Offenbar Reaktion auf Selbstmordversuch von Untergebenem
Warschau (APA/AFP) - Gut drei Wochen nach dem Selbstmordversuch
eines Untergebenen wegen angeblicher Korruption in seiner Behörde ist
der Chef der polnischen Militärstaatsanwaltschaft entlassen worden.
Staatschef Bronislaw Komorowski habe am Dienstag General Krzysztof
Parulski des Amts enthaben, teilte Komorowskis Büro mit. Zum
Nachfolger sei Oberst Jerzy Artymiak ernannt worden.
Am 9. Jänner hatte sich Militärstaatsanwalt Mikolaj Przybyl in
einer Pause während einer Pressekonferenz in den Kopf geschossen. Er
überlebte den Selbstmordversuch jedoch und nannte später "schwere
Korruption" beim Einkauf von Militärmaterial in seiner Behörde als
einen Grund für den Schritt.
Der als kompetent und kompromisslos geltende Militärstaatsanwalt
klagte außerdem über anhaltende Bedrohungen. Demnach sollen auf seine
Ermordung eine Million Zloty (rund 223.000 Euro) ausgesetzt sein.
Zudem hatten sich nach Przybyls Angaben unbekannte Täter an seinem
Auto zu schaffen gemacht und seinen Hund getötet.
Przybyl ermittelte auch zum Absturz der polnischen
Präsidentenmaschine nahe dem russischen Smolensk im April 2010. Es
ging um mögliche Lauschangriffe auf Journalisten, die sich um die
Aufklärung des Unglücks bemühten, bei dem der damalige Präsident Lech
Kaczynski und 95 weitere Fluggäste ums Leben kamen. (APA)