Jungärzte wollen keine "Systemerhalter" sein

Marie-Theres Egyed, 2. Februar 2012, 13:32

Weniger Routinetätigkeiten, mehr Forschung und mehr Ausbildung wünschen sich Turnusärzte

"Wir sind billige Systemerhalter": So beschreiben Ärzte in Ausbildung ihre Arbeitssituation. Wochenarbeitszeiten von 60 oder 70 Stunden gehörten fast selbstverständlich dazu, die Aufgaben für Ärzte in Ausbildung seien nicht geregelt, sagt Martin Andreas. Bei einem Hintergrundgespräch der Ärztekammer macht der Referent für arbeitslose Jungärzte dafür auch die Ausbildung in Österreich verantwortlich. Zu mindestens sechs Jahren Universitätsstudium kämen drei Jahre Turnus-Ausbildung hinzu, erst dann beginne die sechsjährige Facharztausbildung. Nicht selten schließen "Jungärzte" erst mit 40 Jahren die Facharztausbildung ab.

Zu einem großen Teil bestehe ihre Ausbildung zum Facharzt aus Routinetätigkeiten, erzählen betroffene Jungärzte. Sie müssten "Flaschen aufhängen", also Infusionen betreuen, Blut abnehmen und Patienten aufnehmen. Dabei seien das Routinetätigkeiten, die auch das diplomierte Pflegepersonal übernehmen könnte. Eine diesbezügliche Vereinbarung gibt es, tatsächlich umgesetzt wurde sie nicht. Aus Sicht der Jungärzte wäre das eine Aufwertung des Pflegepersonals und gleichzeitig auch eine Aufwertung für sie - dann würde ihre Facharztausbildung nicht zu kurz kommen. Denn dass sie über neue Behandlungsmethoden lernen, komme gegenwärtig nur selten vor. Zu viel Zeit nähmen die Routinetätigkeiten und bürokratischen Arbeiten in Anspruch, hier wünsche man sich Entlastung. 

Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich treffen vor allem Jungärzte. Assistenzärzte am Wiener AKH sind in einer besonders schwierigen Situation: Durch die prekäre Budgetsituation werden viele Stellen nicht nachbesetzt. Als Angestellte der Universitätsklinik sollte ihre Arbeitszeit laut Vertrag aus einem Drittel Patientenbetreuung, einem Drittel Lehre und einem Drittel Forschung bestehen. Die Realität sieht anders aus. "Die Forschung findet in der Freizeit statt", sagt eine Assistenzärztin im Gespräch mit derStandard.at. Ihre Kollegen pflichten ihr bei. Sie seien vertraglich dazu verpflichtet zu forschen, in der Kernarbeitszeit sei das aber nicht möglich.

Reform der Ausbildung

Nicht nur deswegen fordern die Vertreter der Jungärzte von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) die gesetzliche Legitimierung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils. Hier ist genau festgelegt, welche Tätigkeiten in welchem Ausmaß ein Arzt in Ausbildung erfüllen muss. Damit Assistenzärzte nicht mehr nur als "Systemerhalter" fungieren müssen, wollen die Jungärztevertreter bei der Ausbildung ansetzen. Ihren Vorstellungen nach sollen Ärzte gleich nach dem Studium mit der Facharztausbildung beginnen können, wie es beispielsweise in Deutschland geregelt ist. Gleichzeitig wünschen sie sich eine Aufwertung der Ausbildung zum Allgemeinmediziner, etwa durch die Erhöhung der Förderung für Lehrpraxen oder die Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin. 

Für die Entlastung im täglichen Spitalsablauf fordern die Jungärzte eine Entbürokratisierung. Sie wollen "weg vom Computer und hin zum Patienten". Wie das genau geschehen soll, dafür gibt es noch kein Konzept. Einige Ärzte hoffen auf eine Erleichterung durch die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Damit könne Zeit und Geld gespart werden, wenn beispielsweise Untersuchungen nicht doppelt gemacht werden. Ein anderes Modell ist der Ausbau von medizinischem Dokumentationspersonal, das dann für die Aufbereitung von Patienteninformationen oder für die Organisation klinischer Organisationsprozesse zuständig wäre. (mte, derStandard.at, 1.2.2012)

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Die Jungärzte ziehen längst ihre Konsequenzen und heuern.....

...in Deutschland an.

ich komm zwar aus einem anderen bereich...

