Apple: Roboter gegen schlechte Arbeitsbedingungen

11. Mai 2012, 17:36
posten

Würden höhere Löhne und Roboter statt menschlichen Arbeitern die Probleme lösen oder neue schaffen?

Der New York Times Artikel über die schlechten Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern von Apple hat hohe Wellen geschlagen. Ungewöhnlich schnell hat CEO Tim Cook auf die Vorwürfe reagiert und in einer E-Mail an seine Mitarbeiter geschrieben, dass Apple vieles tut, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Farhad Manjoo von Slate ist aber überzeugt, dass es noch nicht reicht und Apple mehr tun muss.

Langfristiger Plan

Tim Cook soll einen langfristigen Plan entwickeln und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken verbessern, die Löhne erhöhen und langfristig die Anzahl der benötigten Arbeiter reduzieren, fordert Manjoo. Das Ganze soll er auch noch öffentlich machen, damit jeder mitbekommt, unter welchen Bedingungen die Geräte hergestellt werden und wie Apple das System verbessern möchte.

Image is everything

Apple soll das alles nicht nur deswegen machen, weil es das Richtige ist, sondern auch weil das Image des reichsten Konzern der Welt in Gefahr ist. Zwar sind die Arbeitsbedingungen in den Zulieferer-Fabriken von Apple nicht schlimmer als bei den Mitbewerbern, aber keine Firma profitiert von den billigen Arbeitskräften so stark wie Apple, weil der Konzern die größte Gewinnspanne hat.

100 Milliarden Barvermögen

Apple ist der einzige Konzern, der es riskieren kann, kurzfristig weniger zu verdienen, um längerfristig die Bedingungen in den Fabriken zu verbessern. Apple hat beinahe 100 Milliarden US-Dollar an Barvermögen und schon öfter strategische Investments getätigt, die sich später ausgezahlt haben. Das Marken-Image, das sich Apple aufgebaut hat, ist der wichtigste Grund für den Erfolg des Unternehmens.

Die Macht der Kunden

Manjoo glaubt, dass Apples Image Schaden nimmt, wenn sie das Problem in den Fabriken nicht lösen.  Früher oder später würden schließlich die Kunden fernbleiben. Ob dem wirklich so ist, ist allerdings fraglich. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sind schon länger bekannt, dennoch werden jedes Jahr mehr Gadgets gekauft. Ein Boykott der Apple-Kunden ist also zu bezweifeln.

Wirkliches Bedürfnis

Es müsste Apple ein wirkliches Bedürfnis sein, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und der Konzern müsste bereit sein, dafür einen kleineren Gewinn in Kauf zu nehmen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Elektronikkonzerne die Arbeitsbedingungen verbessern, um ihre Gewinne zu erhöhen. Statt auf eine große Zahl an menschlichen Arbeitern, werden die Konzerne in Zukunft auf Roboter und vollautomatische Fabriken setzen.

Steigende Löhne

Die Löhne steigen auch in China und alleine am iPhone-Fließband arbeiten 200.000 Menschen. Außerdem hat Foxconn in den letzten Jahren die Gehälter zusätzlich erhöht, nachdem immer wieder Skandale bekannt wurden. Da die Nachfrage nach mobilen Geräten steigt, wird es immer schwieriger Menschen für die  eintönigen Arbeiten zu finden. Darum hat Foxconn bereits angekündigt, ab 2013 eine Million Roboter zu installieren. Zukünftig könnten die Maschinen die menschlichen Arbeiter ganz ersetzen.

Arbeitslosigkeit als neues Problem

Apple könnte investieren, um die Umstellung zu beschleunigen. Das würde ihr Image aufbessern und die Investition würde sich vermutlich schnell amortisieren. Allerdings würde dadurch ein neues Problem entstehen. Für chinesische Verhältnisse sind die Arbeiter bei den Zulieferern gut bezahlt. Sie würden somit ihren Job und ihren Verdienst verlieren, was wiederum zu Unruhen in China führen könnte. 

Die Kunden haben es in der Hand

Es ist ein komplexes Problem und die Konzerne werden es nicht lösen, solange sie keinen Druck von Außen haben. Wenn die Kunden und die Politik stärker für "saubere" Produkte eintreten würden und den Firmen finanzielle Sanktionen drohen, dann würden diese auch etwas ändern. (soc)

  • Beginnt die Fassade von Apple zu bröckeln?
    foto: epa/diego azubel

    Beginnt die Fassade von Apple zu bröckeln?

Share if you care.