Unruhen im Senegal

Oppositionsführer aus Haft entlassen

31. Jänner 2012, 22:45

Tine: "Ich weiss nicht, was mir vorgeworfen wird"

Dakar - Im Vorfeld der senegalesischen Präsidentschaftswahl erhöhen sich die Spannungen im westafrikanischen Land. Inzwischen hat die senegalesische Polizei den Oppositionellen Alioune Tine nach zwei Tagen wieder freigelassen.

"Ich weiss nicht, was mir vorgeworfen wird", sagte Tine, der an der Spitze des Oppositionsbündnisses 23. Juni (M23) steht, am Dienstag. In der Polizeihaft seien ihm "viele Fragen zu den Kundgebungen" gegen die erneute Kandidatur des amtierenden Präsidenten Abdoulaye Wade bei der Präsidentschaftswahl am 26. Februar gestellt worden. Er führte seine Freilassung darauf zurück, dass zahlreiche Organisationen und ausländische Botschaften den senegalesischen Behörden Druck gemacht hätten.

So äusserten sich am Dienstag in Genf mehrere Nichtregierungsorganisationen besorgt über die Entwicklung im Senegal. Sie forderten die senegalesischen Behörden auf, die fundamentalen Freiheitsrechte zu gewährleisten. "Die Behörden wollen die unbequemen Stimmen zum Schweigen bringen und führen den Senegal damit in eine Zeit von Spannung und Unsicherheit", wurde Assane Dioma Ndiaye, Präsident der senegalesischen Liga für Menschenrechte, in einem Communiqué zitiert. Die Weltorganisation gegen die Folter forderte ein Ende der "willkürlichen Verhaftungen".

Das westafrikanische Land, das ansonsten als vorbildlich in der Ausübung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gilt, wird vor der Präsidentschaftswahl zunehmend von Gewalt heimgesucht. Diese hat bisher drei Todesopfer gefordert. Am Montagabend wurden in der Stadt Podor im Norden ein 17-jähriger Demonstrant und eine 60-jährige Frau von Sicherheitskräften erschossen. In der Hauptstadt Dakar wurde ein Polizist von einem Stein tödlich getroffen.

Wade darf wiederkandidieren

Auslöser der Unruhen war der Entscheid des senegalesischen Verfassungsgerichts vom vergangenen Freitag, die Kandidatur des amtierenden Präsidenten Abdoulaye Wade für eine dritte Amtszeit zuzulassen. Wade darf nach Ansicht seiner Gegner nicht nochmals antreten, weil die aktuell geltende Verfassung nur zwei Mandate zulässt. Für Aufruhr sorgte auch der Ausschluss des bekannten Sängers Youssou N'Dour. Die umstrittene Kandidatenliste wurde vom Verfassungsgericht am Montag bestätigt.

Die USA hatten Wade am Montag zu einem Verzicht auf eine erneute Kandidatur für das höchste Staatsamt aufgefordert. Die Demokratie im Senegal sei "reif genug" für einen solchen Schritt, sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums.

Die Polizei ging am Dienstag in Dakar mit Tränengas gegen eine Demonstration tausender zumeist junger Menschen gegen eine dritte Präsidentschaftskandidatur von Wade vor. Mindestens eine Frau wurde bei Zusammenstößen auf dem zentralen Platz des Obelisken verletzt, wie eine Korrespondentin berichtete. Zuvor hatte eine Gruppe von etwa 50 Demonstranten wiederholt Steine in Richtung der Polizisten geschleudert. Die vom Bündnis M23 auf den Nachmittag angesetzte Kundgebung hatte sich verzögert, sie war von den Behörden zuerst untersagt und schließlich doch bewilligt worden. Die Kundgebung auf dem zentralen Platz des Obelisken mit über 5.000 Teilnehmern war zunächst friedlich verlaufen. (APA)

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