Ältere und Junge besonders betroffen

1. Februar 2012, 11:56
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Mehr Arbeitslose, aber auch mehr Beschäftige - 384.298 Menschen waren Ende Jänner ohne Job

Wien - 384.298 Menschen in Österreich waren Ende Jänner ohne Arbeit, um 1,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig war aber auch die Anzahl der Beschäftigten um 55.000 höher als vor einem Jahr - damit sei Österreich eines der wenigen Länder in der EU mit einer stark steigenden Beschäftigung, betonte das Sozialministerium am Mittwoch in einer Aussendung.

Von den Menschen, die derzeit keine Arbeit haben, sind 318.027 als Arbeitslose registriert (+8.443 oder +2,7 Prozent), 66.271 nehmen an Schulungen teil. Damit ist die Anzahl der Schulungsteilnehmer im Jahresabstand um 4,2 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote beträgt nach österreichischer Berechnungsmethode 8,6 Prozent und ist damit um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Nach EU-Berechnung betrug die österreichische Arbeitslosenquote im Dezember - das ist der aktuellste verfügbare Wert - 4,1 Prozent. Österreich hat damit weiterhin mit die mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU.

Jeder dritte Arbeitslose habe bereits eine Einstellungszusagen eines Unternehmens und werde daher in den nächsten Wochen wieder zu arbeiten beginnen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Frauen (+4,7 Prozent) sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker betroffen als Männer (+1,7 Prozent). Das liegt daran, dass in einigen männerdominierten Wirtschaftszweigen die Arbeitslosigkeit noch immer sinkt: Überraschend seien trotz der Kälte die sinkenden Arbeitslosenzahlen am Bau, wo um 2,1 Prozent weniger Arbeitslose zu verzeichnen waren. In der Industrie ging die Arbeitslosigkeit um 2,4 Prozent zurück. Die internationale Konjunkturflaute trifft in der Industrie vor allem die Leiharbeitskräfte: Bei der Leiharbeit stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten von allen Branchen mit +10,1 Prozent.

Kaufkraftstabilisierung erwartet

Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit im Dienstleistungsbereich. Im Tourismus nahm sie trotz guter Schneelage um 5,8 Prozent zu, im Handel um 5 Prozent. Die guten Lohnabschlüsse und die rückläufige Inflation sollten aber in den nächsten Monaten die Kaufkraft und den Arbeitsmarkt im Dienstleistungsbereich stabilisieren, hofft man im Sozialministerium. Allerdings sei die Anzahl der offenen Stellen um 13,9 Prozent auf etwas mehr als 25.000 gesunken, die Konjunkturabschwächung sei also noch nicht überstanden.

Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis 24 Jahre) ist im Jänner mit einem Plus von 3 Prozent auf rund 47.700 überproportional stark gestiegen, sie ist aber mit einer Quote von 8,2 Prozent (nach EU-Berechnung) immer noch die zweitniedrigste in der Europäischen Union. Nur Deutschland kommt mit 7,8 Prozent auf einen niedrigeren Wert, Holland rangiert mit 8,6 Prozent auch in der Spitzengruppe. Alle anderen Länder haben Jugend-Arbeitslosenquoten im zweistelligen Prozentbereich, der Durchschnitt der EU-15 beträgt 21,3 Prozent.

Mehr Lehrstellen, mehr Suchende

Die Anzahl der offenen Lehrstellen war Ende Jänner mit rund 3.200 um 7,7 Prozent höher als vor einem Jahr, aber auch die Anzahl der Lehrstellensuchenden stieg um 5,8 Prozent auf gut 5.100. Die Zunahme der Lehrstellensuchenden sei jedoch zur Gänze auf ein neues Programm in Wien zurückzuführen, heißt es aus dem Ministerium. Die daran teilnehmenden Jugendlichen würden nun als Lehrstellensuchende gezählt und nicht mehr als Schulungsteilnehmer.

Überdurchschnittlich stark gestiegen ist die Arbeitslosigkeit auch bei älteren Menschen, sie nahm im Jahresabstand um 6,8 Prozent (4.472 Leute) zu. Andererseits nimmt die Anzahl der über 50-Jährigen am Arbeitsmarkt stark zu, ihre Beschäftigung stieg um 40.000 und machte damit fast drei Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses aus.

In Vorarlberg (-6,1 Prozent), Oberösterreich (-2,2 Prozent) und Kärnten (-0,1 Prozent) ist die Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungen) zurückgegangen, in allen anderen Bundesländern hat sie zugenommen. Den stärksten Anstieg gab es in Wien (+5,1 Prozent). Stärker als im Durchschnitt war die Zunahme auch im Burgenland (+1,8 Prozent) und in der Steiermark (+1,6 Prozent). In Salzburg sind um 1,0 Prozent mehr Leute ohne Job als vor einem Jahr, in Tirol um 0,6 Prozent und in Niederösterreich um 0,5 Prozent. (APA)

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