Linzer Terminal Tower

Neuer Schmiergeldverdacht

Renate Graber, 31. Jänner 2012, 18:02

In der Causa Terminal Tower Linz hegt die Justiz einen schweren Verdacht gegen Ex-Minister Grasser. Es seien 700.000 Euro Provision vereinbart gewesen und geflossen, damit die Finanz in den Turm einzieht

Wien - Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in der Causa Terminal Tower Linz sind schwerwiegender als bisher bekannt, wie sich aus dem STANDARD vorliegenden Dokumenten erhellt. Für die Einmietung der Finanz im Bürohaus am Hauptbahnhof Linz 2006 soll unter Mitwirkung von Immobilienmakler Ernst Karl Plech ein "Einmalbetrag von 700.000 Euro" zugunsten Finanzminister Karl-Heinz Grasser geflossen sein.

Erst vor zehn Tagen wurde die Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich gefilzt, es ging um den (von der RLB zurückgewiesenen) Verdacht, dass die Projektbetreiber des Bürogebäudes am Hauptbahnhof, RLB und Porr, 200.000 Euro Schmiergeld an Walter Meischberger gezahlt hätten, um die Übersiedlung der Finanzlandesdirektion in den Tower zu erreichen. Das Finanzressort wurde 2006 von Grasser geleitet. Meischberger konnte sich laut seiner Aussage, "an keine Hintergründe erinnern", es sei möglich, dass es sich "um einen bloßen Tipp" handelte, den er an Peter Hochegger (über dessen Konten das Geld floss) geleitet habe.

Die Justiz untermauert ihre Sicht der Dinge mit einer Chronologie aus dem Schlussbericht der Internen Revision im Finanzministerium. Demnach ist der erste Versuch, die Linzer Finanzbehörden in einem Haus zu konzentrieren 2004 gescheitert; schon damals waren Raiffeisen und Porr dabei. 2005 ging es erneut los, Porr Immoprojekt machte dem Finanzministerium ein Mietanbot für den Turm, "es folgten intensive Mietvertragsverhandlungen" mit der Terminal Tower Immobilien GmbH, heißt es in einer Anordnung des Staatsanwalts für Telefonüberwachungen. Im November 2005 teilte man dem Finanzministerium mit, "der Porr-Konzern könnte sich eine Miete von zehn Euro pro m2 vorstellen". Am 5. Dezember hieß es, Porr habe "zähneknirschend" die Forderung von 9,96 Euro akzeptiert. Am 31. März 2006 wurde der Vertrag unterschrieben: 9,90 Euro je Quadratmeter, unbefristet, nach 15 Jahren kündbar.

Belastungszeuge Huber

Allerdings belastet Martin Huber (damals im Porr-Vorstand, später ÖBB-Chef) den damaligen Porr-Chef Horst Pöchhacker sowie Immobilienmakler Plech schwer.

Er sagte als Zeuge aus, er sei im Frühsommer 2004 zu einem Gespräch Pöchhacker-Plech gebeten worden. Pöchhacker "hat ausgeführt, dass es mit Unterstützung von Plech gute Chance gäbe, die Konzentration der Finanzämter am Standort Hauptbahnhof zu realisieren. Dies wäre aber mit einer entsprechenden Vergütung verbunden". Als Plech gegangen war, habe Pöchhacker "erläutert, dass die Provisionsvorstellungen von Plech bei 700.000 Euro liegen". Er, Huber, habe gesagt, so ein Vorgehen komme für ihn nicht in Frage.

Untermauert werde diese Aussage durch einen nicht unterschriebenen Aktenvermerk von 22. Dezember 2005, der bei einer Porr-Hausdurchsuchung gefunden wurde. Verteiler: Pöchhacker und ein weiterer Mitarbeiter. Darin heißt es: "Nunmehr wurde in Abstimmung mit den Konsortialpartnern RLB OÖ und Raiffeisen Leasing folgendes Verhandlungsmandat abgestimmt. Variante 1: Reduktion des Mietentgelts auf bis zu Euro 9,5 pro m2 ... Variante 2: Mietentgelt 9,9 Euro pro m2."- und: "Dotierung eines einmaligen Betrags von 700.000 Euro zu Gunsten der Finanz bzw. allenfalls namhaft gemachter Dritter."

Ende Dezember waren die "langen und zähen Verhandlungen" laut weiterem Aktenvermerk perfekt, der Mietpreis mit 9,9 Euro ausgemacht, was man Grasser am 21. Dezember 2005 präsentierte. Laut einem Zeugen aus dem Ministerium "waren alle für die Unterzeichnung des Vertrags", aber: "Grasser schaute jedem in die Augen, fragte jeden, ob er dafür sei. ... Plötzlich sagte er, dass er dagegen sei und verließ den Raum." Der Grund, der später angegeben worden sei: "Unruhe in der Belegschaft."

