U-Ausschuss

Konstruktionsfehler

Kommentar | 31. Jänner 2012, 19:33

Beim Untersuchungsausschuss kommen Wahrheit und Grundrechte unter die Räder

Auch die zweite Absage wird nicht die letzte sein. Die Nationalratsabgeordneten werden sich daran gewöhnen müssen, dass die von ihnen vorgeladenen Auskunftspersonen im Korruptionsuntersuchungsausschuss nicht erscheinen. Die Ferngebliebenen nehmen dabei eine polizeiliche Vorführung ebenso in Kauf wie die Auferlegung eines Bußgelds samt medialer Begleitmusik.

So etwas tut ein Staatsbürger nicht leichtfertig. Verständlich ist die Verweigerung von Telekom-Regulator Georg Serentschy und der Sekretärin des früheren Verkehrsministers Hubert Gorbach allemal. Diese Personen stehen im Visier der Justiz, sie werden von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt. Selbst wenn es unwahrscheinlich sein sollte, dass sich der Vorwurf gegen sie je erhärtet: Eine Person, die in Verdacht steht, Geschenke angenommen oder Geld zu Amtsträgern geschleust zu haben, hat viel zu verlieren, aber nichts zu gewinnen mit einer Zeugenaussage unter Wahrheitspflicht in einem U-Ausschuss.

Ändern wird sich an diesem rechtsstaatlich wie demokratiepolitisch unbefriedigenden Umstand so schnell nichts. Denn der parallel zu Ermittlungsverfahren der Justiz abgehaltene U-Ausschuss hat einen Konstruktionsfehler. Die Justiz klärt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht voll darüber auf, wen sie als Beschuldigten führt. Die Mandatare bestrafen fürs Fernbleiben. Unter die Räder kommen so die Wahrheit - und die Grundrechte.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 01.02.2012)

Nutze den Tag
02
Sofort diese Inquisition abschaffen und die Sitzungsgelder einsparen. Es darf neben der Justiz keine zweite Justiz geben!

BarbaBianco
 
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Politische Schuldzuweisung

Wenn ich nach dem ersten Tag UA lese, dass ein Hr. Amon sich über die "auch heute noch übliche Arbeitsweise" in einem Rot-geführten Ministerium mokiert, frage ich mich, was macht der gute Mann dort?

Ist er nur als Verhinderungs- oder Ablenkungskommisar dort? Geht es nur um Verhinderung von Aufklärung? Könnte man diesen Leuten nicht ein zeitlich begrenztes Kommentierungsverbot auferlegen. Der Ausschuss erstellt nach Ende der Untersuchung ohnehin einen Bericht. Dann kann man darüber diskutieren.

Wenn solche Ausschüsse nur zum Spektakel ausufern, sollte man sie abstellen. Ansonst haben wir nur Vernebelungsaktionen - ohne Glaubwürdigkeitsaspekte. Das sollte den A-Mitgliedern eigentlich klar sein.

Snoopy47
02
Wen interessiert die Wahrheit im U-Ausschuss?

Es ist doch nur die Fortsetzung der gegenseitigen Beschuldigungen und Selbstdarstellung einiger Politiker.
Ist jemand von Justiz bereits Beschuldigter, wie die meisten der geladenen, kann er sowieso sich der Aussage entschlagen.
Würde es wirklich um die politische Verantwortung gehen müsste man die gerichtliche Verurteilung abwarten.

Herzerzog Johann
01
Dann interessiert es aber keinen mehr.

Da ist die Karawane schon längst weitergezogen.

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