Revolutionäre vs. Muslimbrüder

Die Kluft vertieft sich

Kommentar | Gudrun Harrer, 1. Februar 2012, 17:45

Die revolutionären Kräfte haben sich noch einmal aufgerafft

Aus "Nieder mit der Militärherrschaft" ist erstmals "Nieder mit den Muslimbrüdern" geworden. In Ägypten vertieft sich die Kluft zwischen den revolutionären Gruppen und der neuen stärksten politischen Kraft. Die Spaltung wurde Ende November evident, als die Muslimbrüder um pünktlicher Wahlen willen bereit waren, mit dem regierenden Militärrat einen Deal zu schließen. Und nun stellen sich Muslimbrüder den Demonstranten, die eine zivile Regierung verlangen, in den Weg und rufen: "Das Volk und die Armee sind eins."

Die Muslimbrüder wollen sich den Militärs als verlässliche Kraft beweisen, der man eine Regierung und den verfassungsgebenden Prozess anvertrauen kann - von dem sich der militärisch-industrielle Komplex eine Bestätigung seiner Sonderrolle erwartet. Und sie spielen auch mit den Gefühlen vieler Ägypter und Ägypterinnen, die sich nach einem turbulenten Jahr nach Normalität, Sicherheit und einer Beruhigung der wirtschaftlichen Lage sehnen.

Aber das Gedenken an die Revolution vor einem Jahr, die am 25. Jänner begann und am 11. Februar mit dem Sturz Hosni Mubaraks endete, hat etwas gebracht, womit weder Militärs noch Muslimbrüder rechneten: Die revolutionären Kräfte haben sich noch einmal aufgerafft und lassen ihre Landsleute und die Welt wissen, dass ihr Projekt, Ägypten in die politische Moderne zu hieven, nicht abgesagt ist. Es wird eine lange Revolution. (DER STANDARD-Printausgabe, 02.02.2012)

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20 Postings
Buster Bluth
01

Konterrevolution fast schon komplett erfolgreich. Sehr traurig.

prusiner
01
und das sogar per

Wahlen;

die Revolution wurde doppelt verarxxxt; einmal von den Militärs, und dann vom Volk, das Moslembrüder und zu allem Überdruss noch jede Menge Salafisten gewählt hat

Gerhard Eigner
05
in sätestens 5 jahren beisst sich der westen in alle erreichbaren

körperteile und bereut, dass er die revolution so naiv unterstützt hat.

bald ist der feind im vorgarten, die dortige bevölkerung leidet mehr als vorher und die ganze region wird zur no-go-zone.

Dhimmi
01
In 15-20 Jahren hat dieser Teil der Welt endlich Anschluss an die Moderne gefunden

Seit 1400 Jahren, nun, ja, sorry, seit der I.lamisierung, hinkt der Orient (der Teil der kein Öl hat, die anderen sind später dran) in sämtlichen Belangen hinten nach. Statistisch vergleichbare Länder wie Südkorea, viele andere Asiaten und Lateinamerikaner, die weit hinten lagen, sind ihnen weit davon gezogen.

Die Ägypter als die nach den Libanesen wohl Fortschrittlichsten im Orient lassen sich das nicht mehr bieten. Trotz Militär, trotz Analphabeten-Wahlen. Sie wissen nun genau, was und wer die Fortschrittshemmer sind.

Aber es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Jahrzehnte. Aber letztlich wird Ägypten aus der Verdummung der letzten 1000 Jahre heraustreten.

Johannes99
10
das heißt, wir hätten Mubarak Militärhilfe schicken sollen?

Besser eine ruhige Diktatur als das Tohuwabohu einre Revolution?
Der Westen ist schon lange draußen aus dem Spiel. Und das ist auch gut so. Jedes Volk hat das Recht, seinen Weg selber zu finden. Auch wenn es ein Irrweg ist.

nö, mach ich nicht!
00
Der Westen hat die Revolution nicht naiv unterstützt

der ist wie immer an einer stabilen, verlässlichen Herrschaft interessiert - und solange diese nicht anti-westlich (oder gar anti-marktwirtschaftlich) ist, ist es ihm relativ wurscht, wie sie ausschaut.

prusiner
01
es ist damit zu rechnen

dass demnächst Schiffe mit Getreidehilfslieferungen für Ägypten beladen werden müssen; die Vorräte an Nahrungsmittel und Devisen zu Getreidekauf reichen nicht mehr lange;

einen Vorgeschmack, was passiert, wenn die Brotversorgung stockt oder der stark subventionierten Brotpreis steigt, hat es schon 2008 gegeben; das war aber nix gegen das, was zu erwarten ist.

