Wulff verschwieg weitere geschäftliche Beziehung
Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hatte zum Unternehmer Egon
Geerkens doch eine engere Beziehung als bisher bekannt. Der Unternehmer,
der Wulff gemeinsam mit Ehefrau Edith Geerkens einen günstigen 500.
000-Euro Kredit für's Eigenheim verschaffte, war jahrelang Mandant in
jener Anwaltskanzlei, in der auch Wulff als Anwalt tätig war, bevor er
2008 Ministerpräsident von Niedersachsen wurde.
Wulffs Anwälte betonen, Wulff sei 1994 aus der Kanzlei ausgeschieden.
Allerdings erhielt er zu diesem Zeitpunkt den Status eines freien
Mitarbeiters, um nach einem eventuellen Ende seiner politischen Karriere
wieder in die Kanzlei zurückkehren zu können.
Erst 2011 wurde Wulffs Vertrag als freier Mitarbeiter aufgelöst und sein
Name aus dem Briefkopf entfernt. 2010, als Wulff im dritten Anlauf zum
deutschen Bundespräsidenten gewählt wurde, gratulierte die Kanzlei noch
"unserem Kollegen" zum Karrieresprung. Geerkens war 2004 noch Mandant
der Kanzlei, bis 2007 auch Vermieter für selbige.
Bei seiner Befragung im Landtag Anfang 2010 hatte Wulff (noch als
Ministerpräsident von Niedersachsen) erklärt, er habe in den vergangenen
zehn Jahren überhaupt keine geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens
gehabt.
Stinksauer ist die Opposition. "Es wird immer offensichtlicher, dass
Wulff nicht nur die halbe Wahrheit gesagt hat, sondern den Landtag nach
Strich und Faden hinters Licht geführt hat", sagt der
Fraktionsvorsitzende der Grünen in Niedersachsen, Stefan Wenzel, und
erklärt auch: "Jeder Beamte, der solche Geschäftsbeziehungen
verschweigt, muss mit dem Verlust seines Arbeitsverhältnisses rechnen."
Urlaub in günstiger Pension
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezichtigte Wulff indirekt der Lüge
und nennt ihn "Pinocchio". Die Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft
kritisiert der renommierte Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim: "Das
ist sehr merkwürdig. Beim Bundespräsidenten liegt nach allem, was man
weiß, mindestens der Anfangsverdacht einer strafbaren Vorteilsannahme
vor."
Wulff macht mit seiner Frau Bettina zur Zeit Urlaub in Thüringen.
Diesmal wohnt er nicht bei reichen Freunden, sondern in der "Pension
Arnika", wo die Übernachtung 35 bis 47 Euro kostet. (DER STANDARD Printausgabe, 1.2.2012)