Umverteilung II: Vermögen

Kolumne | Hans Rauscher, 31. Jänner 2012, 18:20

Wem gehört das österreichische Vermögen eigentlich?

Im Rahmen der Debatte um das Spar-(eher: Belastungs-)Paket donnerte ÖGB-Präsident Erich Foglar vor kurzem: "Zehn Prozent besitzen zwei Drittel der Vermögen in Österreich!"

Eine Behauptung, die derzeit bei vielen zieht, aber so nicht stimmt. Wie steht es wirklich mit den Daten? "Sie sind schlecht", sagt der Projektleiter einer Studie der Nationalbank, Martin Schürz. Es gibt zwei Studien von Mitarbeitern der Österreichischen Nationalbank (OeNB), eine aus 2004 über die Geldvermögen und eine aus 2008 über die Immobilienvermögen der privaten Haushalte. Auf diese beiden Studien stützt sich die gesamte Debatte, stützen sich vor allem jene, die die Ungleichheit kritisieren und Vermögenssteuern fordern.

Demnach gab es 2009 rund 473 Milliarden privates Geldvermögen (Sparbücher, Wertpapiere, Lebensversicherungen, und Unternehmensbeteiligungen). Davon besitzen die obersten zehn Prozent der Haushalte rund 54 Prozent.

Dazu muss man aber einige relativierende Umstände kennen. "Geldvermögen" sind laut Studie Guthaben, Lebensversicherungen, Wertpapiere - und Unternehmensbeteiligungen. Diese, immerhin 41 Milliarden, sind wohl nicht wirklich als "liquide Mittel" anzusehen. Laut Studien-Mitautor Peter Mooslechner, überlegt man noch, wie man in der nächsten Auflage der Studie damit verfährt. Derzeit sind sie aber drinnen und erhöhen statistisch den Grad der Ungleichheit, denn Firmenbesitzer sind wenige, aber "reich".

Umgekehrt sagen Kritiker der Studie, dass man fairerweise auch die sogenannten Pensionsanwartschaften als Vermögen behandeln müsse. Ein Durchschnittsverdiener bekommt derzeit in der Pension im Schnitt 8,2 Jahreseinkommen ausbezahlt. Rechnet man das in die Vermögensverteilung ein, ist die Ungleichheit sofort beträchtlich reduziert.

Wissen muss man auch, dass es zwar gesicherte Daten über die Gesamthöhe des Vermögens gibt, aber nicht über die Verteilung. Alle Aussagen der beiden Studien (Geldvermögen, Immobilien) zur Verteilung beziehen sich auf Umfragen. Die Aussage "Die top zehn Prozent besitzen 61 Prozent des privaten Immobilienvermögens von insgesamt 880 Milliarden" stützt sich ausschließlich auf Umfragen; während die Aussage, dass die Einkommen in Österreich sehr gleich verteilt sind (siehe Kolumne vom 28. 1.), zur Hälfte auf Steuerdaten und nur zur Hälfte auf Umfragen beruht.

Der Experte der Industriellenvereinigung, Clemens Wallner, Autor einer Studie über "Wohlstand, Armut und Umverteilung", zweifelt die Ergebnisse trotzdem nicht grundsätzlich an. Aber er - und nicht nur er - fragt sich, "ob das etwas aussagt". Es sei normal, wenn Vermögen sich eher in den Händen jener findet, die besser verdienen und mehr sparen. Immerhin sind auch 52 Prozent des privaten Immobilienvermögens eigengenutzte Hauptwohnsitze. Außerdem, so Wallner: "Will ich wirklich, dass der Staat da künstlich eingreift?"

OeNB-Studienleiter Schürz will das schon: Bei einer Diskussion im November 2009 erklärte er, die Erbschaftssteuer solle bei 100 Prozent liegen, man solle alle Erbschaften verstaatlichen.

