Barrierefrei Bauen

Vom Vorurteil der teuren Barrierefreiheit

Interview | Martin Putschögl, 8. Februar 2012, 17:45
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    foto: bizeps

    Manfred Srb: "Beim 'barrierefreien Bauen' geht es um die Ausgestaltung der gesamten baulichen Umwelt, also auch um sämtliche Gebäude oder Baulichkeiten, die kommerziell genutzt werden."

Manfred Srb vom Verein Bizeps klagt über "ganze Wiener Straßenzüge, in denen kaum ein barrierefreies Lokal zu finden ist", und fordert bessere Kontrollen

Manfred Srb, Rollstuhlfahrer seit früher Kindheit, war früher Nationalratsabgeordneter für die Grünen. Heute ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter des Vereins "Bizeps - Zentrum für Selbstbestimmtes Leben", der sich insbesondere für die Rechte behinderter Menschen einsetzt. Was das barrierefreie Bauen betrifft, ist er grosso modo auf die heimischen Behörden gar nicht gut zu sprechen: In Wien kam es zuletzt vor, dass ein Geschäftslokal vor dem Umbau barrierefrei zugänglich war, nach dem Umbau aber nicht mehr, klagt er im Gespräch mit derStandard.at. 

Auch wenn man sich "im konkreten Fall ansehen" müsse, ob denn nun wirklich jeder Zugang zu einem Wohnhaus barrierefrei sein muss: Barrierefreiheit stelle ein Menschenrecht dar, und es gehe dabei auch nicht nur um den Wohnbau, antwortete er per E-Mail auf Fragen von Martin Putschögl.

***

derStandard.at: Was halten Sie davon, dass es mehr und mehr Rufe gibt, die Wohnbauten in Österreich wieder "einfacher" bzw. billiger zu bauen, konkret etwa durch die Überlegung, nicht mehr alle Zugänge zu einem (gefördert errichteten) Wohnhaus barrierefrei zu machen?

Manfred Srb: Ich habe den Eindruck, dass diese "Rufer" schleunigst in den Nachhilfeunterricht geschickt werden sollten. Ich halte von diesen "Vorschlägen" rein gar nichts, weil sie - bewusst oder aus Unkenntnis der Sachlage - nicht auf die Realität eingehen. Wenn "einfacher" oder "billiger" heißen soll, dass nicht mehr barrierefrei gebaut werden soll, dann steht das im Widerspruch zu den (Landes-)Bauordnungen, zum Benachteiligungsverbot in Artikel 7 des Bundesverfassungsgesetzes sowie des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes. Letzteres verlangt barrierefreie Neubauten und koppelt auch Förderungen an die Barrierefreiheit. Darüber hinaus verlangt auch die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Österreich geltendes Recht darstellt, die Barrierefreiheit.
Zudem ist es ja ein leider sehr weit verbreitetes Vorurteil, dass barrierefreies Bauen sehr teuer ist. Diese Ansicht wird komplett widerlegt durch eine vor einigen Jahren publizierte Studie der ETH Zürich, der zufolge sich die Kosten der Barrierefreiheit bei Neubauten nur in der Höhe jener, die für die Reinigung eines Gebäudes aufgewendet werden müssen, befinden.
Aber ob jetzt wirklich jeder Zugang zu einem Wohnhaus unbedingt barrierefrei sein muss, das müsste man sich im konkreten Fall ansehen. Auf jeden Fall kurzsichtig und an den realen Tatsachen vorbeigehend sind derartige Rufe vor allem auch deswegen, weil sie die Tatsache völlig ausblenden, dass schon allein wegen der rasanten Zunahme der älteren Menschen in unserer Gesellschaft barrierefrei gebaut werden muss.

derStandard.at: Haben Sie die Befürchtung, dass durch den herrschenden Sparzwang Ihre Anliegen vernachlässigt werden (könnten)?

Srb: Natürlich befürchte ich, dass aus Einsparungsgründen diese Personengruppen - Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Mütter/Väter mit Kinderwägen etc. - unter die Räder kommen könnten. Das haben wir ja bereits beim letzten großen Sparpaket vom Oktober 2010 gesehen, wo auf dem Rücken von behinderten/pflegebedürftigen Menschen mehr als eine halbe Milliarde Euro eingespart worden sind.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Barrierefreiheit ein Menschenrecht darstellt und keineswegs ein Entgegenkommen oder gar ein "Gnadenakt" ist.

derStandard.at: Wird beim "barrierefreien Bauen" zu oft nur an Menschen im Rollstuhl und zu wenig an Menschen mit beispielsweise Sehbehinderung gedacht?

