Strache und die "Pogrome" beim WKR-Ball-Protest

1. Februar 2012, 07:34
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    foto: ap/punz

    Wien, vergangenen Freitag: Demonstranten hindern einen Bus mit Burschenschaftern an der Zufahrt zum WKR-Ball. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bezeichnet sie nach wie vor als Angreifer.

Vizekanzler Spindelegger fordert von FPÖ-Chef eine Entschuldigung für dessen Judenvergleiche, schließt eine Koalition mit der FPÖ aber weiterhin nicht aus - Einen Orden wird Strache vorerst nicht bekommen

Wien - Heinz-Christian Strache wird vorläufig keinen Orden verliehen bekommen: Bundespräsident Heinz Fischer wird den entsprechenden Antrag des Ministerrats nicht unterschreiben, richtete seine Kanzlei am Dienstag aus. Der Bundespräsident hat per Verfassung das Recht, eine Ordensvergabe zu verweigern - auch wenn die Regierung bereits dafür gestimmt hat.

Der Grund für die Ablehnung: Strache hatte auf dem WKR-Ball im Gespräch mit einem Standard- Journalisten Angriffe gegen Burschenschafter mit der sogenannten Reichskristallnacht verglichen und die FPÖ als "die neuen Juden" bezeichnet - ohne zu wissen, mit wem er sprach.

Strache habe einen "Sager" vom Stapel gelassen, "für den er sich nur entschuldigen kann", kommentierte Außenminister und ÖVP-Chef Michael Spindelegger (ÖVP) die Äußerungen des FPÖ-Chefs. Er sei "innerlich empört". Wer Unvergleichliches zu vergleichen versuche, "muss wissen, dass er sich außerhalb jeder Möglichkeit befindet zusammenzuarbeiten".

Keine Koalitionsaussage

Ein Ausschlussgrund für eine künftige schwarz-blaue Koalition also? So wollte Spindelegger sich dann doch nicht interpretiert wissen: Die ÖVP befinde sich in einer aufrechten Koalition - "wie es nach dem nächsten Wahltag aussieht, weiß keiner von uns. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen über die Zukunft."

Strache selbst erklärte Dienstagabend in der ZiB2, der Standard-Redakteur habe "ein Privatgespräch belauscht" und Zitate "völlig verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen". Das Wort "Reichskristallnacht" sei in "einem völlig anderen Zusammengang" gefallen. Weiters sei der Satz "wir sind die neuen Juden" ein "Zitat von Jörg Haider, das wir dort diskutiert haben".

Diese Darstellung entspricht allerdings nicht den Tatsachen: Im persönlichen Gespräch Straches mit dem Autor fiel an diesem Abend in der Hofburg nie der Name Haider, es war auch zu keiner Zeit von einem Haider-Zitat die Rede. Dies kann eine Zeugin bestätigten, die von Anfang an an diesem Gespräch teilnahm; erst später kamen noch weitere Personen dazu. Strache hat von sich aus, ohne vom Autor darauf angesprochen worden zu sein, von Angriffen auf Burschenschaftsbuden gesprochen und diese mit der "Reichskristallnacht" verglichen, sowie den Satz formuliert, "wir sind die neuen Juden". Der Autor kann und würde dies auch vor Gericht unter Eid bezeugen. Zu diesem Gespräch gibt es ein Gedächtnisprotokoll, das noch in derselben Nacht angefertigt wurde.

"In Geschichtsbüchern"

In der ZiB2 erklärte Strache, von Armin Wolf auf mehrmalige Entgleisungen von FPÖ-Mandataren angesprochen: "Meine Partei hat mit Antisemitismus nichts zu tun. Ich habe doch Schlussstriche gezogen". Strache auf die Frage, warum er selbst immer wieder den Begriff "Reichskristallnacht" verwende, der von Opfern als verharmlosende Verhöhnung empfunden wird: "Das ist das, was uns immer wieder in den Geschichtsbüchern mitgeteilt wurde." Er habe dieses Wort "als einen entsetzlichen Begriff immer gehört und verurteilt".

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hatte die Aussagen am Montag in einer ersten Reaktion indirekt bestätigt - Strache habe es allerdings anders "gemeint", hatte er geschrieben.