Der Verdacht der Justiz: Untreue, weil der Mietvertrag "überteuert" (9,9 statt 9,50 Euro) sei; Geschenkannahme durch Beamte (Beihilfe); Bestechung, indem man "Grasser den dargelegten Vermögensvorteil für die Vornahme eines pflichtwidrigen Amtsgeschäftes gewährt" habe. Die Beschuldigten, für die die Unschuldsvermutung gilt, waren nicht zu erreichen, sie haben bislang alle Vorwürfe rund um die Causa zurück gewiesen. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)

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kater bruno
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KHG kann machen, was er will, ihm passiert nichts. Wenn wir das am Kerbholz hätten, wären wir schon jahrelang im Gefängnis. Manche sind halt gleicher.

sledgehammer44
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hätten sie mit der partie eurofighter gekauft, hätten auch sie viele "freunde", die sie vor dem knast bewahren, bevor hier "details" über deren eigene beteiligung öffentlich werden. wenn sie das nicht glauben wollen, können sie es gern als verschwörung abtun.

MIP1
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Wieso "Verdacht"? Das ist doch längst fix.

Krones
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die Justiz solle endlich zügig...

die Angelegenheit zu Ende führen! Werden die 2 "geheimen Berichte" deswegen an Medien weitergegeben, damit sich der Beschuldigte wieder eine neue Story ausdenken kann?
Warum wird er nicht wegen Flucht-/Verdunkelungsgefahr in U-Haft genommen, auch Tatwiederbegehung schließe ich ein, m.E. solle er schon jetzt einsitzen - freiwillig - würde dies als einen Vorschuss zur Wahrheitsfindung betrachten! Ausserdem solle er einen namhaften Betrag für die hohen Kosten einbringen, die diese Ermittlungen notwendig machen - die Belastungen für die SteuerzahlerInnen sind hintan zu halten!

FaymannsBoss
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Das ist ganz einfach:

Nachdem die Behörden von den bei einem allfälligen Gerichtsverfahren betroffenen Politikern erfahren haben, dass sie KHG nur festnehmen dürfen, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht (z.B. auf frischer Tat ertappt), werden so lange Details zu den Ermittlungen an die Medien weitergeleitet, bis sich die personifizierte Unschuldsvermutung ansch..... und zu flüchten oder Unterlagen zu vernichten versucht. Das ist dann der Moment auf den sie gewartet haben ...

Zivilgeselle
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I have a dream

PORR schreibt: "in Abstimmung mit RLB OÖ und Raiffeisen Leasing"

Bei der Raiffeisen OÖ bestreitet man dies und klagt auch im Fall der BUWOG gegen gleichlautende und sehr lebensnahe Behauptungen von Petrikovics und Hochegger.

Auch KHG hat das "abgekartete Spiel" vor den Zivilrichter gebracht, weil Angriff die beste Verteidigung sein soll ......

Schön langsam brechen die letzten Verteidigungswälle und der ÖVP Justizschirm ist nicht mehr wasserdicht.

Die Angst- und Schreckensherrschaft korrupter Parteien endet.

Der österreichische Frühling .......... wird sehnlichst erwartet und bringt nicht nur den Uwe hinter schwedische Gardinen.

Donald Duck
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Nichts davon wird passieren.

Die Sachverhalte mögen noch so offenkundig sein – vor Gericht reicht das nicht. Beweisbar werden sie erst, wenn jemand plaudert ... also sich plötzlich doch erinnert ... was aus heutiger Sicht recht unwahrscheinlich ist, denn plaudern tut wiederum nur, wer eine Strafe zu fürchten hat und von sich selbst ablenken will. Am Ende wird man die Verfahren einstellen müssen. Dem Steuerzahler bleibt als Genugtuung nur die mediale Kreuzigung der "Unschuldsvermuteten" – und die ist ja eigentlich ein Armutszeugnis für einen Rechtsstaat.

Pucky
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kurze Frage

Kann mir jemand den vorletzten Absatz des Artikels erklären?
"Ende Dezember waren die "langen und zähen Verhandlungen" laut weiterem Aktenvermerk perfekt, der Mietpreis mit 9,9 Euro ausgemacht..."
und hier steht dann, dass Grasser dagegen war und den Raum verließ.
Wie passt das mit dem Rest der Geschichte zusammen - der Vertrag mit 9,9 m2 kam ja zustande und KHG war vermutlich einer der Nutznießer der extra Dotierung?

