Vorwahl der US-Republikaner

Böse Flashbacks für das liberale Amerika

Kommentar | Florian Niederndorfer, 1. Februar 2012, 15:19

Trotz Florida: Comeback Kid Newt Gingrich erinnert an die dunkle Seite der Clinton-Jahre

"The Dream of the Nineties is alive in Portland", heißt es in der US-TV-Serie Portlandia über die Hipster-Metropole in Oregon. Die liberalen Clinton-Jahre haben dort dem Plot zufolge nie ganz aufgehört. Das TV-Idyll macht aber leicht vergessen, dass zu jedem noch so schönen Traum auch ein böser gehört. Wer sich heute, so wie die Protagonisten der TV-Serie, die Neunzigerjahre zurückwünscht, dem wird Newt Gingrich, als Speaker of the House in den Neunzigern der entschlossenste Gegner Bill Clintons, den Schlaf rauben.

Der 68-Jährige ist der Alptraum, der das liberale Amerika inner- und außerhalb von Portlands City Limits seit den Neunzigerjahren heimsucht. Und den es nicht und nicht los wird. Seiner Niederlage in Florida zum Trotz kämpft Gingrich unverdrossen weiter gegen seinen republikanischen Widersacher Mitt Romney an. Schon oft in diesem über lange Strecken äußerst zähen Wahlkampf hing er in den Seilen. Doch jetzt, wo die Erinnerung an seine erste Politkarriere langsam zu verblassen beginnt, wird er einem Ehrentitel gerecht, auf den bisher sein ehemaliger Erzfeind Clinton abonniert war: Comeback Kid.

Dem liberalen Amerika werden auf diese Weise Flashbacks zuteil, die an die dunkle Seite der Clinton-Jahre gemahnen. Als Sprecher des Repräsentantenhauses zieh Gingrich damals den demokratischen Präsidenten wegen dessen Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky des Ehebruchs, während er selbst seine zweite, an Multiple Sklerose erkrankte Ehefrau mit seiner 23 Jahre jüngeren Assistentin betrog. Heute wirft er dem seinerseits nicht eben zimperlichen Romney seine - tatsächlich dubiose - Rolle als Investmentberater in den Neunzigerjahren vor. Selbst verdiente er bei der Pleitebank Freddie Mac Millionen.

Newt Gingrich, der Schrecken der Neunziger, ist trotz alledem alive and kickin', zumindest bis zum Super Tuesday. Weil er seine Mission wider das liberale Amerika noch lange nicht erfüllt sieht. (flon/derStandard.at, 1.2.2012)

Kommentar posten
14 Postings
Der sich den Wolf tanzt
02
in amerika sind nur die geldströme liberal

sonst nix!

ARAU
161

als wär Obama "liberaler" als Newt. Go Ron Paul.

h 90
17

Liberaler im Sinne von dem was in Amerika unter liberal verstanden wird schon.
Das geht mehr in die Richtung Sozialismus.
Was wir meist unter liberal verstehen ist in USA libertaer.
Beim Uebersetzen kommt dabei natuerlich oft ein riesiger Topfen raus (was die Deutschen als Quark verstehen wuerden, was bei uns wieder so kleine Atomteilchen waeren)

yomellamo
18

sie meinen "alle regulierungen abschaffen"-Ron paul?

... das ist nicht nur liberal, das ist extremistisch-neoliberal.

hans graucher
01
Ich glaube "libertär" trifft es eigentlich am Besten. Inhaltlich beruht die Faszination vieler Anhänger Ron Pauls mE vor allem auf zwei Umständen:

1. er ist authentisch und glaubhaft, hat seine Meinung in der Vergangenheit ncht nach dem Wind gedreht sondern steht zu dem was er fordert.
2. er hat als Republikaner den Irakkrieg offen abgelehnt und tritt für einen Rückzug des US-Militärs aus allen möglichen Krisenregionen ein.

Dazu muss man aber schon auch sagen, dass nach seiner Vision vor allem die sozial Schwächeren in den USA sich in der Zukunft warm anziehen könnten wenn social welfare programs zurückgehahren werden. Auch international mag zwar nach den Erfahrungen im Irak ein Rückzug des US Militärs toll klingen, aber fragen Sie zB mal in Haiti nach, ob die so happy wären, wenn die US Truppen nie dagewesen wären. Oder die UNterstürtuzung der Erdebebenopfer in Pakistan oder...

h 90
40

Sie haben sich scheinbar nicht viel mit Ron Paul beschaeftigt. Mit Liberalismus auch nicht.

ARAU
60

gut so

Schnapphahn
110
Nur,

wenn Sie zu den 1 Promille gehören.

lingam
14
gingrich als albtraum des liberalen amerika

zu bezeichnen, finde ich hier irrefuehrend, denn jede/r liberale wuenscht sich doch, dass gingrich von den republikanern nominiert wird, weil dann obamas chancen, wieder gewaehlt zu werden, wesentlich hoeher als gegen romney sind

h 90
21

Und warum soll sich ein Liberaler Obama wuenschen?
Damit es den Iran Krieg gibt?

lingam
00
wen wuerde denn

ihrer meinung nach, ein liberaler amerikaner zum praesidenten waehlen?

h 90
01

Ron Paul

goldene mitte
20
wider das liberale amerika.

fehler von postern sind ja in ordnung, und hinweise darauf kleinlich. aber von einer "qualitätszeitung" darf man der grammatik mächtige mitarbeiterInnen erwarten.

Florian Niederndorfer
00
Sehr geehrter Leser!

Selbstverständlich, wir haben das gleich ausgebessert und bitten Sie vielmals um Entschuldigung!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.