Srb: Infolge des allgemeinen Desinteresses bzw. der Uninformiertheit wird beim barrierefreien Bauen vor allem an Menschen im Rollstuhl bzw. an Menschen mit einer Gehbehinderung gedacht. Das ist unrichtig und ungerecht gegenüber den anderen betroffenen Gruppen. So kommt es dann, dass für die berechtigten Anliegen z. B. von Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung noch weniger oder gleich gar nichts gemacht wird. Das wird zu Recht auch von Vertretern der anderen betroffenen Gruppen als ungerecht angesehen.
In diesem Zusammenhang muss aber auch ausdrücklich betont werden, dass es beim sogenannten barrierefreien Bauen keineswegs nur oder auch nicht vor allem um den Wohnbau geht. Beim "barrierefreien Bauen" geht es vielmehr um die Ausgestaltung der gesamten baulichen Umwelt, also auch um sämtliche Gebäude oder Baulichkeiten, die kommerziell genutzt werden, um Parkanlagen, Baulichkeiten im Tourismusbereich, um Sportanlagen, um den Straßenbau usw.
Sehr im Argen liegt es im Bereich von Geschäftslokalen oder in der Gastronomie, wie sich z. B. in Wien recht deutlich zeigt. Hier wird von der zuständigen Baupolizei bei Umbauten nicht nach der Barrierefreiheit gefragt, und wenn Verstöße dagegen dann offenkundig sind, bleibt ebendiese Behörde entgegen dem gesetzlichen Auftrag untätig. 

derStandard.at: Können Sie das konkretisieren?

Srb: Ja, ich kann das an einem ganz konkreten Beispiel aus Wien aufzeigen: Ein Geschäftslokal im 7. Bezirk, in dem sich vorher eine Konditorei befand, war barrierefrei erreichbar. Nach dem Umbau ist das Lokal nun nicht mehr barrierefrei erreichbar, obwohl es dies sein müsste. Wie ist das möglich? Nun, die Behörde hat beim Einreichen der Baupläne nicht explizit nach der Barrierefreiheit gefragt (ob sie das muss oder nicht, ist unklar), der Planeinreicher hat mit seiner Unterschrift bestätigen müssen, dass der Umbau nach den Grundsätzen des barrierefreien Planens und Bauens durchgeführt wird und das Gleiche noch einmal bei der Fertigstellungsanzeige bestätigen müssen. Dieser Sachverhalt wurde der Baupolizei von mir mitgeteilt, und diese erteilte dem Lokal trotz des eindeutigen Gesetzesbruchs die Benützungsbewilligung bzw. unternimmt nichts, um dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen.
Bei der Wiener Bauordnung war der Gesetzgeber nämlich nicht bereit, die Barrierefreiheit für alle Umbauarbeiten bzw. Neugestaltungen von bestehenden Geschäftslokalen vorzuschreiben. Das führt dazu, dass in der in internationalen Rankings oft in Spitzenpositionen vertretenen "Weltstadt Wien" ständig neue Geschäftslokale eröffnet und vorher zumeist umgebaut werden, die nicht barrierefrei ausgestaltet worden sind.

derStandard.at: Was sind dabei die größten Hindernisse?

Srb: Konkret geht es in vielen Fällen einfach nur darum, dass ein oder zwei Stufen im Eingangsbereich eliminiert werden müssen, was vielfach ohne größeren Aufwand gemacht werden könnte. Auf diese Art und Weise verliert Wien immer mehr den Anschluss an den internationalen Standard, und wir finden hier eine Situation vor, in der nach wie vor weit über 80 Prozent aller Geschäftslokale nicht barrierefrei sind. In Wien gibt es ganze Straßenzüge, in denen kaum ein barrierefreies Lokal zu finden ist. Im Gastronomiebereich ist es ähnlich schlimm: In einer von mir vor ca. zwei Jahren durchgeführten Erhebung wurden im Bereich des "trendigen" Brunnenmarkts fast alle neu eröffneten Gastronomiebetriebe nicht barrierefrei ausgestaltet.

derStandard.at: Wo ist man beim "barrierefreien Bauen" weiter als in Österreich?

