"Zufälle sind nicht immer rein zufällig"

31. Jänner 2012, 19:13
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Karin Krichmayr hörte sich unter Forscherinnen und Forschern um, was der Zufall für sie bedeutet und wie er ihnen ins Netz gegangen ist

Der Zufall lauert an jeder Ecke: auf der Straße, im Wald ebenso wie in Archiven und Bibliotheken. Ihn zu erhaschen braucht Zeit, Muße und den Mut zum Irrtum. Dann kann er zu unerwarteten Entdeckungen führen. Karin Krichmayr hörte sich unter Forscherinnen und Forschern um, was der Zufall für sie bedeutet und wie er ihnen ins Netz gegangen ist.

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Silvia Miksch, Informatikerin (TU Wien) 

Ich habe nach meinem Doktorat zufällig einen ehemaligen Professor auf der Straße getroffen, und er hat mir eine Stelle für acht Monate angeboten. Ich habe sie angenommen, obwohl ich schon ein Jobangebot in der Wirtschaft hatte. Seitdem bin ich in der Forschung tätig.

Ich denke, Zufall spielt auch eine Rolle dabei, ob ein Paper akzeptiert wird oder nicht. Bei prestigeträchtigen Konferenzen liegt die Akzeptanzrate bei zehn bis 20 Prozent, und die Gutachter haben immer mehr zu tun. Das Gleiche gilt auch für Projektanträge und Bewerbungen für Professuren. Es ist auch relativ zufällig, mit welchen Menschen man in Kontakt kommt, wer offen ist für die eigenen Themen. Auf einer riesigen Konferenz habe ich zufällig Ben Shneiderman, einen Guru in Human-Computer-Interaction, kennengelernt, nur weil ich mich umgedreht habe und er hinter mir gegangen ist. So bin ich mit ihm ins Gespräch gekommen, und wir sind in Kontakt geblieben. Das hat auch Spuren in meiner Arbeit hinterlassen. Auch die kleinen Zufälle können viel ausmachen.

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