Hermine Berg
 
01
und das in Aegypten

der uralten kornkammer aller erdenklichen reiche

Gegen Studiengebühren kämpfen!
10
Im Novemberaufstand...

...hat man diese steigende Spannung zwischen der revolutionären Bewegung von unten (Arbeiterbewegung + Sit-Ins vor Regierungsgebäuden) und Führung der Muslimbruderschaft sehr schön erkennen können. Auch die USA und die Militärführung darf man bei diesem teils verwirrenden Spiel nicht vergessen.

http://www.linkswende.org/5575/Der-... eraufstand

sollte-passwort-ändern
 
22
....militärisch-industrielle Komplex ......

Wenn man auf Ägypten diesen Begriff aus der US Geschichte (Eisenhower) anwendet, sollte man sich fragen, was eigentlich die Ägypter an tollen Rüstungsgütern produzieren.Aus dem Internet :.......food (olive oil, milk, bread and water); cement and gasoline; vehicle production (joint ventures with Jeep to produce Cherokees and Wranglers); and construction, ...gated communities and resorts....http://www.time.com/time/worl... 63,00.html

Also diese Versorgungsleistungen des Militärs mit einem Begriff für die größte Waffenschmiede der Welt zu benennen ist wohl eine der grandiosesten Irreführungen, die sich die Spin Doktoren ausgedacht haben, um diesen Begriff mit Pflugscharen in Verbindung zu bringen. Frau Harrer ist dabei.

Hans Müller1
 
11

Sie haben keine Ahnung von was hier die Rede ist: Es geht darum dass das Militär direkt ca. 10% - 30% der Wirtschaftsleistung kontrolliert, ohne sich irgendwem rechtfertigen zu müssen, ohne Steuern zu zahlen etc. etc. Diese PRivilegien will das Militär mit aller Macht verteidigen und darum sind auch keine Reformen in Ägypten zu erwarten

Arbeiter
00
Mich würde interessieren, was Frau Harrer von Hamed Abdel Samad hält,

der "Der Untergang der islamischen Welt" schrieb und meint, die von Islam geprägten Völker hätten in ihrer gesamten Einstellung zur Politik und zur Bildung und vielem anderen eine Umkehr zu vollziehen. So verstand ich ihn. Also nix mit "Demokratiebewegung" versus "böse Oligarchen oder Militär".

Hans Müller1
 
112

hören wir doch auf zu glorifizieren, in die Moderne will in Ägpten ein verschwindend kleiner Teil; zur Erinnerung, die Islamisten haben 75% bei den Wahlen bekommen, wenn man dann noch bedenkt dass 10% der Bevölkerung Christen sind...

oblomow II
10
man betrachte alle revolutionen der geschichte

ea muss zuerst schlimmer werden, bevor es besser wird.

in europa dauerten diese phasen zwischen 30 bis 50 jahre.

da kommt noch einiges nach. siehe auch iran

anders and
 
12

samtene Revolution in Tschechien,
Revolution unter Atatürk in der Türkei,
Nelkenrevolution in Portugal -

dauert es tatsächlich immer 30-50 Jahre bevor es besser wird?

Igor Gassner
00
Es wird nie besser denn es endet meist in Krieg

Erschöpfung und Restauration.

juuni
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Es wird eine lange Revolution.

Permanent heisst das!

supermike
53
Die einzige Konstanz in Ägypten ist die Armee.

Sonst gebs dort vermutlich eh nur mehr Mord und Todschlag wie in Libyen.

Ich finds lustig. Villeicht gibts jetzt Revolution Teil II: der Kampf gegen die Demokratie.

Welche Regierungsformen gäbs noch die man in Ägypten austesten könnte ausser Diktatur und Demokratie ? Villeicht sollte man einfach so lange Regierungssysteme ausprobieren bis alle zufrieden sind...

prusiner
02
da gäbe es schon noch eine

weitere Form: die Salafisten und auch die Moslembrüder hätten da sicher eine Idee..

Martin Müller10
 
43
Der Wechsel der Diktatur vom Mubarak/Armee auf Muslimbrüder/Armee

hat das Land echt vorwärts gebracht! Die einzige Konstanz in Ägypten ist die Armee.

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