Quellen: Andreasch, Mooslechner, Schürz: "Einige Aspekte der Vermögensverteilung in Österreich" (www.bmask.gv.at). Wallner: "Wohlstand, Armut und Umverteilung - 3.Auflage"(www.iv-net.at). (DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)

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Peter Beta
00

Ach du liebe Zwetschkenrepublik!

Vermögenssteuern sind "böse", da die Erfassung von Vermögen(Zuwächsen) das Ausmass das vorangehenden Einkommensteuer-Hinterziehung klar machen würde.

Deshalb nur Umfragen und Vermutungen zum Thema. Gesellschaftlicher Konsens quasi.

Inzwischen spaltet sich die Gesellschaft immer mehr, bröckelt die eh schon kleine österreichische Mittelschicht/Bürgertum, welche sich verkonsumiert hat und wegen der Verschuldung die Souveränität & Freiheit verloren hat.

Die Politik ist das Kind dieser Gesellschaft.
Unfrei.

Zwetschkenrepublik.

T.Nasr
01
2.Teil

Die zweite Argumentationslinie Rauschers ist, dass eine Vermögensverteilung nichts aussagt. Und das ist völlig absurd. Es wird oft auf Nordkorea verwiesen und das ist ein Land, wenn man Eigentumsrechte auch an der Verfügbarkeit von Vermögen festmacht, indem nur einer oder wenige alles besitzen! Im Vergleich dazu ist die Verteilung in Österreich gerechter. Vermutlich lebt herr Rauscher lieber in Österreich , wo die vermögensverteilung gerechter ist als in Nordkorea. Es macht also einen großen Unterschied, wie Vermögen verteilt ist. Österreich würde, wie auch die OECD meint, besser fahren, wenn Vermögen höher besteuert würde. Natürlich sieht das die IV, Rauscher und auch Grasser anders, die Vermögen mit Sparen und Leistung begründen.

T.Nasr
01
Im wesentlichen

argumentiert Herr Rauscher in zwei Richtungen.
Erstens zweifelt er die Studie der OeNB an und verweist auf Kritiker aus der Industriellenvereinigung. Es ist schon spannend, dass es jemand versucht, eine Studie der EZB unter Berufung einer Interessensvertretung wie der IV, die am wenigsten Interesse an einer ungerecht scheinenden Verteilung in österreich hat. Herr Rauscher spricht aber zu Recht an, dass die Studie der OeNB auf Umfragen beruht. Das würde meines ERachtens dafür sprechen, dass die reale Vermögensverteilung noch ungerechter ist. Wer gibt schon gerne sein Vermögen an?! Das zeigt sich ja jetzt auch bei einem anderen früheren Freund der IV bei KH Grasser, der alles tut, dass Vermögen auf Konten nicht ihm zugerechnet wird.

Pierre d´Aubusson
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Schön, daß rau mir 8,2 Jahre Pension als Barvermögen anrechnen will und mich sohin zu den "Reichen" zählen möchte.
Da meine Pension aber aus einem Umlageverfahren stammt, gibts irgendwo jemanden, den er für genau die selben 8,2 Jahre bitte arm rechnen möchte...

Außerdem möchte ich rau darauf hinweisen, daß wir seiner selbstgewählten Definition folgend hier keineswegs von Vermögen sprechen können, da er die Pensionen ja schon unter "Umverteilung I: Einkommen", also bei den Erträgen abgehandelt hat, wo sie auch hingehören.

Vorschlag für "Umverteilung III": "Die Macht, sich in Gremialbeschlüssen sein Einkommen selbst festzusetzen"
Unterabtheilung a) als Unternehmer
......................b) auch ohne Eigenthum am Produktionsmittel

Daniel Eckert
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Von Rauscher ökonomischen Sachverstand

zu erwarten ist leider sinnlos: Er kann nichtmal seine Quellen korrekt zitieren bzw legt ihnen Aussagen in den Mund, die er in einer Diskussion vor zwei Jahren aufgeschnappt haben will. Man versteht, warum sich so relativ wenige WirtschaftswissenschaftlerInnen an oeffentlichen Diskussionen beteiligen, obwohl das zu bedauern ist.

