Freizügige Idyllenherberge

Ljubiša Tošić, 1. Februar 2012, 17:03
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    foto: imagno

    Elsie Altmann-Loos, Operettenstar der 1920er.

Ausstellung "Welt der Operette" im Theatermuseum

Wien - Trotz der Überfülle an Dokumenten, welche die Ausstellung Welt der Operette im Theatermuseum präsentiert, ist diese Dame beim Rundgang nicht zu übersehen: Recht freizügig posiert ja auch Elsie Altmann-Loos, Tänzerin und Operettenstar der 1920er-Jahre, auf dem zur Plakatgröße sich aufschwingenden Foto, das durch die leuchtende Halskette in der Wirkung noch ein wenig unterstützt wird.

Das Foto erschien 1923 in der Wiener Zeitung Die Stunde und ist beileibe nicht das einzige (diesfalls späte) Beispiel für die Freizügigkeit, welche das Operettenmilieu in seiner ersten, in Paris zu verortenden Phase ausgezeichnet haben mag und über das etwa die Süddeutsche Theaterzeitung 1885 schrieb: "Die Operette ist schließlich nicht für Betschwestern, spröde alte Jungfrauen und Hypermoralisten gemacht."

Altmann-Loos wäre allerdings auch in jenem Ausstellungsbereich gut aufgehoben, der sich mit ernsten Aspekten befasst - mit dem die Künstler vertreibenden und das Genre vereinnahmenden Umgang der Nazis. Altmann-Loos, einige Jahre mit dem Architekten Adolf Loos verheiratet und Bühnenpartnerin u. a. von Hans Moser und Karl Farkas, musste 1933 nach Argentinien emigrieren.

Vor allem aber will die Ausstellung (Kuratoren: Marie-Theres Arnbom, Kevin Clarke) das Genre ein wenig aus den Klammern des herrschenden Bildes befreien, das Operette nur noch als harmlose Idyllenherberge betrachtet. Sie tut es (in der Gestaltung durch Sam Madwar) auch durch Kostüme, Theaterzettel, Plakate, Skulpturen, Bühnenbildentwürfe und Hörstationen. Und natürlich verweist man auf ihr Weiterleben im Musical und in den einst neuen Medien wie Film und TV.

Begleitet wird die Ausstellung von der Veranstaltungsreihe Operetten-Café: Nach einer Führung durch die Ausstellung plaudert hier die österreichische Operettenprominenz zum Thema - beginnend mit Robert Herzl (4. Februar). Auch Harald Serafin (21. April) wird dann vielleicht darüber sinnieren, ob die Operette "von der ihr momentan auferlegten Keuschheit" (Kurator Clarke) zu befreien wäre. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2012)

Bis 24. September; ab 17.10 Uhr im Deutschen Theatermuseum in München.

Art Specht
05
IMAGNO?

Frechheit, dass man als Copyright der Fotografie hier die äußerst umstrittenen IMAGNO Bildagentur des Brandstätter Verlages angibt aber die Fotografin D´Ora (Dora Kalmus) nicht mal erwähnt...

andreas weissnicht
10

Ich glaube nicht, dass diese Freizügigkeit, von der im Artikel geredet wird, in der Form wiederkommt. Der Unterschied zu damals ist nämlich, dass man damals gesagt hat "Ich war in der Vorstellung, die war toll, und da waren sogar zwei halbnackte dabei", und schon ging der auch in die Vorstellung, was natürlich Geld brachte.

Heutzutage wird sowas fotografiert und/oder abgefilmt, und man landet als unfreiwillige Wi..svorlage im Internet.

Rigglerobber
11
"Operettenmilieu in seiner ersten, in Paris zu verortenden Phase"

soso, das Milieu hatte also eine zu verortende Phase - geht das auch weniger verschwurbelt? Wie wärs mit "das von Paris geprägte Operettenmilieu ..."

miles a head
51
Vielleicht findet sich

Ja in der Krone ein leichter zu lesender Beitrag zum Thema.

Rigglerobber
12

der Anspruch an verständlich geschriebene Texte hat nichts mit der Intelligenz der Leser zu tun.... solche von kulturwissenschaftlichem Theoriesprech verhunzten Satzgirlanden entspringen einfach nur der Faulheit des Schreibenden.

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