FPÖ-Abgeordneter Harald Stefan wiederum sagte während einer Diskussionssendung im Fernsehsender Puls 4, Strache werde zu der Affäre am Mittwoch persönlich Stellung nehmen. Am Dienstag kündigte sich an, dass der FPÖ-Chef mit den einschlägigen Vergleichen fortzufahren gedenkt. Von einem seiner Facebook-Accounts wurde kurzfristig auf ein Video von den Anti-WKR-Ball-Protesten verlinkt. Titel: "Pogrom-Stimmung bei NOWKR-Demonstration".

Der aktuelle Vergleich mit dem Nationalsozialismus war nicht Straches erster: Als 2007 Fotos auftauchten, die ihn gemeinsam mit Rechtsradikalen beim Paintball spielen zeigten, verglich er die Berichterstattung in Österreichs Medien mit dem Stil des "Stürmers", der antisemitischen Propagandazeitung der Nazis.

"Die Täter-Opfer-Umkehr ist ein strukturierendes Element des Antisemitismus", sagt Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Schon im 19. Jahrhundert seien antijüdische Ressentiments damit verteidigt worden, dass man sich gegen Juden wehren müsse. "Diese Leute müssen den Hass, den sie auf Juden fühlen, auf irgendeine Art rechtfertigen", sagt Peham.

Die Übernahme der Opferrolle gehe dabei mit der "antisemitischen Vorstellung Hand in Hand, dass Juden so unglaublich mächtig seien, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe", ergänzt die Sprachwissenschafterin und Antisemitismusforscherin Ruth Wodak. Als - laut Strache - "neue Juden" fühlten sich Antisemiten daher einerseits bedroht, andererseits aber auch mächtig; die Vermengung der beiden Stereotype ergibt jedenfalls einen Widerspruch.

Und zwar vor dem Hintergrund einer "zunehmenden Enthistorisierung des Nationalsozialismus", der laut Wodak "äußerst gefährlich" ist: "Holocaustvergleiche werden immer beliebiger, wie man im vorliegenden Fall sieht."

So sei vor wenigen Jahren die Intensivhaltung von Schweinen, Hühnern und anderen Nutztieren den Leiden von Menschen in Konzentrationslagern gleichgesetzt worden, erinnert sie an eine Kampagne der US-Tierschutzorganisation Peta. Das sei "völlig inakzeptabel - doch im Smoking auf einem Ball stehen, am Champagner nippen und Demonstrationen gegen dieses Ereignis mit der Reichskristallnacht vergleichen ist absurd, euphemistisch, und zudem einfach falsch".

Gegen ein solches "Relativieren der Schrecklichkeiten der Judenverfolgung" müsse die Unhaltbarkeit von derlei Vergleichen immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Im vorliegenden Fall zeigten Straches Judenvergleiche deutlich, welche Ansichten in der FPÖ kursierten: "Jeder Demokrat muss sich von Derartigem distanzieren." (Irene Brickner, Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)

Kommentar posten
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Braunes Österreich Du bist in Gefahr!
01
Wann wird man endlich aufhören über diese Leute zu schreiben?

Das ist doch die beste Werbung!

annea
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Ich hab mir das ZIB-Interview angeschaut. Strache hat ein grobes Deutsch-Defizit: er kann mit dem Begriff "Vergleich" absolut nichts anfangen. Furchtbarer Mensch, Hut ab vor Wolf, ich hätte dem Menschen längst das Mikro abgedreht.

Der Kluge
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Wo war die Empörung des Standard als etwa Gusenbauer 2004 im Parlament (nicht im privaten Gespräch um 3h in der Früh!!!) "absolute Progromstimmung" beklagte?

FalscherProphet
00
10.2.2012, 22:07
Es heißt "Pogrom", Sie FPÖ-Kluger.

Und Sie verdrehen die Sachen doch genauso wie Ihr Parteiführer Strache:

Gusenbauer sprach doch nicht von einer "Novemberpogromstimmung",
sondern einfach nur von "Pogromstimmung".

Letzgenanntes ist EBEN NICHT historisch eindeutig konnotiert.

erlich
03
... zur info ...

... ich war bei der heldenplatzkundgebung (einer von ca. 10.000, aber an sehr exponierter stelle) bis zum stromausfall - und konnte beobachten wie ballbesucher (damen und herren) völlig unbehelligt richtung absperrung (cordon sanitaire) bei der nationalbibliothek gelangen konnten!

Markus Alexander
33
Ich mag Strache absolut nicht....

