Entrümpelungs-Potenzial im Wiener Politikbetrieb

Analyse | 31. Jänner 2012, 19:29

In Wien gäbe es Spielraum für die Politik, bei sich selbst zu sparen: Die Stadt leistet sich einen Bürgermeister und Stadträte ohne Ressort, überdurchschnittlich viele Abgeordnete und eine Armada von Bezirkspolitikern

Wien - Ein Auszug aus dem politischen Portfolio von Gabi Burgstaller, Landeshauptfrau von Salzburg: Arbeitsmarkt, Bildung, Wissenschaft, Frauen, Katastrophenschutz. Ein Auszug aus dem Aufgabenbereich von Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich: Straßenbau, Kultur, Dorferneuerung, Verwaltungsorganisation, Gemeindeförderung. Und zum Vergleich das gesamte Portfolio von Michael Häupl, Landeshauptmann von Wien: Vertretung der Stadt nach außen. Alle drei verdienen etwa 16.000 Euro brutto im Monat.

Nicht nur, wenn gerade übers Sparen diskutiert wird, machen Oppositionsparteien gerne darauf aufmerksam, dass Häupl das einzige Landesoberhaupt ist, das sich nicht um ein Ressort kümmert - übrigens wie alle seine Vorgänger. Wenn man im Rathaus nachfragt, wird das genau so begründet: Das sei immer so gewesen, und überhaupt sei es arbeitsintensiver, eine Stadt und ein Land (was Wien formal ist) zu regieren.

Das Argument, dass man sich mit einem ressortzuständigen Bürgermeister einen Stadtrat sparen könnte, zieht da anscheinend nicht; die nicht amtsführenden Stadträte wegzurationalisieren kann sich Häupl durchaus vorstellen. Logisch, denn die machtlosen Mitregierer stellt die Opposition.

Der Debatte um die Verkleinerung des Landtages werde sich Wien "nicht entziehen" können, räumte Häupl am Samstag im Journal zu Gast ein, auch wenn die Stadtverantwortlichen hier ebenfalls gern als Argument ins Treffen führen, es handle sich um Landtag und Gemeinderat quasi in Personalunion. Im Verhältnis Abgeordneter zu Bürger liegt Wien mit eins zu 17.000 im österreichweiten Mittelfeld. An der Spitze ist das Burgenland (eins zu 7900), Schlusslicht ist Niederösterreich mit eins zu 29.000.

1112 Bezirksräte

Was Häupl nie dazusagt, wenn er die Zahl der Rathauspolitiker verteidigt: Neben den 100 Landtags- und Gemeinderatsabgeordneten gibt es in Wien eine wahre Armada von Bezirkspolitikern. 1112 Bezirksräte werden in Wien gewählt - die in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch unsichtbar sind.

Der Ruf nach einer Verkleinerung der Bezirksparlamente ist nicht oft zu hören. Deren Größe variiert nach Einwohnerzahl zwischen 40 und 60 Mandataren. Der eine oder andere Bezirksgrüne schlägt von Zeit zu Zeit vor, die Zahl der Bezirksräte zu halbieren. Den Bezirken stünden so jedes Jahr drei Millionen Euro mehr zu Verfügung.

Schieflage bekommt das Verhältnis zwischen Wahlvolk und Volksvertretern, wenn man nachrechnet, wie viele Bürger ein Mandatar repräsentiert. In der Inneren Stadt, dem mit 17.500 Einwohnern kleinsten Bezirk, kommen auf jeden der 40 Bezirksräte 437 Bürger. In Donaustadt, mit 159.000 Menschen, liegt das Verhältnis bei eins zu 2648.

Die Bezirksräte bekommen jedenfalls ein nettes Körberlgeld: Rund 400 Euro brutto im Monat und das 14 Mal im Jahr, zusätzlich gibt es noch jeweils 44 Euro für Ausschusssitzungen oder Ortsverhandlungen, an denen sie als Vertreter des Bezirksvorstehers teilnehmen. In Summe macht allein das Fixum jährlich mehr als sechs Millionen Euro aus.

"Es ginge mit weniger"

Die meisten der 23 Bezirksvorsteher wollen jedenfalls keinen ihrer Mandatare missen. Schließlich - so das Argument - gebe es in jedem Bezirk bis zu 3000 Kommissionierungen jährlich, die man nicht alle persönlich wahrnehmen könne. Also sei jeder Sitz im Bezirksparlament unverzichtbar. Immerhin hätte City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel diesbezüglich ein Einsehen und meint: "Es ginge sicher mit weniger Bezirksräten." (Bettina Fernsebner-Kokert, Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 1.02.2012)

Kommentar posten
23 Postings
Mostbluzza
01
22.2.2012, 11:44
vetternwirtschaft a la griechenland

sonst ist dazu nix zu sagen.


die partei ist alles, sie weiss alles.
und ohne partei sind alle nix.

prost.