Pierre d´Aubusson
00

Und kaum betheiligt sich einer, schon is er suspendiert...

Sarah L.
 
11
Umverteilung III:

Jetzt fehlt noch, wie man zu einem großen Vermögen kommt.
Und da gibt einer, der es wissen muss, die Antwort: Friedrich Flick hat einmal auf die Frage, wie er es zu seinem Vermögen gebracht hat, sein Geheimnis gelüftet und die Antwort gegeben: "Ich habe jeden Tag ein Bier weniger getrunken und eine Stunde länger gearbeitet, als meine Arbeiter es tun!"

Daniel Eckert
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Von einer Kolumne

wuerde man erwarten, dass sie eine pointierte Meinung ausdrueckt, die auf einer klaren Darstellung von Fakten und schluessigen Argumenten beruht: Ich kann in diesen wirren Zeilen weder das eine noch das andere finden. Eigentlich nichtmal eine Meinung, eher die diffuse Angst, dass die Erhebung und Auswertung von Einkommens- und Vermoegensdaten einen gesellschaftlichen Konsens stoeren koennte, der es auch (links?)liberalen(?) Journalisten ermoeglicht, sich ohne Scham mit der gesellschaftlichen Elite zu identifizieren, - zur journalistischen Elite wird man sie dafuer nicht zaehlen koennen.

Politisch unkorrekt
02
Gab es nicht einmal eine Studie über Ö wonach von den ca. 70.000 Millionären in Ö gerade einmal 7 % ihren Status durch eigene Leistung erarbeitet haben, der Rest hat es geerbt? Hat hier jemand den Link?

Meine Bewunderung für alle Menschen a la Mateschitz die es trotzdem geschafft haben. Der österreichische Strukturkonservatismus erstreckt sich eben auch und vor allem auf die Vermögen.

Diese Tatsache ist für mich mindestens so demotivierend wie unser Steuersystem, welches Leistung (Lohnsteuer, Einkommenssteuer) viel stärker belastet als Nichtleistungseinkommen (KEST, Stiftungen). Perfekte Harmonie.

Isegrim1
00

Selbst wenn man erbt ist es auch eine Leistung das ERbe zu erhalten.

Pierre d´Aubusson
01
Wenn erben zur Leistung wird,

wird die Exhumierung zur Pflicht...

Isegrim1
00

Wenn sie Eigentum/Firmenanteile etc. müssen Sie ja diese auch verwalten.

Pierre d´Aubusson
00

Gern, schickens meinem Anwalt a Vermögensaufstellung!

stop-making-sense
10
Gerechtigkeit?!?

Derjenige, der das Haus erbt ist in weiten Teilen Österreichs auch für die Pflege der Eltern zuständig.
So wird das in vielen Familien geregelt.

Als Gegenleistung, dass die Erben auf billigste Weise für ihre Eltern im Alter sorgen, will der Foglar sie auch noch besteuern!!
Auch wenn das Haus EUR 500.000.-- wert sein soll, gehört dieser Mann und alle die diese Meinung vertreten politisch aus dem Verkehr gezogen!

Pierre d´Aubusson
01
€ 500.000.- Marktwert?

Das wäre so ca zwei mal das Haus samt Grund, das meine Eltern hatten. Und mit gerade 2 solchen Häusern hätt ich lt Einheitswertbescheid den Freibetrag der Vermögensteuer ausgeschöpft, hätt also noch immer nix zahlen müssen.
Wem wollns Angst machen? Dem Oidn Muatarl in der Gemeindewohnung?

