Agrarmultis im Kaufrausch

Landgrabbing in Afrika könnte Unruhen auslösen

1. Februar 2012, 16:18

Internationale Investoren kaufen immer mehr fruchtbare Gebiete - Rechte der einheimischen Bevölkerung werden ignoriert

Kapstadt/London - Ausländische Investoren kaufen immer mehr fruchtbare Gebiete und Wälder in Afrika, Wissenschafter und private Institute warnen deshalb vor Unruhen. In diesem regelrechten Kaufrausch würden oft die Rechte der einheimischen, armen Bevölkerung ignoriert, heißt es in der am Mittwoch in London veröffentlichten Studie der Rights and Resources Initiative (RRI). Wenn der Kauf von Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen nicht aufhöre, würden soziale Unruhen und lokale Konflikte möglicherweise zunehmen, erklärte die in Washington ansässige Organisation.

Regierungen und Investoren müssten die angestammten Rechte von Millionen armer Menschen anerkennen, die seit Jahrhunderten in diesen Gebieten leben und arbeiten, forderte die RRI. Im Sudan, in Liberia und in Sierra Leone seien umstrittene Landnahmen schon jetzt eine der wesentlichen Ursachen für Konflikte und Kämpfe.

Lokale Eigentumsrechte werden ignoriert

"Es gibt viele Gründe, besorgt zu sein, dass die Situation an vielen Orten reif ist für ähnliche Konflikte", betonte der RRI-Direktor Jeffrey Hatcher in einer Mitteilung. Die Analyse von 35 afrikanischen Staaten habe gezeigt, "dass lokale Eigentumsrechte an Land bei der gegenwärtigen Kauforgie wiederholt und tragisch ignoriert werden". Dabei nutzten die Staaten formalrechtlich ungeklärte Eigentumsverhältnisse.

428 Millionen Menschen aus den Ländern südlich der Sahara seien von diesen bedenklichen Entwicklungen im ländlichen Raum betroffen, vor allem in Liberia. Dort würden gesetzliche Bestimmungen umgangen und Wälder gegen die Interessen der Einheimischen verkauft.

Nur neun der 35 Länder bekamen in den Studien gute Noten für Respekt vor den Interessen der lokalen Bevölkerung. Dazu gehören Uganda, Tansania, Burkina Faso und der Südsudan.

Zentrale Anliegen der nichtstaatlichen RRI sind die Interessenvertretung der einheimischen Völker in allen Teilen der Welt, der Kampf gegen Armut sowie der Schutz und die Aufforstung von Wäldern. Sie ist ein Bündnis zahlreicher Nichtregierungsorganisationen wie der Weltnaturschutzunion (IUCN) und dem Zentrum für internationale Forstwissenschaft (CIFOR). (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Der Waehlerwille
 
00
Haupttäter?

Fonds/Banken (wie zb die Deutsche Bank) und Staaten wie speziell China und Indien.

Mirabeau
11

Haupttäter ist jeder, der Biosprit tankt. Praktisch die ganzen "Bio"-Zusätze zum Treibstoff werden aus dem sonnigen Süden importiert, wo die europäischen Energiekonzerne ihre Äthanoldestillerieen und Ölmühlen stehen haben.
Hier braucht also niemand auf irgendwelche böse Fonds/Banken/Konzerne zeigen! Wer ein Auto hat und "grün" tankt, der zeige auf sich selbst.

Der Waehlerwille
 
00
na super .. dann könnens gleich alle nutzer von Pflegeprodukten auch in den topf werfen

do im Grossteil dieser Produkte Palmöl ist .. und die Problematik ist Ihnen sicher vertraut.

All das hat aber nicht automatisch etwas mit Landgrapping zu tun. Letzteres ist praktisch Diebstahl der übelsten Sorte .. Land- und Mundraub.

Der, der es besser weiß
11
Biosprit ist die Lösung des Welthungerproblems!

Biosprit an sich hat weder mit Landgrabbing noch mit dem Welthunger irgendetwas zu tun.

Diese Probleme sind in erster Linie politisch, dann verteilunsbedingt. Mit weitem Abstand hat er auch etwas mit Erntemengen zu tun, wenn nichts angebaut wird, verhungern natürlich alle.

Wenn die afrikanische Bevölkerung Biosprit erzeugen und nach Europa, in die USA oder nach China exportieren würde und die Erträge gerecht verteilt werden würden, wäre das vielleicht das Ende des Hungers in Afrika.

Bitte Bitte
00
20.2.2012, 16:51
"Wenn die Erträge gerecht verteilt werden würden, wäre das vielleicht das Ende des Hungers in Afrika."

Da haben Sie ja eine Erkenntnis der besonderen Art.

Uns geht es seit 500 Jahren (Conquista) so gut, weil wir die Erträge nicht gerecht verteilen. Das Rauben und Morden hat seit der Dekolonialisierung nicht ab- sondern zugenommen. Nur waschen wir jetzt unsere Hände in Unschuld.

Biosprit ist Mord:

Die riesigen Jatropha-Anbauflächen zur Biosprit-Gewinnung in der Sahel ist einer der Hauptgründe der jetzigen Hungersnot.