Srb: Generell ist man in den skandinavischen Ländern und im angelsächsischen Raum weiter als in Österreich, aber auch Deutschland schneidet besser ab. In Übersee sind vor allem die USA, Kanada und Australien weiter als Österreich, alles Länder, in denen es bereits seit Jahren eine gute und daher auch eine sehr wirkungsvolle Antidiskriminierungs- bzw. Gleichstellungsgesetzgebung gibt.
Entgegen den intensiven und jahrelangen Bemühungen der österreichischen Behindertenbewegung konnte in Österreich nur ein Gleichstellungsgesetz zuwege gebracht werden, das keine wirklichen Sanktionen bei nicht barrierefreiem Bauen vorsieht und von den Betroffenen daher zu Recht als ein "zahnloses" Gesetz bezeichnet wird.

derStandard.at: Wie beurteilen Sie generell die derzeit geltenden Richtlinien punkto barrierefreies Bauen, was fordern Sie?

Srb: Die derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen sind bei Weitem nicht ausreichend! Notwendig wäre es, barrierefreies Bauen bei sämtlichen Neubauten, Umbauten und Zubauten vorzuschreiben, wobei die Definition von "Umbauten" (siehe Beispiel Wien) geändert werden muss. Weiters müssten geeignete Kontrollmechanismen eingebaut werden. Die Baubehörden müssen österreichweit verpflichtet werden, bei der Einreichung der Pläne immer nach der Barrierefreiheit zu fragen. Bei Nichtbefolgung darf keine Bewilligung erteilt werden. (derStandard.at, 7.2.2012)

MANFRED SRB (70), studierter Sozialarbeiter, zog 1986 über die Liste Freda Meissner-Blau ins Parlament ein und war bis 1994 Behindertensprecher der Grünen. Seitdem ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Bizeps - Zentrum für Selbstbestimmtes Leben. Mit acht Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, seither sitzt er im Rollstuhl.
Das Interview wurde aus organisatorischen Gründen per E-Mail durchgeführt.

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Bizeps

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Dr Stänkerer
00
11.2.2012, 10:51
Mobil und berufstätig, statt Almosenempfänger!

Es kann nur im Interesse der Allgemeinheit sein, wenn Behinderte in ihrer Stadt vollends mobil sind, als berufstätige Steuerzahler, statt als Almosenempfänger zu Hause zu sitzen.
Barrierefreiheit (übrigens ein Bedürfnis, das nicht nur Rollstuhlfahrer haben) ist nur dann eine Kostenfrage, wenn nachträglich adaptiert werden muß. Wird sie vom frühesten Planungsstatium an berücksichtigt, ergeben sich keine Mehrkosten, sondern Synergien, die über die Nutzungsdauer sogar Geld einbringen!
Z.B. Ein komplett barrierefreier Wohnbau wird nicht nur für Behinderte attraktiver, sondern auch für Jungfamilien mit Kleinstkindern (Kinderwagen) und natürlich für Senioren. Das erhöht den Marktwert.

F.S.K
12
fordern, fordern, fordern.

zahlen müssen eh die anderen.

So Nina
13
Ich bin froh...

...dass die Wohnhausanlage, in der ich wohne barrierefrei ist. So kann mich auch meine gehbehinderte Mutter besuchen. Und die Rollstuhlfahrerin, die hier wohnt, schätzt es sicher auch. Ich kann mit schweren Rollkoffern verreisen und muss sie nicht heben - auch ein Vorteil.

Solange man nicht behindert oder irgendwie gehandicapt ist, ist es einem wirklich egal - schließlich ist man ja aktiv, besteigt Berge, geht Ski fahren oder klettern, wenn aber jemand aus dem persönlichen Umfeld oder man selbst betroffen ist (und sei es nur ein stark verstauchter Fuß), dann lernt man Barrierefreiheit zu schätzen.

CrapBuster
02
also ich ...

