Immer mehr Kältetote in Osteuropa

1. Februar 2012, 12:37
1 Posting

Temperaturen sollen noch weiter fallen - Istanbul lahmgelegt

Rom/Berlin/Istanbul - Die extreme Kälte in Europa kostet immer mehr Menschen das Leben. Dramatisch ist die Situation in der Ukraine: Im Ausrichterland der kommenden Fußball-Europameisterschaft erfroren bei Temperaturen bis minus 30 Grad weitere 13 Menschen. Damit stieg dort bis Mittwoch die Zahl der Kältetoten in rund einer Woche auf mindestens 43. Auch in anderen Ländern starben bei der Frostwelle Menschen, darunter zahlreiche Obdachlose. Und vielerorts sollte der Dauerfrost noch härter werden.

Wie das ukrainische Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte, liegen in der Ex-Sowjetrepublik Hunderte Menschen mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Allein seit dem Dienstag hätten sich etwa 7.500 Menschen in öffentlichen Wärmestuben mit kostenlosem Essen und Getränken versorgt.

Rumänien & Polen

In Rumänien zählten die Behörden in rund 24 Stunden sechs Kältetote. Damit stieg die Zahl der Opfer des derzeitigen Extremforstes auf 14, teilte das Gesundheitsministerium in Bukarest am Mittwoch mit.

Die klirrende Kälte lässt auch viele Polen weiter leiden: In der vergangenen Nacht erfroren nach Angaben des Warschauer Innenministeriums sieben Menschen. Unter ihnen seien auch zwei Angler, die trotz eisiger Temperaturen am Ufer des masurischen Sniardwy-See fischen gegangen waren.

Bei Tagestemperaturen bis minus 20 Grad waren auf den Straßen Warschaus am Mittwoch nur diejenigen unterwegs, die den Gang nach draußen nicht vermeiden konnten. Das polnische Fernsehen zeigte Rentner, die in voller Winterbekleidung in ihren Altbauwohnungen saßen. Kohleöfen reichten angesichts der Kälte oft nicht mehr zum Heizen aus.

Fußball-EM

Probleme könnte die Kältewelle auch bei den Vorbereitungen auf die Fußballeuropameisterschaft machen. In Warschau zum Beispiel wird weiter mit Hochdruck am Bau der neuen U-Bahn und der neuen Regionalbahnhöfe gearbeitet. Die durch die Bauarbeiten offen liegenden Wasser- oder Heizungsrohre sind nun ungeschützt und könnten bersten.

In Tschechien wurde In der Stadt Karvina im Osten des Landes ein Obdachloser tot auf einer Wiese gefunden. Der Mann erfror nach ersten Erkenntnissen der Polizei, nachdem er eine Notunterkunft verlassen hatte. Auch in der Hauptstadt Prag war bereits eine Frau in Folge der Kälte gestorben. Zudem mussten viele Obdachlose wegen Unterkühlung behandelt werden.

In der rumänischen Hauptstadt Bukarest gab es Probleme mit der Wärmeversorgung: Dort fiel über Nacht in vielen Gebäuden zeitweise die Heizung aus, weil der Gasdruck in den Leitungen nachließ.

Deutschland & Italien

In Deutschland drückte die sibirische Kälte die Temperaturen ebenfalls weiter in den Keller. In der Nacht zum Mittwoch seien sehr tiefe Werte vor allem in Ostdeutschland gemessen worden, sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Am kältesten sei es in der Nacht aber mit minus 15,9 Grad auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald gewesen. Am Donnerstag könnten in Berlin bis minus 15 Grad gemessen werden. Auch tagsüber sollen die Temperaturen hierzulande vielerorts in den zweistelligen Minusbereich rutschen.

Eine Kältewelle hat auch Italien fest im Griff: In mehreren nördlichen Regionen kam es zu heftigen Schneefällen. Über Florenz und Bologna gingen Mittwoch früh dicke Flocken nieder. In der Region Emilia Romagna mussten einige Autobahnabschnitte gesperrt werden.

Wegen des heftigen Schnees kam es zu Verkehrsproblemen im Raum von Mailand. Der Lkw-Verkehr wurde gestoppt. Auch bei regionalen Bahnverbindungen kam es zu Verzögerungen. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen in Italien noch weiter fallen.

Heftige Niederschläge wurden in Rom gemeldet. In der Ewigen Stadt wurde bis Freitag weiße Pracht erwartet. Zu Schneefällen kam es auch in den Bergen der süditalienischen Regionen Kalabrien und Basilikata. Die Metereologen rechneten mit weiteren Niederschlägen in den kommenden Tagen.

Kältetote in der Ukraine

Die Kältewelle in Europa kostet in der Ukraine immer mehr Menschen das Leben: Wegen des starken Frosts mit Temperaturen um minus 30 Grad sind in der Ex-Sowjetrepublik erneut 13 Menschen erfroren. Damit starben in dem Land als Folge des harten Winters in den vergangenen Tagen mindestens 43 Menschen, teilte das Zivilschutzministerium am Mittwoch in Kiew mit. Hunderte liegen weiter mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Die meisten Kälteopfer sind Obdachlose.

Allein seit dem Vortag hätten sich im Ausrichterland der Fußball-Europameisterschaft 2012 etwa 7.500 Menschen in öffentlichen Wärmestuben mit kostenlosem Essen und Getränken versorgt.

Istanbul lahmgelegt

Bei Schneehöhen von bis zu einem halben Meter war der Busverkehr in Istanbul am Mittwoch vorübergehend zusammengebrochen. Trotz des Dauereinsatzes von Räumfahrzeugen waren wegen des heftigen Schneefalls selbst Hauptverkehrsstraßen zeitweise unpassierbar, meldeten türkische Medien. Der türkische Nachrichtensender NTV berichtete, viele Pendler hätten ihre Fahrzeuge auf der Straße zurücklassen und zur Arbeit gehen müssen. Das staatliche Wetteramt warnte vor weiterem Schneefall und heftigem Wind.

Die Räumfahrzeuge hatten in der Nacht und Mittwoch früh alle Mühe, die beiden Istanbuler Autobahnbrücken über den Bosporus einigermaßen schneefrei zu halten. Die Express-Buslinie "Metrobüs", mit der jeden Tag mehrere zehntausend Menschen aus den Istanbuler Außenbezirken zur Arbeit fahren, wurde zur Hauptverkehrszeit Mittwoch früh zeitweise eingestellt. Auch viele Fähr- und Flugverbindungen wurden storniert. Am Istanbuler Atatürk-Flughafen fielen allein am Mittwochvormittag fast 90 Flüge aus. Transitpassagiere wurden in Hotels gebracht.

In Außenbezirken auf der europäischen Seite Istanbuls wurden Schneehöhen von bis zu 50 Zentimetern gemessen. Das für die 14-Millionen-Stadt ungewöhnlich schneereiche Winterwetter hatte am vergangenen Wochenende eingesetzt. Meteorologen sagen ab Donnerstag eine allmähliche Erwärmung voraus. Auch dann könnte es allerdings Probleme geben: Den Vorhersagen zufolge wird der Schnee durch heftigen Regen abgelöst. (APA)

Share if you care.