U-Ausschuss

Von Drogen, Gesetzeskauf und einem Dienstkonto

1. Februar 2012, 18:49
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    foto: standard\cremer

    Großer Bahnhof für den früheren Verkehrsminister Hubert Gorbach. Die Ausbeute für die nach Korruption fahndenden Nationalratsabgeordneten blieb dennoch überschaubar.

Hubert Gorbach war zwar im U-Ausschuss, Erhellendes wollte der Ex-Verkehrsminister aber nicht beitragen - Er habe der Telekom kein Gesetz verkauft - Ex-Vorstand Rudolf Fischer leugnet Schmiergeldzahlungen

Wien - Tag vier im Korruptions-Untersuchungsausschuss endete überraschend mit einem Freispruch. Den sprach der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner aus - noch während der Befragung der Auskunftsperson Hubert Gorbach (früher BZÖ). Wiewohl er den Lobbyisten Peter Hochegger "die Droge der Telekom" nannte, sah er es durch die "Aussagen aller Zeugen" als bewiesen an, dass es unter dem damaligen Verkehrsminister Gorbach "keinen Gesetzeskauf gab".

Zur Untermauerung zitierte Petzner aus einem Prüfbericht, der unter Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) 2011 erstellt wurde. Demnach lukrierte die Telekom Austria (TA) dank der von Gorbach geänderten Universaldienstverordnung 2010 nur rund 30.000 Euro an Zusatzeinnahmen, hatte für flächendeckend Telefonzellen aber 13 Millionen Euro Aufwand. Petzners Frage "Ist die Telekom so deppert, für 30.000 Euro Mehreinnahmen 1,2 Millionen Euro Schmiergeld zu zahlen?" quittierte der von 1998 bis 2008 für Festnetz und öffentliche Fernsprechzellen zuständige Ex-TA-Vorstandsdirektor Rudolf Fischer mit zynischem Unterton: "Ich würde nicht davon ausgehen." Zuvor hatte Fischer die dank der 2006 erlassenen neuen Verordnung lukrierten Mehreinnahmen mit zehn Millionen Euro beziffert.

"Schmiergeldplattform"

Womit klar scheint, warum sich die Mandatare der anderen Fraktionen Petzners Freispruch nicht anschlossen. Für den täglichen Streit über die Geschäftsordnung reichte der Wortwechsel allemal. Er ging so aus: Peter Pilz von den Grünen wurde es untersagt, die vom Staatsanwalt untersuchten Zahlungen der Telekom an frühere BZÖ-Funktionäre, Werbeagenturen und andere Beratungsunternehmen als "Schmiergeld" zu bezeichnen und Peter Hocheggers Beratungsfirma Valora, über die TA-Gelder verrechnet wurden, als "Schmiergeldplattform". Was Fischer erwartungsgemäß als Unterstellung zurückwies, Pilz aber nicht daran hinderte, weiterhin von Schmiergeld zu sprechen.

In der Sache war Fischer, gegen den auch in der Causa Kursmanipulation ermittelt wird, wenig auskunftsfreudig. "Das ist mir nicht erinnerlich" und "Dazu habe ich keine Wahrnehmung" lauteten die am häufigsten verwendeten Antworten, mit denen der Beschuldigte die Abgeordneten abspeiste. Immerhin bestätigte Fischer, dass Hochegger von der TA von 2001 bis 2008 Lobbying- und PR-Aufträge im Volumen von 35 Millionen erhielt und "Dauergast im siebenten Stock" war, der Chefetage der TA; davon 25 Millionen kamen von dem von Technikchef Fischer verantworteten Festnetz.