...und gleich vorweg: ich bin Jude. Trotzdem ist das eine typische Vorgangsweise der völlig unfähigen Regierungsparteien und deren Sympathisanten. Man stell ihn in ein rechtes Eck, in dem er nicht steht, weil man weiß, dass seine partei vermutlich gute Chancen hat, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Nicht, dass seine Partei irgendetwas besser könnte aber in den letzten Jahren haben eben die anderen versagt und das auf voller Linie. Man schaue sich doch bitte die Anwesenden nach einem ministerrat an. Auf der einen Seite zwei hilflos dümmlich grinsende Regierungschefs und auf der anderen Seite ein paar schmuddelige Schmieranskis, die als Freelancer irgendwelche reißerischen Schlagzeilen für miese Blätter liefern....

jo scho
 
05
Darum gehts doch gar nicht

ob Strache persönlich Antisemit ist. Im rechten Eck stehen er und seine Partei sowieso, aber auch das wäre noch nicht das Problem. Dieses ist, dass der Herr Strache sich populistischer Mittel bedient um Stimmen zu gewinnen sich durch seine Dummheit dann aber regelmäßig die Partie wieder versaut, ganz so, wie sein Lehrmeister Jörg es getan hat. Eigentlich wollte er es ja besser machen.
Und wenn Sie schon die Regierung kritisieren. Was dabei herauskommt, wenn man solche Typen ranlässt, bekommen wir ja auch täglich zu hören: Haiders Erbe, KHG, Gorbach etc. Wollen Sie diesen Aufguss noch einmal haben? Ich nicht.

Otto Kegele
 
13
Ein klassisches Eigentor – Kompliment Herr Strache

Wenn es bisher noch nicht ganz klar war, aber spätestens seit ihrem Auftritt in der ZIB2 am Di Abend ist es offenkundig; sie sind wirklich der dü**ste Politiker den Österreich zur Zeit zu bieten hat.

Für eine Intelligenzbestie habe ich sie nie gehalten, aber für so DU** auch wieder nicht.

Sich mit den Medien anlegen, sich bei einer Verteidigung solch infamer Lügen zu bedienen,
sich wie ein Lausbua aus der Affäre ziehen wollen und nicht die Spur einer Entschuldigung für solch skandalöse Äußerungen zu finden.

Ein echter Staatsmann, ein Bundeskanzler,
- oder soll ich besser Reichskanzler sagen -
von Weltformat geht uns da verloren. SCHADE ;-)

Ein großes Kompliment bei dieser Gelegenheit an Herrn Wolf von der ZIB2, einfach souverän.

mirko burijan.
00
waren das zeiten, als andreas khol noch am verfassungsbogen bastelte ...

Vigoleis
03
"Meine Partei hat mit Antisemitismus nichts zu tun. Ich habe doch Schlussstriche gezogen"

Hätte die FPÖ nichts mit Antisemitismus zu tun, bräuchte Strache auch keine "Schlussstriche" zu ziehen. Der Plural spricht für sich, warum hat er vor 10 Jahren nicht einfach EINEN Schlussstrich gezogen?
Er wird wohl noch viele dieser "Schlussstriche" ziehen, die tatsächlich als Bindestriche fungieren.

atomkraft neindanke
11
die Demo war friedlich und ich war dort!

nicht nur, dass dieser Hc so dumm ist, dass auf dem Ball zu einem Fremden zu sagen, wahrscheinlich dachte er da dürfen eh nur überprüfte Rechtsradikale rein, nein er wiederholt seinen Verlgeich einfach im ZIB2, wie wird sich heute zb ein Betroffener fühlen, der seine Eltern auf allen viern die Straße hat schruppen sehen, begafft von der Masse, bespuckt von Passanten, gedemütigt vom Nachbarn und mit dem Gewehrkolben der Uniformierten am Kopf! Er vergleicht seine verlachten ideologiekranken Bubis mit Unschuldigen, die um ihr Leben bangen mussten und von denen viele ihr Leben verloren haben.
Wir Demonstranten sind aber keine illegale Mörderbande, die Unschuldige attackieren, wir sagen nur nein zu Menschen, die diese Zeit verherrlichen!

Vintageologist
 
10
Extrem friedlich...

Und was ist mit den vermummten linken Spuckern, Pöblern und Werfern? Waren die auch friedlich?