Der Chronist
01
22.2.2012, 17:00

Naja, der alte Pröll verzockt mal locker 800 Millionen und hat das Land nicht halb so gut im Schuss wie Häupl, der sich nicht am Geld der Bevölkerung vergreift und eine vorbildliche Stadtverwaltung zustandebringt.

Walter J. Ferstl
00
13.2.2012, 19:50
Zwei Millionen Inseratenbudget für Ressort Oxonitsch

Zwei Millionen Euro für Werbung
13. Februar 2012 18:38
Extrabudget für Kampagnen der Oxonitsch-Gruppe

http://derstandard.at/1328507665016/

Walter Bimini
00
nach dem staatsbankrott und der pleite der länder, gemeinden und städte wird die diskussion noch viel hitziger geführt werden.

living reef
12
bezirksräte sind nicht das finanzielle sparpotenzial

die bekommen ohnedies gerade einmal einen monatlichen betrag unter der geringfügigkeitsgrenze als aufwandsentschädigung. fett abheben tun die bezirkskaiser...die haben - um sich wählerInnengunst zu sichern auch noch eine nette kleine "privatschatulle" für geldzuwendungen diverser art...

Österreichische Verbrecher Partei!
12
Wir müssen in Österreich 50.000 Politiker mitschleppen, das ist sinnlose Geldverschwendung!!!

Auch wenn Wien da relativ gut dasteht, stellt sich die Frage:

Brauchen wir wirklich diese Politiker Dichte?

Wir müssen mit Steuergeld

667 TOP Politiker mit 4000 – 8000 Euro/ mtl.
das ist EINER je 10.000 EINWOHNER!!!

2357 Bürgermeister, + 4714 Vizebürgermeister

41.500 Gemeinderäte (!!!)
in Summe: EIN POLITIKER je 200 Einwohner DAS IST EUROPAREKORD

So lange alle Politiker exakt mit ihrem Klubobmann abstimmen, kann man diese sinnlose Geldverschwendung radikal einsparen!!

Für unsere Form der Demokratie reichen die Klubobleute aller Parteien auf einem runden Tisch
UND 23 Bezirksverwaltungsämter im Internet Zeitalter ist sowieso absolut verrückt. Wien sollte in der Stmk. Nachhilfe nehmen!

living reef
00
und wenn die sateliten ausfallen

schafft sich die verwaltung und die politik ab - gelle???

Fisch Suppe
00
Ein Vergleich mit München

Die Stadt München "leistet sich" nicht nur einen, sondern gleich drei Bürgermeister! Zur Zeit sind das Christian Ude (SPD), Christine Strobl (SPD) und Hep Monatzeder (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) - siehe dazu die Homepage der Stadt München:

http://www.muenchen.de/rathaus/S... pitze.html

Und der Aufgabenbereich eines Oberbürgermeisters in Bayern, wie schaut's da aus? Zitat aus wikipedia: "Der Erste Bürgermeister vertritt die Gemeinde nach außen,..."

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3... r#Aufgaben (unter Punkt "2.3.2 Bayern")

"Und zum Vergleich das gesamte Portfolio von Michael Häupl, Landeshauptmann von Wien: Vertretung der Stadt nach außen."

Österreichische Verbrecher Partei!
03
Die Münchner Stadtverwaltung gliedert sich in 11 Fachreferate und das Direktorium Die Wiener Verwaltung gliedert sich in 70 (!) Magistrate

also genug Einsparungspotential

/. nerd
 
15
Wieviele Politiker hat Niederösterreich?

Das gleich große Wien hat 1112 Bezirksräte + 100 Gemeinderäte und Landtagsabgeordnete + 23 Bezirksvorsteher + 46 Bezirksvorsteher-Stv. (großteils Bezirksräte) + 4 nichtamtsführende Stadträte + 8 amtsführende Stadträte + Bürgermeister und Landeshauptmann = 1294 Politiker auf Landes- und Gemeindeebene.

Für Niederösterreich schätze ich das Vier- bis Fünffache.