Glauben Sie dem Deutschen Entwicklungsdienst DED oder wie er jetzt heißt "Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit" nichts. Das sind die ärgsten. Sehen selbst:

http://www.giz.de

Wer wird hier als Kunde bezeichnet? Wer ist Auftraggeber? Welche Projekte? Welche Instrumente? Welche Orientierung? Welche U-Kultur?

O5
03

Das sogenannte "Landgrabbing" in Afrika zeigt allerdings auch dass der Kontinent über potentiell sehr ertragreiche Agrarflächen verfügt. Und das Problem Afrikas ist definitiv nicht der Mangel an Agrarfläche sondern der Mangel an Produktivität in der Landwirtschaft.

Insofern kann man durchaus hoffen dass das sogenannte "Landgrabbing" in Afrika zu einem Technologietransfer westlicher und fernöstlicher Firmen führen wird und somit der einheimischen Bevölkerung die Tür zu einer wettbewerbsfähigen und produktiven Landwirtschaft öffnen wird.

Intelligente Regierungen würden das Land kurzfristig vermieten, mit Ertragsbeteiligung und einem Mindestanteil einheimischer Arbeitskräfte. Leider geschieht das meist nicht da die Regierungen korrupt sind.

Bitte Bitte
00
20.2.2012, 17:34
"Intelligente Regierungen würden das Land kurzfristig vermieten,

mit Ertragsbeteiligung und einem Mindestanteil einheimischer Arbeitskräfte."

Genau das war auch meine Empfehlung in den 80er Jahren an Europa, um den Technologietransfer von japanischem Management und fernöstlicher Arbeitsmoral nach Europa sicherzustellen und so der europäischen Bevölkerung wieder die Tür zu einer wettbewerbsfähigen Produktionswirtschaft zu öffnen.

Sony hat diese Idee auch dankbar aufgegriffen und erfolgreich mit einer CD-Produktion in Aigen bei Salzburg umgesetzt.

Karl Labruni
00
Verkaufe Niederösterreich!

Dieser Fleck ist auf MEINER Landkarte derzeit noch weiss und völlig unerschlossen!

Die Legitimität zum Verkauf ist gewährleistet, da meine Anhänger mich als unangefochtenen Herrscher über dieses Gebiet betrachten.

Angebote bitte gleich hier im Forum - gerne auch aus China! Verspreche unkomplizierte Abwicklung. Vertragsabschluss noch heute abend möglich!

... und das ist erst der Anfang!

sommerwind
00

Und genau das ist der Unterschied zu uns und Afrika:

Wenn Sie dem chinesischen Konzern ein niederösterr Dorf verkaufen, und der seine Leute dorthinschickt, werden die Dorfbewohner zu ihren Anwälten laufen, und diese bringen Besitzstörungsklagen beim örtlichen Bezirksgericht ein. Das schaut ins Grundbuch und sagt den Chinesen, dass da nix von ihnen steht, und dass sie sich bitte vertschüssen sollen, aber gerne versuchen, ihren Anspruch einzuklagen.

In vielen Teilen Afrikas kann man nirgends hingehen, weil es keinen der anderen, nicht betroffenen Staatsbürger interessiert, oder die bestochen sind. Findet man doch ein Gericht, ist das oft genug geschmiert. Daran sind nicht primär die Chinesen "schuld", sondern die Einheimischen.

Mirabeau
01
Vielleicht sollten wir endlich einmal den Zusammenhang

zwischen Nachrichten wie dieser hier:
"Grüne wollen Biodiesel-Zwang für Tankstellen"
http://www.netzeitung.de/wirtschaf... 56952.html

und dieser Nachricht über das Schweizer Unternehmen Addax Bioenergy herstellen:
"Addax setzt sich über Wasserrechte hinweg.
Eine von Brot für alle in Auftrag gegebene Studie deckt bedenkliche Fakten rund um Ethanol-Plantagen von Addax in Sierra Leone auf."
http://www.brotfueralle.ch/de/deutsc... cle/8/396/

Die Grünen haben ihren fatalen Irrweg zwar mittlerweile erkannt, aber mit einem einfachen
"In die Ecke, Besen, Besen!" wird man die Biospritgeister, die man einst rief, nicht wieder los.
Zu viel wurde seither investiert und auf Klimagipfeln versprochen.

bin neu hier
35
EMPÖRT EUCH!

ich wünsche der afrikanischen bevölkerung, dass sich der arabische frühling zu einem afrikanischen frühling ausweitet!!!

sommerwind
01

Die meisten afrikanischen Staaten haben zu viele Frühlinge (Bürgerkriege) und zu wenig Stabilität.

Was die meisten Staaten brauchen, ist ein vernünftiges, korruptionsarmes Rechtssystem, das sich auch durchsetzen kann. Es gibt kein einziges reiches Land auf der Welt ohne erhebliche Rechtssicherheit, und es gibt (außer einigen kommunistischen Ausnahmen) kein armes Land mit Rechtssicherheit.

