Auskunftspersonen in der Zwickmühle

31. Jänner 2012, 18:16

Zwischen Ermittlungen und U-Ausschuss können Grundrechte in Bedrängnis kommen

Wien - U-Ausschuss-Vorsitzende Gabriela Moser nennt es "den krummen Pfad der Gerechtigkeit". Juristen geißeln den Umgang von Justiz und Gesetzgeber mit Zeugen, Auskunftspersonen und Beschuldigten als skandalöse Verletzung bürgerlicher Grundrechte.

Auf jeden Fall können die Überlappungen von U-Ausschuss und Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft für die Betroffenen unangenehm werden. Dies, weil sie in Zwiespalt geraten können.

Der Grund: Auskunftspersonen unterliegen, wie Zeugen in einem Gerichtsprozess, der Wahrheitspflicht, Beschuldigte im Ermittlungsverfahren hingegen nicht, sie können - theoretisch - auf Biegen und Brechen flunkern.

Hinzu kommt, dass in dem seit Jahren laufenden, schier unüberblickbaren Buwog-Telekom-Komplex die Grenzen verschwimmen können. Da können - vornehmlich durch anonyme Anzeigen - Beschuldigte zu Zeugen werden und umgekehrt. So geschehen bei Telekom-Regulator Georg Serentschy. Er wurde 2006 durch eine Anzeige belastet und viele Monate später als Beschuldigter einvernommen. Als sich der Verdacht nicht erhärtete, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Im November 2010 wurde der frühere Unternehmensberater schließlich noch einmal einvernommen, diesmal als Zeuge. Als solcher sollte er im Jänner 2012 auch im U-Ausschuss aussagen. Was er allerdings nicht wusste: Zwischenzeitlich hatte die Anklagebehörde die Ermittlungen gegen ihn wiederaufgenommen - aufgrund einer anonymen Anzeige.

Womit die Auskunftsperson in einer Zwickmühle steckt: Sagt sie im U-Ausschuss wahrheitsgemäß aus, könnte sie sich im Ermittlungsverfahren selbst belasten. Bleibt sie dem U-Ausschuss fern oder verweigert sie die Aussage, riskiert sie eine Ordnungsstrafe. U-Ausschuss-Vorsitzende Moser sagt, sie könne diesen unbefriedigenden Umstand nicht ändern, weil die Staatsanwaltschaft nicht darüber informiere, wer als Beschuldigter geführt wird. Die Staatsanwaltschaft sagt, sie könne das aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Moser: "Das Schlamassel verdanken wir der Regierung Schüssel. Sie hat die Strafprozessordnung reformiert und die Untersuchungsrichter abgeschafft. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 1.02.2012)

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22 Postings
Erwin Wolfram
00
...

man kann als buerger nirgendwo grundrechte einfordern, ich lehn das zwar ab aber dann zu schreiben im u-ausschuss ist es aber notwendig ist recht luegnerisch denk ich mal.

Weg mit dem letzten Proelleten!
00
"Das Schlamassel verdanken wir der Regierung Schüssel. Sie hat die Strafprozessordnung reformiert und die Untersuchungsrichter abgeschafft."

Danke Wolferl, Du @rsch!

mulligan1
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in zukunft wird es heißen: es gilt die wahrnehmungsstörung !

dürfen personen mit einem derart beeinträchtigten wahrnehmungsvermögen eigentlich ein kraftfahrzeug lenken ?

Erwin Wolfram
00
...

nur wenn man widerbetaetigung anzeigt, wenn man sie betreibt nicht, dann kriegt man panzer, habe ich gelesen...

Loxoceles
00

Eigenartigerweise stellen sich diese "Wahrnehmungsstörungen" immer erst bei nachträglichen Untersuchungen heraus. Zum Annehmen des hochdotierten Jobs oder des hohen Amtes waren sie zuvor kein Hindernis. Das ist wirklich eigenartig.

Wolfgang Lederbauer1
01
...Juristen geißeln den Umgang von Justiz und Gesetzgeber mit Zeugen, Auskunftspersonen und Beschuldigten als skandalöse Verletzung bürgerlicher Grundrechte....

Es wäre interessant zu wissen, welche bürgerlichen Grundrechte konkret gemeint sind.

Und überhaupt:

Gibt es einen Unterschied zwischen " Bürgerrechten", " Grundrechten " und " Menschenrechten".

Wer kann sich dazu äußern?

http://so-for-humanity.com2000.at

Alfred Rotkatholik
12
Das Volk muss ein Recht haben, Fragen zu stellen...

..egal in welcher Form repräsentiert (Gesetzgebung, Gesetzesvollzug, Rechtssprechung).

Und wer das Recht für sich in Anspruch nimmt, nix (!) zu sagen, sollte auch mit den Folgen - dass nämlich die anderen sehr wohl etwas dazu sagen - leben müssen.

Auch die Nichtwähler müssen mit dem Resultat der seitens der Wähler getroffenen Entscheidungen leben.

Oder gibt es in dieser Republik das Recht, dass jemand, der nix sagt, jedenfalls immer freigeht....?

bern84
41

Vermeintlich Kriminelle sollten ausschließlich von Polizei und Justiz befragt werden können. Wie kommen Bürger dieses Landes dazu, den Kasperln im Parlament Rede und Antwort stehen zu müssen?