Section Control
20
Flächenmäßig ist Wien aber nicht gleich groß wie Niederösterreich

Bertel Mann
01
Und ausserdem ist der Name" Niederösterreich" viel länger als "Wien"

spica
08
Für alle oberschlauen Journalisten

die genau wissen, dass man vor allem an der Demokratie, an der Bodenhaftung der Politik beim Bürger, wie z.B. mit Bezirksräten und überhaupt bei den unnötigen Politikern sparen soll ein Vorschlag:
Fordert doch endlich die Einstellung der Presseförderung mit 10 Millionen € jährlich und arbeitet nicht subventioniert für eine Leistung, die auf der ganzen freien Welt wirtschaftlich erbracht werden muss.

Cocooning
00
16.2.2012, 15:05

sparen beim einen schließt das sparen beim anderen nicht aus.

nicht "entweder oder" sondern "sowohl als auch" ist die lösung!

verleih nix
02
für eine "analyse" ist das aber ziemlich lückenhaft

würden sie tiefer analysieren hätten sie den volumensunterschied zwischen landes- und gemeindeebene erkannt, herausgefunden dass bezirksräte grade mal eine sitzungsentschädigung bekommen, die nutzlosigkeit der amtsführenden stadträte thematisiert, die übergröße des gemeinderats prominenter herausgestrichen und vieles mehr.

so bleibt es eben einfaches häupl-bashing. immerhin auch kein fehler.

/. nerd
 
06
"Übergröße" des Wiener Gemeinderats

Gemeinderat Graz: 56 Abgeordnete
Gemeinderat Linz: 61 Abgeordnete
Gemeinderat Salzburg: 40 Abgeordnete

Wien ist rund sechsmal größer als Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs.

Für einen Landtag mag das Wiener Gremium groß sein, nicht aber als Gemeinderat einer Großstadt, da ist es ziemlich am Minimum des Möglichen angesiedelt.

Ein noch kleinerer Gemeinderat hätte keine Chance mehr, die Verwaltung zu kontrollieren, die würden Tag und Nacht in etlichen Ausschüssen sitzen.

bingoX
13
31.1.2012, 22:58
warum nicht gleich einen schritt weiter gehen

braucht wien wirklich 23 bezirke? gerade aus den vielen kleinen bezirken innerhalb des gürtels könnte man 2-3 große machen.

zum vergleich, favoriten hat 180.000 einwohner.

living reef
00
floridsdorf und donaustadt

haben mehr einwohner als das ganze burgenland. zieht man dann noch alle in wien arbeitenden burgenländer ab, könnte man auch burgenland nach wien eingemeinden ;-)

/. nerd
 
00
Jeder der Wiener Bezirke wäre unter den 20 größten Städten Österreichs

(mit Ausnahme der Inneren Stadt, die käme erst auf Platz 26).

Schaffen wir also Traun, Amstetten, Kapfenberg, Lustenau, Mödling, Hallein, Kufstein, Traiskirchen, Schwechat und Co auch ab?

Fisch Suppe
46
31.1.2012, 22:12
"Es ginge mit weniger" ???

Weniger Abgeordnete,
weniger Wahlen,
Landtags- und NR-Wahlen an einem Tag abhalten,
unser Verhältniswahlsystem abschaffen,
den Bundespräsidenten (und damit die Bundespräsidentschaftswahlen) abschaffen,
und und und...

...alles Vorschläge, die uns irgendwie demokratiepolitisch in vergangene dunkle Zeiten zurückführen.

Wie wär's, gleich die Demokratie abzuschaffen?

Vielleicht darf ich in Erinnerung rufen, dass im Zweiten Weltkrieg amerikanische Soldaten ihr Leben gelassen haben, dass Blut geflossen ist, um die Nazidiktatur in Europa niederzuringen und in D und auch in Ö der Demokratie den Weg zu ebnen. Mit der Demokratie spielt man nicht.

Fisch Suppe
34
31.1.2012, 21:56
"Bezirksräte", "die in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch unsichtbar sind"

Also das stimmt überhaupt nicht. Wenn Bürgerinitiativen und dergleichen gestartet werden, dann sind das die ersten Ansprechpartner. Auch jetzt bei der geplanten Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung spielen die Bezirksräte eine wichtige und sichtbare Rolle.

living reef
02
und im bezirksparlament geht es heiß her

wenn es um die frage geht ob das parkbankerl jetzt links oder rechts vom weg stehen soll...

Schwedenbombe
 
31
31.1.2012, 20:56
E kloa die weana...

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