... kann mich in aller deutlichkeit daran erinnern als wir vor 20 jahren unser geschäftslokal umgebaut hatten. wir hatten damals einen (in ziffern: 1) kunden im rollstuhl und wollten extra für ihn eine rampe an den eingang bauen.

das ging aber nicht denn diese hätte einen bestimmten neigungswinkel einhalten müssen und hätte dann eine gesamtlänger von 5,60 m gehabt.
um zwei stufen zu überbrücken wohlgemerkt.

also entweder hätte die rampe 4 meter auf die strasse geragt oder das geschäftslokal vollständig ausgefüllt.
ich nehme an an diesen zuständen hat sich noch nichts geändert und deswegen werden die meisten den teufel tun und eine rampe einbauen.

rampen werden auch zu 99% von müttern mit kinderwägen benützt. und nicht von gehbehinderten.

Protonenzerquetscher
00
15.2.2012, 10:14

Zu steile Rampen sind sinnlos, laut Normen darf eine Rampe max. 6% Gefälle haben, sonst wird es zu steil (und auch zu gefährlich für die Benützer).

L.B.
21

Besonders ärgerlich ist der Trend, Schanigärten - die vorher zum Großteil zugänglich waren - auf Holz-Podeste zu stellen, was eine oft unüberwindbar hohe Stufe mit sich bringt. Da wird extra Geld ausgegeben, um eine zusätzliche, mutwillige Barriere nachträglich zu schaffen. Da fühlt man sich als Rollstuhlfahrer schon ins Gesicht gespuckt. Das könnte man sofort verbieten, ohne Schaden für irgendwen.

Protonenzerquetscher
11
15.2.2012, 10:15

Welche Vollt****** vergeben da rote Striche?

Amabo
00
Italien

Nicht zu vergessen, dass auch in Italien die Barrierefreiheit oeffentlicher Gebaeude selbstverstaendlich ist!

urban-a
10
wie

geil ist dieser nachnahme

Jurist08151
40
Barrierefreiheit in Lokalen

Es stimmt leider dass es schwierig ist in Wien barrierfreie Lokale zu finden. Die Frage sit ob den GEschäftsleuten bewusst ist wieviel Umsatz ihnen dadurch entgeht und ob sich der Umbau dan nicht rechnen würde.

Am Sa habe ich aber in der WEststeiermark einen großen Blödsinn in Sachen barrierefreie Öffis gesehen. Auf der GKB-Strecke nach Köflach wurden viele Bahnhöfe umgebaut und mit Personentunnel und Lift ausgestattet, diese Lifte funktionieren aber nicht zuverlässig. Früher ist man auf Übergängen direkt über die Gleise gegangen. Hat auch gereicht und es gab keine "technischen" Gebrechen

Protonenzerquetscher
00
15.2.2012, 10:17

Ein dürfen laut Eisenbahngesetz keine neuen direkten Übergänge geschaffen werden, weiters sind bestehende abzubauen und durch Über-, oder Unterführungen zu ersetzen, da es immer wieder Unfälle mit Personenschäden und Todesopfer gegeben hat.

Jurist08151
00
15.2.2012, 10:24

der Bahnübergang bei Scahdendorf wo vor ca 10 Jahren der Liebocher Bäcker vom GKB-Zug mangels Sicht "mitgenommen" wurde hat noch immer keinen Schranken, da wäre das Geld sinnvoller investiert gewesen als in den Bahnhöfen wo nie was passiert ist.
Sicherheit geht vor, aber die Menschen sind immer noch für sich selbst verantwortlich.

strizzi50
31
ja leider

werden behinderte von vielen menschen nach wie vor als gottes oder darwin´s zweite garnitur angesehen denen die es so sehen sei ins tagebuch geschrieben - ein ausspruch von richard von weizsäcker - nicht behindert zu sein ist wahrlich kein verdienst sondern ein geschenk das jedem von uns jederzeit genommen werden kann

Peter_23
95
Betrachten Sie nur die Kosten

Was kostet ein Super-toller Rollstuhl der mit toller Technik auch problemlos Stiegen rauf/runterkommt. (Ja, gibt es!) ca. 250.000,- EUR.

Und was kostet es, jedes Haus irgendwelche Rampen einbauen, Aufzüge oder Gehsteigskanten umbauen. Einige 100 Millionen Euro, alleine nur Wien.