Euch linken Unterschichtlern geht es doch nur darum, die durch eure berechtigten Minderwertigkeitskomplexe aufgebauten Aggressionen in irgendeine Richtung rauszulassen und der "Kampf gegen den (fiktiven) Faschismus" ist nur eine billige Pseudorechtfertigung. Das spielt es aber nicht mehr lange. Dem steuerzahlenden Durchschnittsbürger geht ihr schon längst richtig auf die Nerven, weil ihr so unnötig und links seid und eure demokratiefeindlichen Eskapaden werden euch schon noch zum Verhängnis werden. Ich werde applaudieren, wenn die ersten linken Terroristen in Notwehr auf der Straße erschossen werden. Es wird keine sozialistische Diktatur geben.

maus 14
10

lassens die mehrheit in ruh
vor allem outen sie sich einmal vor 25% der bevölkerung-die müssen sie auch einmal richtig kennenlernen
wie war das jetzt scharf gesprochene(wurscht,ob unter vier oder ca. 17mio augen)-3000 scoville oder 1,6mio?

Calimero22
24

kann man eigentlich eine ganze partei besachwalten lassen?

atomkraft neindanke
06
der Glaube in einen starken Mann, die Stilisierung zum Opfer tröstet die Verlierer in unsere Gesellschaft!

es sind die dummen Schafe, die den Wolf im Schafspelz nicht erkennen, sie sind die sog. Moderniesierungsverlierer, kriegen mit, dass jeder indische Asylwerber besser gebildet und ausgebildet ist als sie, das macht großen Druck, es entsteht der subjektive Eindruck, dass ein Fremder einem vorgezogen wird, dass es ein Fremder leichter hätte, weil nicht durchschaut wird, dass sich Firmen die besten holen, ganz egal woher sie sind, gut und billig sollen sie sein, MirgrantInnen sind auch oft besser motiviert, ich sehe eine möglich Ursache für die Verdummung in unserer schlechten Schulausbildung und im Mangel einer demokratischer Gesprächskultur, es dreht sich fast alles nur um Konsum und Fun!

Vintageologist
 
00
Ich finde es lustig, wenn Linke...

... über gesellschaftliche Verlierer reden, wo sie doch selbst immer nach noch mehr Sozialsystem schreien, weil sie selbst nichts auf die Reihe bekommen. :D

Ersatzlose Streichung des Sozialsystems JETZT! Dann ist endlich Schluss mit linkem Gebrabbel! Haha...

Solemnly Soliloquising Somnambulist
10
besachwalteRn heißt das

benBRO6m2
14
armin wolf ist mein held!

(nicht)stiller beobachter
24

warum blamiert er uns schon wieder?!

er soll endlich zurücktreten! 10 Jahre sind genug!

Weh mir
21
was gesagt wurde oder nicht wissen wir nicht

wenn es aber wahr bzw. zutreffend wäre - droht dann laut HCS allen FPÖlern und -sympathisanten bzw. -wählern im Endeffekt eine Sonderbehandlung bzw. Endlösung?

the bugger_off
06
lassen sie sich doch nicht verarschen,

schauen sie sich doch das zib interview mit herrn strache an...

da wiederholt er seinen vergleich gleich zwei mal (sic!).

das ist eine ungeheuerlichkeit! g l a u b e n sie ernsthaft man kann die demo mitsammt allen ausschreitungen in irgend einer weise mit dem vergleichen was bei den progromen passiert ist??? jüdische bürgerinnen in ball montur und nazis wurden von polizisten getrennt?!? ein "brandanschlag" (der bestenfalls als sachbeschädigung durchgeht) ist vergleichbar mit 100en brennenden geschäften, häusern und synagogen?

Jukebox
95

Seit wann ist das Wort "Reichskristallnacht" politisch nicht mehr korrekt?

atomkraft neindanke
00

ja, die, die auf der Uni sind, wissen das auch, das heißt alle Burschenschaftler und alle anderen anständigen und normalen Studierenden haben das so in der Schule gelernt, mündige Bürger_innen haben das auch mitbekommen, auch wenn sie schon ältere Semester sind.

gute GeschichtslehrerInnen haben das schon vor 30 Jahren klar gesagt:Reichskritstallnacht = Eigenbezeichnung der Nazis, die das ja verursacht und gefeiert haben!

Calimero22
02

http://de.wikipedia.org/wiki/Nove... eichnungen

wußte ich bis dato auch nicht, die erklärungen sind aber mehr als nachvollziehbar

Der Waehlerwille
 
06
Das blöd stellen fällt deutschnationalen immer ganz besonders leicht ..

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