Zu den von Gorbachs früherer Sekretärin laut Einvernahmeprotokoll erhobenen Vorwürfen, den Valora-Zahlungen von insgesamt 268.000 Euro auf "ein Dienstkonto, das Gorbach zur Verfügung stand" seien keine Leistungen gegenübergestanden, wollten weder Fischer noch der Exverkehrsminister etwas wissen. Es stimme nicht, dass das seine Konten seien, sagte Gorbach. Ihm "ist völlig unerklärlich, warum ich von Ex-Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler (hat sich als Kronzeuge angedient; Anm.) so belastet werde". Der behauptet, Gorbach habe nach seiner Ministerzeit "um Unterstützung für sein Consultingunternehmen" gebeten, und zwar "so wie bisher", als es "mit Fischer eine mündliche Vereinbarung über die Finanzierung seiner Sekretärin gab". Das verneinten Fischer wie Gorbach, wobei der Exminister betonte, die Zahlungen an seine frühere Sekretärin "stehen in keinem Zusammenhang mit der Änderung der Universaldienstverordnung".

Erhellen sollen die Geldflüsse weitere Auskunftspersonen, darunter Peter Westenthaler (BZÖ), Exjustizministerin Karin Gastinger, TA-Mitarbeiter und Peter Hochegger. Sie werden ab 14. Februar befragt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)

Kommentar posten
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aereo
01

Wenn mir der erste Verwandte plötzlich erzählt sein Hochzeitstag sei ihm nie erinnerlich aber trotzdem habe er keine Wahrnehmung darüber daß seine Frau sauer sei, schepperts.
Dieses Proletenbeamtendeutsch ist offenbar neumodern in Unschuldsvermutungskreisen.

Dr. Freidank
03
Die staatsanwaltliche Aufarbeitung des Schüsselei-Interregnums

wird uns noch lange beschäftigen. Das Motto des parteiintern verklärten ÖVP-"Granden" war ja: "Gebt mir die Macht, nehmt euch die Republik!" Dass sich die Blau-Orangen dann zusammen mit seinen Schwarzen so schamlos bedienen würden, hat vielleicht auch Schüssel nicht geahnt.

länge ist die neue breite
03

aber nur vielleicht...

Trombone53
 
00
Ein Lob dem Fotografen

Gratulation dem Fotografen, des Fotos von der Titelseite (Gorbach von vorne). Ich habe schon lange kein Foto mehr gesehen, das so charakterisiert.

light sleeper
01

der heiligenschein ist genial! cremer hat schon einen super-blick!

Walther von der Vogelweide, der 1.
01
Gorbach hin, Unschuldsvermutung her ist doch eh Wurscht ...

die österreichische Bevölkerung wird bei der nächsten Wahl unseren Parteien sowieso wieder ein neuerliches Mandat zur Volksausbeutung erteilen. Die Nicht- oder Ungültigwähler sind alle ein paar ungebildete, unakademische und demokratiefeindliche Dumpfbacken. Die jahrzehntelange Suggestion der Parteien wirkt und das Volk hält schön brav den Schädel hin ...

Ing. Rambo Einfältig
01
Einspruch!

Die Nicht- oder Ungültigwähler sind den Parteien am liebsten.
Vor der Wahlurne tobt ein Kampf der Parteibuchbesitzer oder derjenigen, die gerade von einer Farbe mit einem Posten, einem zinsenlosen Darlehen etc. versorgt wurde.
HC Strache zieht dann die Diskoboys und Girls an und Paintballer ebenso wie die grölenden Glatzköpfe.
Obwohl er die gar nicht will. Jede Dumpfbackenstimme zählt aber für das Ergebnis.
Wer ist nun dümmer?
Der Angefressene der der Urne fern bleibt und heulend zusieht wie HC mit der ÖVP das Land endgültig ruiniert, oder derjenige, der durch seine Stimme ein kleineres Übel in Kauf nimmt?

Henry44
01
Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts

der Name Hase samt zugehörigen Erinnerungslücken scheint der häufigste unter den Zeugen zu sein.

Es wird sich ja wohl zweifelsfrei feststellen lassen, ob Telekomgelder an Gorbach und das BZÖ geflossen sind und dann wäre nur noch der jeweilige Zahlungsgrund zu klären und ob die Gelder ordnungsgemäß versteuert wurden.

Es gab ja in den diversen Korruptionsaffären schon die kuriosesten Differenzen zwischen Zahlern und Empfängern, was die Zahlungsgründe betrifft.