...in welchem aber auch bei den jungen immer mehr eingespart wird. Und immer mehr meiner kollegInnen überlegen sich auch nach d-land oder in die schweiz, auch luxemburg auszuwandern. "brain drain" nennt sich das. ist echt schade, weil auch schlechte ausbildungen dem steuerzahler trotzdem geld kosten und dann hat dann haben diese nicht mal einen nutzen davon. immer mehr jungen österreichern "österreichts".... und das ist echt nachzuvollziehen.

so isses

hab meinen turnus in oesterreich gmacht und mich so weiterverarschen zu lassen kommt nicht in frage. bin jetzt in deutschland. ausschliesslich aerztliche taetigkeiten, keine flascherln, keine infusionen, kein blutabnehmen, kein faxen, kopieren, kurven einraeumen... und bezahlt wird man um welten besser.

Heuchelei

...wer sorgt denn dafür, dass in Österreich das (inzwischen von der Ausbildung her tlw auch akademische) Pflegepersonal nur ja keine Kompetenzen zugewiesen werden?

Wer behält selbst simple Tätigkeiten den Ärzten vor?

Wer trägt die Verantwortung dafür, dass bei uns der Personalschlüssel in den Spitälern im internationalen Vergleich extrem hoch ausfallen muss?

Wer stellt nur beschämend niedrig bezahltes Personal in Ordinationen ein, wo DGKS sehr sinnvoll einzusetzen wären?

Und wer wundert sich jetzt, dass Hilfstätigkeiten von Ärzten nur mit Hildslöhnen bezahlt werden???

Wer jetzt ÄRZTEKAMMER sagt, der wird mit Leichentüchern geprügelt bis der Arzt kommt.

Ab ins Ausland!

Nur so kann die ÄK und die Politik in die Knie gezwungen werden!

..Zusammenarbeit...

Ja, wer hat denn den DGKP in den Krankenhäusern die Ausübung des mitverantwortlichen Tätigkeitsbereiches untersagt? (Blutabnahmen, Infusionsverabreichung lt. Arztanordnung etc.) -- der Dienstgeber...und wenn der Anteil an Diplomiertem Personal ständig hinuntergesetzt wird, sind auch keine Leute da, die das machen können..zur Erinnerung: Der Anteil an Diplomkrankenpflegepersonal ist wieder bei 20%...

Yes

Heuchlerpartie, vor allem die Ärztekammer in Wien.

Bei ELGA fordern sie ja auch: ALLE Daten jedes Patienten müssen hinein, am besten sollten die Patienten keinerlei Opting-Rechte haben.

Und dann spielen sie sich als Datenschützer der Patienten auf... Zum K**zen.

Dass Patientenanwälte, Selbsthilfegruppen und auch Spitalsärzte schlimmstenfalls Detailkritik, meist aber große Zustimmung äußern, hat die Ärzte auch nicht gestört.

(Letztlich geht´s der Ärztekammer ja auch nur um einen Grund Geld zu fordern).

na dann sollens endlich mal rückgrat zeigen unsere jungmedizinerInnen
fast alle brave leut
brave schüler, brave studenten -angepasste
und dann wundern sie sich das ein system das auf fremdausbeutung zum eigenen nutzen - hierarchie in spitäler- aufgebaut ist
diese macht auch- sofern nicht tochter oder sohn von systemträgern- über sie ausübt.

das problem liegt

erleichterungen kanns nur geben, wenns personal die ärzte auch entlasten kann, die qualifikationen (it) hat für die arbeit und das kostet geld (einstiegsgehälter) und da haperts dann wieder bei den einstellungen!

ein ewiger kreislauf! es hapert bei uns an der bildung bzw. leistungswillen der masse der bevölkerung!

jeder betrieb will etwas umstellen besser machen, jedoch kein arbeitgeber will mehr bezahlen oder personal einstellen, es wird nur abgeschoben die zusätzliche arbeit mitzumachen um dabei unterzugehen zu ersticken!

einsparungen an der falschen seite sind eben im konzept/lesitungsbilanz kontraproduktiv.

Bei mir im Krankenhaus nehmen Artzhelferinnen Blut ab und Krankenschwestern hängen Infusionen hin. Und die sind beide nicht diplomiert, in Deutschland ist das eher eine Lehre. Trotzdem könnte ich nicht behaupten dass die unterqualifiziert fürs Infusionanhängen sind und haben auch einigen Freiraum bei der Bedarfsmedikation.

bla bla bla

also das höre ich nun schon seit 15 Jahren....
Liebe KollegInnen wie wäre es wenn wir mal was dagegen tun würden, anstatt zu labern. einmal mit einem forderungskatalog herauskommen, der von allen arzten unterstützt wird. frist setzen und wenn nichts erfolgt ist, dann streiken wir halt mal eine woche.