§126c Verfechter K.ing Leissner
02

Naja macht schon Sinn. Da gehts ja um die Aufdeckung von groesseren Skandalen. Ich bin da zwar kein Experte, aber die koenne ja Akten anfordern, etc. Der U-Ausschuss verurteilt ja niemanden, sondern deckt auf.

Vor allem bei den Politikern a la KGH ist das Parlament wohl besser dran als die dumme unfaehige AT Polizei.

In den USA gibts das uebrigens auch, dort haelt der US-Senat den Untersuchungsausschuss ab.

sainty1
28
danke Herr Schüssel für das Justizchaos was wir seit Jahren haben!!

Imi Söba
01

Ja, der Böhmdorfer, das war halt ein Genie. Genau wie KHG oder Gorbach.

prigogine
11
offenbar lauter potentiell Demente in der Politik

und deren näheren Umgebung tätig

Franz Kneissl
02
Die Pauschalierungen in der Diskussion sind Teil des Problems

Als Beobachter der Vorgänge rund um diverse Kurruptionsvorgänge denke ich, dass es nicht zielführend ist, alle handelnden Personen in einen Topf zu werfen - Beispiel:
"... lauter potentiel Demente in der Politik ..."

Es gibt jene, die Mist bauen und jene, die das verhindern wollen.
Je genauer man drauf schaut und differnzierter man bewertet, desto besser für die Klärung der Vorgänge und desto besser für die Verfolgung der Verbrechen.

prigogine
00
mehr als das halbe Kabinett Schüssel

sitzt derzeit vor Unteruschungsausschüssen, vor dem Staatsanwalt oder es wird gegen sie ermittelt.
Wann ist den bei Ihnen das Maß voll?

NONE
13

Die graue Eminenz Schüssel muss für seine Zeit endlich ins Gefängnis wandern.

Man kann nicht ewig nur seine Schergen wie KHG hinschicken - er hat die Justiz systematisch unterwandern lassen.

Ich bin froh das er zumindest weg ist aus der Mainstream-Politik.

Tubalkain
00
31.1.2012, 20:19
Alles kübeln

Alle Gesetzt in den Mistkübel, rasch neue, sinnvolle und griffige Gesetze he, nicht dieses sinnlose Flickwerk. Wenn es die Politiker nicht können, der neue starke Mann wird es können - und das Volk wird ihn unterstützen. Das gab es schon rinmal. Geschichte wiederholt sich (leider)

Diplomatenpass a.D.
09
31.1.2012, 19:03
Berlusconismus

Vielen Dank an Wolfgang Schüssel!

UNBEQUEM
02
31.1.2012, 18:35
Warum werden dan nicht die Staatsanwälte geladen??

Diese müßten dann unter Wahrheitspflicht ihre "Beschuldigten-Verdächtigen" benennen und könnten sich nicht auf ermittlungstaktische Gründen der Auskunft entziehen!
Scheinbar ist der Aussusch noch nicht auf diese Idee gekommen...komisch..??

Wolfgang Lederbauer1
00
...Scheinbar ist der Aussusch noch nicht auf diese Idee gekommen...komisch..??...

Teil 2:

SFH-4450 Brief Dr. Lederbauer an die BMJ Dr. Beatrix Karl vom 18.11.2011, Umfassende Sachverhaltsdarstellung, Langfassung, Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften " Kapitel 1- 36 von Dr. Lederbauer
Der wesentliche Punkt: Ich darf anregen, dass Sie als Leiter der Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsverbrechen und Korruption der Frage nachgehen, ob die Staatsanwaltschaft die Tätigkeit des Rechnungshofs, wie ich es vorgeschlagen habe, in die Ermittlungstätigkeit einbezogen hat.

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php... 234&page=5

http://so-for-humanity.com2000.at

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Wolfgang Lederbauer1
00
...Scheinbar ist der Aussusch noch nicht auf diese Idee gekommen...komisch..??...

Teil 1:

Eine originelle Idee.

Es wäre für den parlamentarischen Untersuchungsausschuss doch auch interessant zu wissen, wie die Ermittlungsbehörden in den jeweiligen Causen vorgeangen sind.

Ein konkrete Anregung wurde gemacht:

http://so-for-humanity.com2000.at

§126c Verfechter K.ing Leissner
11

Es gibt sowas wie das Dienstgeheimnis und Amtsverschwiegenheit, deswegen koennens nicht einfach so die Privatperson Staatsanwalt vorladen und dann zu seinen Faellen befragen..

UNBEQUEM
00
Amtsgeheimnis Dienstgeheimnis Firmengeheimnis

Amtsgeheimnis : Das Justizministeruim hat daher die Staatsanwälte logischer Weise von der Amtsverschwiegenheit zu entbinden! Diesen Antrag auf Entbindung hat die Ausschhußvorsitzende an das Ministerium zu richten! Die Entbindung kann auch rechtlich erzwungen werden!

Wo liegt nun das Problem???

Entlarvend wäre es wenn der Arbeitgeber "Justizministerium" die Staatsanwälte nicht entbinden würde...dann stellt sich die Frage was verheimlicht werden soll!!

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