Offensichtlich war nicht immer genug Zeit, die Aussagen abzustimmen, die Frage "was war mei Leistung?" zu klären und die dazu passenden rückdatierten Dokumente zu erzeugen.

Der glatte Freispruch für Gorbach und das BZÖ von Stefan Petzner in der gestrigen ZIB 2 war kabarettreif.

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
15
Diese Gorbachschüssel-Koffer haben unsere Staatskassen geplündert,

sodass jetzt die Fundamente zu bröckeln anfangen.

Sogar die ELtern müssen schon die desolaten Schulen renovieren
http://orf.at/stories/2102192/

Das Szeuergeld wird eben lieber für die nixnutze, paranoide Bürgerüberwachung verbraten, da soll lieber alles andere im Staat zugrunde gehen.

Danke an Schüssel und seine Madoffs!!!

Henry44
72
Langsam wird es langweilig

für alles und jedes Wolfgang Schüssel verantwortlich zu machen, selbst für das heutige Budgetproblem soll er zuständig sein.

Ist er nicht im Jahr 2006 als BK abgetreten?

Marlon62
00
Nein,

er ist nicht abgetreten, er wurde weg gewählt, weil viele Menschen erkannt hatten, dass er für jede Menge Sauereien - inklusive Auftragsvergabe des Kanzleramtes einer Beratertätigkeit an die Firma seiner Tochter, nachdem diese 1(!) Tag vor Ausschreibungseröffnung ihr Angebot ganz schnell nachbesserte - verantwortlich zeichnet.

Ing. Rambo Einfältig
01
Er wäre nicht verantwortlich,

wenn er nicht Bundeskanzler zu einer Zeit gewesen wäre, in der Karl-Heinz Grasser, sein "Ziehsohn", Hubsi Gorbach, sein Vizekanzler, Ernst Strasser, der Anglistiker so umtriebig unterwegs gewesen wären.
Es gibt nun 2 Möglichkeiten:
Er schaute weg oder deckte die Aktivitäten ( Palladin Finz attestierte seinem Minister KHG ja Steuerfreiheit für die IV-Homepage), dann ist er voll verantwortlich - oder er war zu dumm, dann saß er auf dem falschen Posten.
Hat er etwa auch denselben Persilschein wie Gerhard Dörfler erhalten, der da sinngemäß lautet: "...ist nicht in der Lage sein unrechtes Handeln zu erkennen. Und weil er Politiker ist, tu ma nix"

helmut.s
02
Solange Schüssels's Partei

sich nicht geniert - immerhin waren sie seither ununterbrochen in der Regierung und stellten auch mehrfach den Finanzminister - immer wieder in Diskussionen Kreisky und dessen Politik für die Budgetprobleme von heute verantwortlich zu machen, solange werden sie den gleichen Vorwurf schon aushalten. Oder werden wir jetzt empfindlich, wenn die Hackel'n bumerangleich zurückgeflogen kommen?
Vor allem aber ist ihm vorzuwerfen, dass er für die Ergreifung der Macht die Schmuddelkinder salonfähig gemacht hat. Darunter leiden wir noch heute, abgesehen von der Klimavergiftung, welche damals stattfand(speed kills, die roten Gfrieser, welche aus dem TV schauen,und noch einiges andere).

Dr.Michi
00
16.2.2012, 12:30

Schüssels Minusseite ist zwar dick gefüllt, aber auf der Habenseite siehts auch nicht so schlecht aus, einiges in Punkto Verwaltung wurde verbessert, das Entschädigungsgesetz verabschiedet, die Blauen entzaubert (dafür einen Wahlsieg eingefahren).
Österreich braucht wechselnde Regierungen, und momentan sind die ohne die Blauen nicht zu haben. Die große Koalition automatisch das "kleinere Übel" zu nennen ist falsch. Jeder soll selber abwägen was schlimmer ist, zurückblickend war Schwarz/Blau das kleiner Übel - auch wenn ich im Wahljahr auf den Barrikaden stand.
Aber ich träum immer noch von einer Regierung mit nur einer Großpartei und ohne FPÖ.