Es ist

gar nicht so weit hergeholt die Entlohnung einer Reinigungskraft mit der eines Turnusarztes zu vergleichen... Ich selbst habe einige Zeit zur Überbrückung zwischen Zivildienst und Medizinstudium Bahnhöfe gereinigt... 1500€ netto für 40h die Woche... Den einzig wirklichen Vorteil den ein TA mit seinen 2000€ da noch hat ist, dass er sowieso keine zeit zum ausgeben hat.

Die bekommen 2.000 netto ???

Einer aus der Privatwirtschaft

ich verdiene 1200 euro netto im monat!

ich will nichts mehr hören von wegen die ärzte wären schlecht bezahlt. bereits jede diplomierte krankenschwester (vollzeit, nachtdienste, zulagen etc.) geht knapp mit 1800 - 2000.- euro netto nach hause im monat!

die turnus haben da fix mehr aufzuwarten!

von den restlichen ärzten spreche ich erst garnicht.

das jammern beruht auf hohen niveau. das ist alles.

übrigens: die ärzte brauchen nicht über den primari schimpfen - vor dem kriechen sie ja ohnehin!

seht euch doch mal eine visite am morgen an: mr. oberwichtig kommt daher - krankenschwester steht daneben wie beim bundesheer und traut sich nicht a oder o zu sagen.

buckler!

wie meinst du "Jammern auf hohem niveau?" -1-

ich bin seit knapp 20 jahren ärztlich tätig - "karriere" begann mit turnus; es gab familiäre unterbrechungen (kinder kriegen/karenz), arbeitsplatz-wechsel.
jetzt bin ich noch immer arzt, konnte aber in öffentlichen und privaten kh´s und mittlerweile in der privatwirtschaft arbeiten. ich habe alles gesehen!
meine arbeit ist nach wie vor berufung und ich habe nur dann gejammert, wenn ich völlig erschöpft war (ende der 90er grausliche situation: sa. früh in die arbeit, mo. am späten nachmittag raus - wenn viel pech, dann ohne schlaf!!! und immer monatlich unterschreiben, dass man wissentlich gegen ruhensvorschriften verstösst/bzw. vom OA zur untersfchrift genötigt wird) -
Fortsetzung folgt!

wie meinst du "Jammern auf hohem niveau?" -2-

ja ich hatte unter dem strich ein gutes gehalt!
das verpönte wort in meiner gegenwart lautete allerdings "40 stunden woche".
in meinem "besten" monat kam ich mit all den nacht- und wochenenddinsten auf mehr als 500 std. (allein mit einem wochenend-dienst wurden 56 stunden abgefrohnt).
danach setzte ich mich ins auto - filmriss - auto in garage eingesperrt (dazwischen eine strecke von ca. 100 km)

übrigens: mein primar musste auch gleich weit mit dem auto fahren, es wurde keine fahrgemeinschaft gegründet und ich bin ihm auch sonst nicht in den arsch gekrochen. wenn er nicht gscheid mediziert hat: bei der visite hat er das gleich gehört von mir weil ich mach die nachtdienste, nicht er!
Fortsetzung folgt

genau, du bist die privatwirtschaft....

LEISTUNG
LeIS

du warst schon länger in keinem Spital mehr!

1700 turnusgehalt.nix 2000

Studierens mal Medizin, dann kommens zu uns famulieren - und dann diskutieren wir weiter. oK?

Es gibt auch eine Welt außerhalb des OPs,

Herr Gasmann.

Daß die nicht die Ihre ist, scheint klar zu sein.

"scheint" ist das richtige Wort...SCHEINT klar zu sein...

;-)
Nix für ungut
Grüße.

wenn Sie vielleicht

künftig in "heute" posten!

vielen dank!

Warum?

stehen sie mehr auf "jubelpostings"?

Große Klappe aber keine Ahnung

Als Assistenzarzt gehe ich inkl. Nachtdienste und aller Zulagen mit rund 2100€ im Monat nach Hause.
Im Gegensatz zur Pflege arbeite ich dafür aber wesentlich länger, viele Arbeitsstunden leiste ich überhaupt ohne jeden Ausgleich als reine Freizeitbeschäftigung ab.

Wenn man sich den Stundenlohn ausrechnet, verdient ein Turnus- oder Assistenzarzt in vielen Fällen wesentlich weniger wie jeder Pfleger.
Leider haben wir im Gegensatz zu den Pflegern keinerlei Lobby, die sich für uns einsetzt.

Mittlerweile bin ich seit fast 4 Jahren tätig und immer noch besteht ein Großteil meiner Arbeit darin, Flascheln anzuhängen, Termine zu vereinbaren oder an manchen Stationen sogar, externe Arztbriefe einzuscannen und zu archivieren.

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