Pakistanische Armee unterstützt Taliban

1. Februar 2012, 08:55
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Taliban sollen Machtübernahme nach ISAF-Abzug vorbereiten - Bericht basiert auf 27.000 Verhören von Taliban-Kämpfern und Al-Kaida-Mitgliedern

London/Islamabad - Die NATO hat offenbar Beweise dafür, dass pakistanische Sicherheitskräfte direkte Unterstützung für die Taliban in Afghanistan leisten. Das gehe aus einem geheimen NATO-Bericht hervor, in den man Einsicht erhalten habe, berichtete der britische Sender BBC am Dienstagabend. Offiziell bestreitet die pakistanische Regierung jede Zusammenarbeit mit den Taliban.

Der Bericht basiere auf 27.000 Verhören von Taliban-Kämpfern und Al-Kaida-Mitgliedern, so die BBC. Demnach bleiben die Taliban weiter aggressiv. Sie könnten auf die Unterstützung weiter Teile der afghanischen Bevölkerung bauen. Pakistan wisse über den Aufenthaltsort führender Taliban Bescheid. Der NATO-Bericht zeige erstmals auf, wie eng die Bande zwischen dem pakistanischen Geheimdienst ISI und den Taliban seien. Zuvor waren bereits französische Geheimdienstberichte bekanntgeworden, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren.

In dem Bericht, den ein NATO-Sprecher gegenüber der BBC als "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt" eingestuft hatte, wird auch dargelegt, wie stark afghanische Truppen und Polizeieinheiten mit den Aufständischen verflochten sind. Während der Einfluss des Terrornetzwerks Al-Kaida schwinde, steige jener der Taliban immer weiter. Besonders dort, wo sich die Internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) zurückziehe.

"Gottesstaat" wird vorbereitet

Laut dem Bericht bereiten die Taliban nach dem Abzug der ausländischen Truppen ihre Machtübernahme vor. Sobald die ISAF keinen Einfluss mehr habe, würden die Taliban ihren Sieg als "unabwendbar" ansehen, zitierte die britische Zeitung "The Times" am Mittwoch aus dem Bericht. Die internationalen Truppen wollen sich bis 2014 aus Afghanistan zurückziehen. Nach dem mehr als zehn Jahre dauernden Krieg gegen die Taliban versucht die aghanische Regierung von Präsident Hamid Karzai, mit den Rebellen zu verhandeln. Treffen sollen in den kommenden Wochen in Saudi-Arabien stattfinden, hieß es. Die Taliban hatten Anfang des Jahres die Eröffnung eines Auslandsbüros im Golfemirat Katar angekündigt, um einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft zu erleichtern. Karzai hatte befürchtet, durch diesen von den USA unterstützten Schritt an den Rand gedrängt zu werden. Laut Medienberichten soll es in Katar in der Vergangenheit schon mehrfach Gespräche von afghanischen Regierungsmitgliedern und US-Emissären mit Taliban-Vertretern gegeben haben.

Die vom pakistanischen Geheimdienst gesteuerten paschtunischen Taliban waren 1996 in Kabul einmarschiert und hatten einen Gottesstaat ("Islamisches Emirat") ausgerufen. Ihr Regime wurde 2001 durch eine US-Militärintervention gestürzt. Die ISAF übernahm 2006 das Kommando von den US-geführten Koalitionstruppen und dehnte ihren Verantwortungsbereich auf ganz Afghanistan aus.

"Glaubenskrieg geht weiter"

Wahrend die Taliban im vergangenen Monat erklärten, ein politisches Büro für mögliche Friedensgespräche mit den USA in Katar zu eröffnen, erklärte am Mittwoch Qari Yousuf Ahmadi, ein Sprecher der islamistischen Bewegung, dass die Taliban entschlossen seien, ihren Kampf für ein islamisches Regierungssystem in Afghanistan kompromisslos weiterzuführen. "Unser Kampf und Glaubenskrieg werden weitergehen, bis wir eine komplette islamische Regierung in Afghanistan haben, ungeachtet des Abzugs der ausländischen Truppen 2014 oder 2015", erklärte Ahmadi. Eine von den USA geforderte Waffenruhe würden die Taliban-Kämpfer nicht einzuhalten. Keine Stellung bezog der Sprecher zu dem geheimen US-Bericht über die von den Taliban geplante Machtübernahme in Kabul nach dem Rückzug der ausländischen Truppen. (APA/Reuters)

  • Ehemalige Taliban-Kämpfer geben ihre Waffen ab - bisher eher eine Ausnahme. Nach Einschätzung der NATO wird sich das auch nicht so schnell ändern.
    foto: epa/jalil rezayee

    Ehemalige Taliban-Kämpfer geben ihre Waffen ab - bisher eher eine Ausnahme. Nach Einschätzung der NATO wird sich das auch nicht so schnell ändern.

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