Deswegen sag ich ja: die alten Gesetze waren schon in Ordnung, nur an die Inflation anpassen und geht schon! Noch dazu, wo sie, wenn Sie das Haus hauptwohnsitzend selbst bewohnen sowieso Vortheile haben...

Einheitswerterhebung gehört in die Statistik Austria. Und nicht sagen, das wäre Bürokratie: die wissen mit meiner Betriebsnummer jetzt auch schon alles von mir!

Enrico Furioso
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"Will ich wirklich, dass der Staat da künstlich eingreift?"

Dummes Argument. Jegliche menschliche Gemeinschaft definiert sich über Regeln, wird überhaupt erst durch Regeln möglich. Und solche Regeln sind nichts anders als "künstliche Eingriffe". Der Verzicht auf solche "künstliche Eingriffe" meint nichts anderes als die Rückkehr zum Prinzip des "survival of the fittest", Hauen und Stechen im direkten und übertragenem Sinne.

Oder sollen wir auch jegliche Besteuerung einstellen, die ja auch nichts anderes sind als "künstliche Eingriffe"? Oder Recht und Gesetz außer Kraft setzen, die auch nichts anderes sind als "künstliche Eingriffe"?

_ricko_
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"Jegliche menschliche Gemeinschaft definiert sich über Regeln, wird überhaupt erst durch Regeln möglich"

genau diesen faulen topfen wollen einem die links- und rechtsautoritären weiß machen.

ihre welt spinnen sie aber konsequenterweise auch zu ende bitte: verantwortung existiert nicht, mündigkeit ebensowenig.

die emanzipation der menschen, das streben nach dem selbstsinn-geben, das existiert in autoritären köpfen nicht. dort braucht das funktionieren regeln und gesetze.

ein anzustrebendes, wenn auch surreales ziel, eine soziale anarchie, ein ort wo staatliche strukturen durch eigenverantwortung und progressiven miteinander abgelöst wurden, das kann es nur geben, wenn einem bewusst wird die üblich dogmatische schiene des massendaseins durchaus zu verlassen zu können.

jeder wie er mag, aber lassens ihren götzen im säckerl.

inness robins
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Suizid

beim Lesen des Artikels dachte ich an Selbstmord.
Aber wegen Rauscher...? Stimmt denn alles geschriebene?

Rose Bud
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Das wird schon so stimmen

Lass schon mal die Badewanne ein.

Bananinger
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erbschaften verstaatlichen. ich denke, das gibts nicht einmal in nordkorea.

Knieriem
10

Warum nicht gleich auch noch 100% des Gehalts versteuern und dann ein kleines Taschengeld?
Sind die alle ang`rennt?

Pierre d´Aubusson
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Den Vorschlag gibts ja, nennt sich "Grundloses Bedingungseinkommen" oder so...

karl pfeiffermann
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leistung muss sich wieder lohnen! gell?

Isegrim1
01

Das Leben muss sich lohnen.

Der Artikel gefällt mir
34
Lieber Herr Rau, schauen Sie sich manchmal auch Dokus an?

1) We feed the world, lets make money, Gasland (da gehts ums Fracking, das wollen sie auch im Waldviertel machen)? Oder wenigstens Unterhaltungs-Filme mit kritischem Anspruch wie ''Crash'' (engl. Originaltitel ''Margin Call'' mit Kevin Spacey, der Regisseur ist der Sohn eines Wallstreet-Brokers)

2) Wieso habe ich den Eindruck sie behandeln alle Themen (oft: Mittelstand, Reiche, gerne den rechten Rand und dankenswerter Weise auch das Thema Prekariat, Neue Selbständige) - aber niemals Konzerne, Steueroasen, oder das ganze virtuelle Monitorgeld?

3) Müsste ein Liberaler nicht auch da Fragen nach der allgemeinen (Steuer-) Gerechtigkeit stellen, oder verwechsle ich ''liberale Ansichten haben'' mit ''liberalen Wirtschaftansichten''?

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