Käpt`n Blaubär
00
Auf den Punkt gebracht!

Liliom
15
Die Zeit heilt nicht alle Wunden

nicht langweilig, da 6 Jahre nach seiner Abwahl (nicht
Rücktritt) wieder klar wird, welche Schäden Persönlichkeitsgestörte Politiker anrichten können. Oder
haben Sie vergessen, daß er Putin für einen Lupenreinen Demokraten und Berlusconi seinen lieben
Freund nannte ?
.

Henry44
01
Nicht der schwarze Schüssel,

sondern der Sozialdemokrat Schröder hat Putin einen lupenreinen Demokraten genannt.

Schüssel mag man ein Auswahlverschulden anlasten, aber die Täter sind immer noch persönlich für ihre Taten verantwortlich. Sie wissen doch sicher, dass der BK nicht der Chef der Minister ist.

Ich bin im übrigen schon lange Grünwähler.

Marlon62
10
Schüssel mag man ein Auswahlverschulden anlasten

Schüssel hat ganz bewusst Leute ausgewählt, von welchen er wusste, dass sie schwach, korrupz oder kriminell sind, weil er nur mit diesen selbstverliebten, aber erüressbaren Subjekten seine eigene Macht und seine Eigeninteressen durchsetzen konnte ( "Eine Hand wäscht die andere, und trotzdem bleiben beide dreckig" ).

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Soweit das die schwarze Ministerriege anlangt, ist er als Parteiobmann für die Auswahl de iure verantwortlich.

De facto schauts auch anders aus, denn gerade in der VP gibt es ein Dickicht von Länder- und Bündeinteressen, das in solch einer Situation berücksichtig werden muß. Aber trotzdem, unterm Strich sicndie schwaruzen eben "seine" Minister.
Die Auswahl der Ministerriege des Koalitionspartners ist hingegen dessen Sache, immer gewesen. Oder welchge Verantwortung willst Du dem Feymann fürn Berlakovich oder den Spindelgger oder die Fekter umhängen??

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
Der Putin als lupenreiner Demokrat

ist das wording vom dt. Ex-Kazler Gerhard SCHRÖDER!!, und der dem Schüssel nicht gerade grüne Klestil nannte Putin seinen persönlichen Freund.

Stimmen hingegen tut der "liebe Silvio" aus Schüssels Mund.

Cavaliere Austriaco
00
es ist lichtmess

und kein artikel darüber im "standard". traurig!

kater bruno
02

Ins Gefängnis mit ihnen und das Gefängnis ist hoffentlich nicht to small.

tief, böse; aber treffend
18
vergesst nicht ...

wer der vater und wegbereiter all dieser sümpfe, haarsträubenden missbräuche und korruptionisten-exzesse ist; wer diese an die tröge geführt und gemästet hat, um seine persönliche machtgier zu befriedigen.

ein kleines, vertrocknetes männlein, das auch einmal ein mann sein wollte.

travelmike
02
Ich seh da nicht einen,

ich seh da noch einen zweiten (auch nicht viel größer).
Schüssel hat zwar die Tore geöffnet, Haider hat aber die Korruption in allen öffentlichen Bereichen perfektioniert.

Kühnemund
02
Nein, falsch! Nicht EINER war es sondern ein System!

Und der Wähler selber! Immerhin haben die Wähler entschieden, dass es geil ist wenn Politiker mit Steuergeldern Unternehmen führen. Seit Jahrhunderten weiss man, dass die führende Schicht, sei es ein König und seine Edelmänner und Fürsten, ein Diktator und seine Armee oder eine demokratisch gewählte Bande von Politikern, sie alle haben eines zum Ziel: die Ausbeutung der merhwertschaffenden Bevölkerung!
Solange dieses System aufrechterhalten bleibt solange wird es Korruption, Ungerechtigkeiten von Oben herab, Krisen und Kriege geben.

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