Die heimische Forschungsszene fürchtet einen Einbruch der Nationalstiftungsmittel
Optimismus schwindet schnell angesichts wirtschaftlicher Fakten: Im November
2011 empfahl der Rat für Forschung und Technologieentwicklung der
Nationalstiftung noch, 55 Millionen an die Förderinstitutionen FWF, FFG und AWS,
an die Österreichische Akademie der Wissenschaften sowie an die
Christian-Doppler- und die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft zu vergeben. Wenn am
14. Februar der Stiftungsrat zur nächsten Sitzung zusammentrifft, wird man über
die Hälfte der empfohlenen Summe froh sein. Insider fürchten, dass die
Nationalstiftung nicht einmal 20 Millionen Euro zur Verfügung haben wird. Im
vergangenen Jahr waren es dagegen noch 85 Millionen.
Konjunkturabhängig
Hintergrund: Die Nationalstiftung, gespeist aus Erträgen des ERP-Fonds und
aus Mitteln der Österreichischen Nationalbank, ist konjunkturabhängig. Da diese
derzeit alles andere als erfreulich verläuft, dürften auch die Mittel der
Nationalstiftung nicht die gewünschte Größenordnung haben - von den
"ursprünglich intendierten 125 Millionen Euro", wie in der Ratsempfehlung
vermerkt, können Fördergeber ohnehin nur träumen.
Klaus Pseiner, gemeinsam mit Henrietta Egerth in der Geschäftsführung der
Forschungsförderungsgesellschaft FFG, befürchtet einen massiven Einbruch für die
Förderagentur. Man habe ihm Ende letzten Jahres eine Summe von vier Millionen
Euro avisiert, als eine Sitzung des Stiftungsrates verschoben wurde, weil der
genaue Betrag noch nicht feststand. 2010 waren es noch mehr als 26 Millionen.
Pseiner verweist auf die Programme, die mit den Mitteln der Stiftung
betrieben wurden und nun infrage gestellt würden: Das Programm Bridge, das
gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds FWF aufgesetzt wurde, um den
Wissenstransfer der Wissenschaft zur Wirtschaft zu unterstützen, und das
Headquarter-Programm zur Sicherung des Forschungsstandorts. Der Einbruch würde
massiver sein als im Krisenjahr 2009, als die Nationalstiftung an die FFG nur
mehr 17 Millionen und damit die Hälfte der Dotierung von 2008 vergeben konnte.
Der genaue Betrag, den die Nationalstiftung ausschüttet, wird vor der
kommenden Sitzung bekanntgegeben. In den Reihen der Stiftung ist man
optimistisch und glaubt, zusätzliche Mittel lukrieren zu können.
Von einer "langfristigen Finanzierung" von Forschung, so die Zielvorgaben der
Nationalstiftung, spricht derzeit trotzdem niemand. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 01.02.2012)