Missbrauchsvorwurf

Opfer-Plattform: Weiterer Fall im Stift Admont

1. Februar 2012, 16:48

Mann hat Sachverhaltsdarstellung an Staatsanwaltschaft und Klasnic-Kommission gesandt

Graz - Ein Vertreter von Missbrauchsopfern hat am Mittwoch einen weiteren angeblichen Missbrauchsfall im obersteirischen Stift Admont aus den 1960er-Jahren, bei dem die von der katholischen Kirche eingerichtete Opferschutzanwaltschaft ("Klasnic-Kommission") gegen eine Entschädigung für den Betroffenen entschieden hat, öffentlich gemacht. Der Mann erhob im wesentlichen die gleichen Vorwürfe, wie sie schon vor zwei Tagen im ersten, wieder thematisierten Fall zu hören waren: Er soll von zwei Priestern gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt worden sein. Ein früherer Zögling von Admont schilderte allerdings, er habe mit mehreren Ex-Schulkollegen gesprochen: "Wir können uns das nicht vorstellen".

Laut der "Plattform Betroffener Gewalt" habe der Mann im Jahr 2010 eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz und an die Klasnic-Kommission gesandt. Demnach hätten die beiden genannten Patres den Mann gedemütigt, vergewaltigt und u.a. glühende Zigaretten auf seinem Arm ausgedämpft, die Narben seien bis heute gut sichtbar. Nach der Matura sei die Belastung aus dem Missbrauch und den Misshandlungen während der Schulzeit in Admont so groß gewesen, dass er mit 19 Jahren einen Selbstmordversuch unternommen habe. Sein Vater habe ihn in letzter Sekunde gerettet.

Klasnic-Kommission als "Bad Bank"

"Dieser Fall offenbart die Mechanismen kirchlicher Vertuschung. Klasnic spielt die 'Bad Bank' und soll die Diözesen von den Missbrauchsfällen entlasten", so Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt. Er forderte mögliche Opfer des Stifts Admont auf, sich zu melden (www.betroffen.at) - unabhängig davon, ob sie von der Klasnic-Kommission eine Entschädigung erhalten haben oder nicht.

Eine ehemaliger Zögling des Stifts Admont - er meldete sich aufgrund der Medienberichte vor zwei Tagen - erklärte hingegen, er und auch etliche andere von ihm nun befragte Ex-Zöglinge könnten sich "das nicht vorstellen". Der Mann erklärte, er sei mit einem der Betroffenen in einem Schlafsaal gewesen und habe mit ihm auch den Mittagstisch geteilt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das passiert. Wir hätten da etwas von Striemen oder Brandwunden sehen müssen". Beim wöchentlichen gemeinsamen Schwimmen der Zöglinge sei auch nichts von solchen Wunden bemerkt worden. Ob er den Betroffenen als still und zurückgezogen erlebt habe? "Nein, er war eher ziemlich goschert", so der Ex-Zögling am Mittwoch zur APA. Von der angegebenen Hörbeeinträchtigung des angeblich Missbrauchten habe er damals auch nichts bemerkt. Im Gespräch mit früheren Klassenkollegen sei man sich einig gewesen: "Rein gefühlsmäßig können wir uns das nicht vorstellen." (APA)

Slimerhorst
01

Mich wundert dass da noch keiner die Nerven verloren und den jeweiligen Täter was von ihrer eigenen Medizin hat kosten lassen.

Wie mit diesem Thema in Österreich umgegangen wird ist eines zivilisierten Staates unwürdig.

Rosa Stahl
50

was mich jedenfalls wundert ist die Tatsache, dass sowas sofort den Weg in die Medien findet.

Und Striemen und Narben von glühenden Zigaretten wären den Mitschülern ganz sicher aufgefallen. Ist jedenfalls interessant, dass die nichts gesehen haben.

hayseed
02

Jemand der nicht aktiv nach Verletzungen gesucht hat kann sich 50 Jahre später nicht an solche erinnern.
Da fällt bei Ihnen unter "ganz sicher"?
Ich bin mir sicher eine Zigarettenwunde nicht von einer ähnlichen ("harmlosen") Wunde unterscheiden zu können. Striemen hatten damals noch einige aus dem lieben Elternhaus, speziell am Land.

meresi
00
ja da könnt ich arien darüber singen...lol

aber ich hab mir jeden ton verkniffen...das hat zum teil verwunderung hervorgerufen...

Michael Tfirst
 
00
Inhomogene Opfermärkte - Homogene Tätermärkte

Ebenfalls Benediktiner! Die ungeschriebene Geschichte des Stiftes Göttweig (steht auch unter Klasnic’s Schutz wegen LH Pröll):

http://klostertreiben.blogspot.com/

Opus Dei Filz rund um die Klasnic-Kommission:

http://opferschutz.blogspot.com/

Mord im Priesterseminar St. Pölten: Jetzt erst wird ermittelt, siehe meine diesbezügliche Korrespondenz auf dieser Seite:

http://tfirstkorrespondenz.blogspot.com/

MfG
Michael Tfirst

hayseed
04

Beim "sich etwas nicht vorstellen können" sind wir Weltmeister.

meresi
00
ja nach dem motto:

da hab ich keine wahrnehmung darüber...kürzlich geäußert von einen ex-polit-zwerg bei einer befragung im parliament

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.