt sich ja gern einer eisernen Disziplin, die es diktiert, sich nach harten Vorwahlduellen rasch um den Favoriten zu scharen. Endloser Streit, so ihr Credo, sei das Markenzeichen der Demokraten, nicht der Konservativen.

Gingrich aber ignoriert sie komplett, die Rufe, dass er aufhören soll. Ausgerechnet er, der bereits mit 35 im US-Kongress saß und später als Lobbyist engmaschige Netzwerke knüpfte, ausgerechnet er gibt den tapferen Aufständischen in der Schlacht mit alten Seilschaften. Die Wut der Tea Party, auf Washington ebenso wie auf die Wall Street, soll ihn noch einmal nach oben spülen. Zudem baut er auf evangelikale Christen, die dem Mormonen Romney zutiefst misstrauen. Am Super-Tuesday, dem ersten Dienstag im März, hofft der Zurückgefallene sein Comeback zu feiern. Dann nämlich stehen überproportional viele Bundesstaten im Bibelgürtel des Südens zur Wahl. Gingrichs Hochburgen. (DER STANDARD-Printausgabe, 02.02.2012)

badblackguy.blogspot.com
 
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@der Standard

Die nette Infografik hat leider Fehler bei der Verteilung der Wahlmännerstimmen!

laut NY-Times:
Mitt Romney 71
Newt Gingrich 23
Rick Santorum 13
Ron Paul 3

laut CNN:
laut NY-Times:
Mitt Romney 85
Newt Gingrich 27
Ron Paul 10
Rick Santorum 8

Wiki nimmt als Quelle CNN - die Info der APA ist falsch, woher hat die APA die Infos? - hier würde ich CNN mehr vertrauen geben und den Resultaten glauben!

Glasperlenspieler
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Das alles ist sehr kompliziert:

Es geht glaub ich darum, dass die NYT die Delegierten von Iowa noch nicht dazurechnet, CNN aber schon. Denn obwohl Iowa schon gewählt hat, findet die Delegierten-Verteilung dort in einer separaten "Convention" statt und zwar irgendwann im Mai oder so.

Dazu gibt es glaub ich unterschiedliche Zählungen bei CNN und NYT der sogenannten "unpledged delegates", also Personen aus dem RNC die als nicht-gewählte Delegierte irgendeinen Kandidaten unterstützen können.

badblackguy.blogspot.com
 
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richtig NYT nimmt nur die Verteilung der Wahl
CNN nimmt schon die Delegierte dazu und Iowa, aber
es ändert nicht´s an der Tatsache das die APA Info falsch ist

Waran
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Gingrich

bemüht sich wenigstens die lustigen Kandidaten der Tea Party zu ersetzen.

Johann Hunger1
10
Gingrich? Der HC von der usa! Warum,

er sagte: Die Palästinenser sind eine Erfindung! Und jetzt kommt es. Ein Herr aus Las vegas gab ihm aus dem Grund,gleich 6 000 000.$ als Wahlspende!

Steve Anorizz
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Gingrich disqualifiziert sich ja schon durch diese Mondkolonie-Aussage, auch wenn das einige Amerikaner sicher feiern werden. Aber mich würde interessieren, inwiefern er im Lobbyismus tätig war.

Mitt Romney scheint mir der einzig wählbare Kandidat - und ich habe mich auch abseits der eintönigen Medienlandschaft damit beschäftigt. Ron Paul wäre auch okay, halte ich seinen "Plan To Save America" doch für überzogen. Romney hingegen schafft es sicher, wirtschaftlich zu sanieren, und stellt sich sogar gegen die Notenbank. Dass er Mormone ist, ist kein qualifizierter Vorwurf - das Christentum ist genauso bescheuert.

http://steveanorizz.wordpress.com/2012/01/1... notenbank/

peter schmidt
 
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Das mit dem Mond habe ich nicht mal so schlecht gefunden.

Wenn man denkt was früher für eine Aufbruchsstimmung betreffend Weltraum herrschte und wie lahm das heute ist.

1970 hat man sicher gedacht, dass es 2012 schon eine Mondkolonie gibt. Solche Projekte könnten für die Menschheit ein großer einigender und inspirierender Faktor sein. Allerdings hats Gingrich ja nur gesagt weil Florida halt der Staat ist von dem die NASA aus operiert.

John Malkovich
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der Umstand, dass Romney Mormone ist stellt ja keinen Vorwurf per se dar, sondern es mindert lediglich seine Chancen bei der Mobilisierung der christlich konservativen Kernwählerschaft der Republikaner, die er für einen etwaigen Wahlsieg gegen Obama sicherlich benötigt. Ich finde Romney persönlich ziemlich glatt bzw. eintönig. Dass er bei den letzten Primaries recht rasch gegen McCain den kürzeren gezogen hat, zeugt ja auch nicht gerade von einem unverkennbaren Profil. Der Faktor Wirtschaftskompetenz kann ihm nutzen aber auch schaden. Ich glaube bei den elections 2012 werden keine Frage sein ob Romney gewinnt... sondern wie sich Obama schlägt und bis Nov. noch die Wirtschaft beflügelt.

(.) (.)
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Gerade mal in 4 Staaten wurde vorgewählt

und es soll schon alles entschieden sein?

Es war erst ein grosser Bundesstaat dabei, und dort kann man bei unter 50% frü Romney auch nicht von einem Erdrutsch sprechen.

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