All diese Baumassnahmen kosten ein Vielfaches als wie ein paar High-Tech-Rollstühle. Meinetwegen sollen diese High-Tech-Rollstühle von der Allgemeinheit (Steuerzahler) gezahlt werden und jeden Behinderten geschenkt werden. Das ist um vieles billiges als wie alle Strassenzüge umbauen und eigene Wohnbauten nur wegen einem oder gar keinen Rollstuhlfahrer, der dort vielleicht eh nie einzieht, umzubauen.

Protonenzerquetscher
00
15.2.2012, 10:20

Diese Rollstühle sind unhandliche, schwere und lahmar****** Dinger. Die meisten Rollifahrer (zumindest diese, die die Hände benützen können) bevorzugen die Aktivrollstühle, da diese einfach flexibler, schneller und leichter sind. Man will ja mobil und nicht lahmar****** sein.

Kayjay _
00
10.2.2012, 12:56

barrierfrei heisst für alle eine enorme qualitätssteigerung,aber das scheint ihnen entgangen zu sein.

Archi
10
sie haben anscheindend den grossteil dieses artikels nicht gelesen oder nicht verstanden....

Neuer Nick neues Glück
00

Als wie?!?

silverfinger
11

ich sehe das gleich wie mit dem Rauchen in den Lokalen ...

solange es kein verpflichtendes österreichisches Gesetz gibt wird kein Unternehmer mehr für einen Umbau ausgeben als notwendig ist (außer er kann es vermarkten)

außerdem, seit wann ist man als Unternehmer verpflichtet jeden Kunden zu bedienen?

im Grunde bin ich auch für barrierefreie zugänge - da haben uns die USA einmal wirklich etwas voraus

Bensch XY
03
neulich in einem innenstadtlokal.

"ja und wir haben sogar eine behindertengerechte toilette im keller." nur leider keine adäquate möglichkeit hinunter zukommen.

wieso auch nicht
08

Die Problematik ist viel größer. Ein Bekannter hatte einen Herzinfarkt. Solche Patienten werden von der Rettung nur liegend transportiert. In diesem Fall handelte es sich um eine Neubauwohnung, in einem Gebäude mit zwei Liften. Der Haken: Keiner von beiden tief genug um eine Person liegend zu transportieren.

Es gibt zahlreiche Gründe barrierefrei zu bauen - und das nicht nur für Menschen mit Behinderung!

AnDee Anderson
00

Barrierefrei zu bauen ist ja eh schon seit 2008 vorgeschrieben und mehr als ausführlich geregelt. Aber da steckt halt ein bißchen mehr dahinter als ein Lift da und dort - der Teufel liegt im Detail und glauben sie mir das spielt preistechnisch schon eine Rolle.
Man merkts halt dann selber erst bei den Betriebskosten,Mieten und das es bestimmte Wohnungstypen so nicht mehr gibt bzw geben kann.

anna saringer
05

ich würd sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die gruppe von leuten, die wirklich nie eine barrierefreie umwelt brauchen, die kleinste ist.

behinderung ist ja nicht per se ein ist-zustand:
die meisten leute haben irgendwann ein gebrochenes bein, einen kinderwagen, drei bierkisten (ja, da ist ein wagerl und ein größerer lift auch was feines), einen bandscheibenvorfall, sind hochschwanger oder werden einfach alt.

barrierefreies bauen zahlt sich immer und für alle aus.

stevie wonders
02

Zum Beispiel auch deshalb, weil in unserer Gesellschaft zunehmend alte Menschen auf barrierefreiheit angewiesen sind. BArrierefreies Bauen unterstützt ein selbsbestimmtes Altern in eigenen Wohnungen bevor wesentlich teurere Wohnformen in Pflegeheimen notwendig ist. Der MArkt regelt sicherlich nicht alles...

wiesengarten
82
Lokale in den Stadtbahnbögen

Die Toilette eines Lokals in den Stadtbahnbögen im 9., 19. Bezirk befindet sich im 1. Stock. Ein Rollstuhlfahrer erhält einen Schlüssel für eine 200m entfernte Toilette, die behindertengerecht ist.
Auf meine Nachfrage, warum ein Lokal ohne Behindertentoilette genehmigt wurde, erhielt ich die Antwort: Gewerberecht geht vor Baurecht.

Dabei sind diese Gaststätten auch mit EU-Geld gebaut worden!

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