Das Problem sind nicht die Konzerne und Banken, die sind nur die Nutznießer des Problems (wie auch ansässige Milizen etc). Das Problem ist, dass die Zivilgesellschaften nicht stark genug sind, Regeln aufzustellen und durchzusetzen. Die (Einheimischen), die es könnten, wollen es nicht, weil sie Profiteure des Chaos sind.

Adolf Ogi
13
ui

das wird aber blutig

peter a. krobath
02
buchtipp: "kämpfe um land"

ein buchtipp zu diesem thema ist das vor kurzem im mandelbaum-verlag erschienene "kämpfe um land", in dem es neben land auch um andere knapp werdende ressourcen geht und - das ist in Zeiten, in denen thatschers TINA-spruch (there is no alternative) immer noch in politikermündern nachhallt, besonders wichtig - um positive zukunftsszenarien: energie, rohstoffe und nahrung sollten möglichst versorgungsnah hergestellt werden, landnutzung sollte gemeinschaftlich reguliert werden, wobei das recht auf nahrung im zentrum steht. und nicht zu vergessen: die auf dem geld beruhende produktionsweise muss durchbrochen werden!

suedsee insulaner
 
00
Mandelbaum verlag ???

Das sagt ja schon genuegend aus. Braucht keine weiteren kommentare mehr.

G. Karpi
 
01
Was taten die NGO´s seit 50 Jahren

Wenn wir hören, “Hilfe zur Selbsthilfe” und dies seit 50 Jahren. Wenn wir wissen, dass hoch ausgebildete Agronomen verpflichtet werden ihr Wissen und Können mit enormen Geldsummen in funktionierende Strukturen um zu setzten und jetzt es diese Situation gibt, könnte man Verschwörungstheorien basteln. Hilfsorganisationen leben vom Sammeln und Fordern. Erfolge ihrer Arbeit würden sie überflüssig machen. Die Profiteure des jetzigen Systems gehören zu den großen “Spendern”. Warum sich die Medien nicht mehr einer Ursachenforschung und Fehleranalyse wie in vielen anderen Bereichen annehmen verwundert mich immer wieder. Scheinbar macht Spendensammeln glücklicher als grundsätzliches, nachhaltiges Arbeiten.
Gerhard Karpiniec
Laxenburg

sawi48
00
@Karpi

Gesetze können leicht angepasst werden, wenn wer genügend zahlt.

War schon die ganzen Jahre so.

Michaela Gabriel
43
leider wird afrika unterdrückt!

war schon oft dort und sah, wie schön, reich und fruchtbar dieser kontingent ist.

aber die industreistaaten drücken diesen kontigent runter und rauben ihn aus. furchtbar!

Dr. Viktor Frankenstein
13
wie schön, reich und fruchtbar dieser kontingent ist.

Nur, aus der Sicht der Industriestaaten, haben die Afrikaner nichts damit anfangen koennen.

Karl Labruni
00
Haben sie sehr wohl, bevor die Kolonialmächte und Missionare die indigenen Gesellschaftssysteme zerstörte und durch willkürliche Grenzziehung die Handlungsfähigkeit gewisser Volksgruppen bis heute verunmöglichte!

Volker Seitz
05
Landgrabbing ist nicht die Hauptursache für Hunger

Es wird immer wieder vergessen: Afrika hat grundsätzlich gute Bedingungen um sich selbst zu ernähren. Aber es werden nur 10 Prozent des fruchtbaren Landes genutzt.
Nicht Trockenheit, Missernten oder Überschwemmungen, Landgrabbing sind die Hauptursachen für den Hunger. Alle Warnsignale wie die Hungerrevolten 2008 in West und Zentralafrika haben die Regierungen und Hilfsorganisationen ignoriert. 38 afrikanische Länder haben ein Ernährungssicherungsprogramm, aber nur Ruanda hat begonnen es in die Tat umzusetzen.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"
www.Bonner-Aufruf.eu

tob1
194
Anderer Blickwinkel:

Könnte vielleicht(!) helfen die afrikanische Landwirtschaft etwas produktiver zu machen. Aber ja, natürlich böhse böhse Multis, braucht man nicht drüber nachdenken. Zum Glück ist die Welt so simpel.

ad vocem
12
*gähn*

Im das selbe Klischeebild von den "Bloßfüßigen", das hier strapaziert wird ...

Fakt ist, dass viele afrikanische Länder eine sehr gut funktionierende Landwirtschaft hatten, befor sie von westlichen Konzernen mit hoch subventionierten Produkten, Hybridsaatgut und Knebelverträgen ruiniert wurden ...

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaf... n-1.218502

http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads... en_pdf.pdf

masse statt klasse
11

genau, reine nächstenliebe. die wollen den armen rückständigen afrikaneren nur ein bisserl unter die arme greifen...

major grubert
53
bilden sie sich

mal weiter zum beispiel: zuckerhandel von europa nach afrika und der damit stattfinden vernichtung der dort ansaessigen bauern aufgrund der nicht vorhanden konkurrenzfaehigkeit gegen eu-subventionierten anbau.
zucker aus europa ist in afrika billiger als der dort angebaute und fuer die differenz kommen wir auf. so arbeiten multis und lachen uns aus.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.