Spare in der Not, dann hast du im Beutel
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Ganz einfach

Zu diesem Zeitpunkt waren die 700.000,- noch nicht bezahlt. Bei solchen Geschäften geht's oft um Minuten.

Zivilgeselle
01
Schmiergeldsicherung

Genauso wie bei der Telekom durfte der Vertrag bzw. die Verordnung liegenbleiben, damit man im Hintergrund das Schmiergeld über dunkle Kanäle fließen lassen konnte.

Glauben´s ein korrupter Politiker begeht Untreue ohne vorher kassiert zu haben.

Schmiergelder kann man nicht einklagen, es sind Voraus- und meist Bargeldzahlungen.

hm tata
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allen grasserhassern

ins stammbuch geschrieben:
ihr könnt mich noch so lange jagen,
mich trotzdem keine gewissensbisse plagen ;)
duliö duliö
schönen tag noch.

plebs et principes
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drara larililarila die post ist da
und
bringt einen haftbefehl

bully bullson
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...bist Du der Wolf Martin, der Hausp(r)o(l)et der Kronenzeitung!?

ROTWEISSROT
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Da soll man noch Vertrauen in die Politik haben ?

Aus dem Parlament gehört ein Häfn gemacht - vergittert die Fenster und lasst niemanden mehr raus

Corno Primo
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Hier kann der Karli schon gustieren:

http://kurier.at/kult/4305... ichnet.php

Dr. Dog
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ich würde mir die fiona draufpecken lassen

ich an seiner stelle

Helmut Hromadnik21
 
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Im zusammenhang mit dem schmiergeld-spezialisten GRASSER frage ich mich, wieviel "schmiergeld" ist bereits geflossen, dass dieser typ noch immer nicht in untersuchungshaft sitzt, wie in solchen fällen bei "gewöhnlichen" bürgern üblich ?

integralthinking!
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Also, mir tut er leid, er hat seine Strafe!

Ist es denn angenehm, mit derartigen Vorwürfen jahrelang herumzurennen? Nicht zu wissen, was als nächstes kommt? Die eigene Schwiegermutter in die Sachen hineinzuziehen (die legt sicher nieder, wenn man sie mit den Folgen einer falschen Zeugenaussage konfrontiert). Und nicht zu vergessen: verheiratet mit dem Pferdegesicht aus der Kristalldynastie (die ärgste Strafe), seit Jahren......trotzdem noch nicht aus dem Schlamassel.

Also: Grasser gebührt unser aufrichtigstes Mitleid! Ernst gemeint! Würdet ihr mit ihm tauschen wollen? Ich nie und nimmer.....

ironing
01

Die 10 Millionen (oder so) auf dem Konto sind in deine Kalkulation nicht eingeflossen - da könnte man es sich zumindest überlegen.

Aber irgendwo hast du schon recht. Grasser war ein echter Politstar der aus Gier und Hybris sehr tief gefallen ist. Ihm bleibt nur das Geld, aber keinerlei Ruhm oder auch nur Anerkennung. Wer weiss ob er es nochmals so machen würde, bzw was er davon hält, wenn er einmal als alter Mann auf sein Leben zurückblickt ...

qlen
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ruhm und anerkennung werden überschätzt!

Helmut Hromadnik21
 
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......."Ist es denn angenehm, mit derartigen Vorwürfen jahrelang herumzurennen?"........

Mit den in liechtenstein" eingebunkerten schmiergeldern und der reichen fiona an der seite wär`s mir wurscht.
Man sieht ja auch an seiner auf dandy getrimmten visage, dass ihn seine malversationen sichtlich nicht belasten !

Silberprinzessin
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To-do-Liste

Grasser: U-Haft
Graber: Nachschulung ("Laut einem Zeugen")

adal2
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31.1.2012, 23:56
Es hatte auch ein bedeutend billigeres Angebot der BIG

für einen Neubau in Linz gegeben.

Der Nachteil: einige Herren hätten dann nicht bequem in den (fremden) Geldtopf langen können. Auch Raiffeisen und Porr könnten nicht 15 Jahre lang abkassieren. Da ist eine teure Variante (mit "Beratungsleistungen" dubioser Grasser-Anhängsel) dem Steuerzahler schon eher zumutbar.

Jetzt versteh ich auch, wie der Grasser das gemeint hat: "Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget" - er sprach von seinem eigenen!!!

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
00
31.1.2012, 23:43
khg beinahe überall dabei, aber ganz sicher schuldlos.

wann ist die frist, dass die ganze(n) sache(n) eigentlich verjährt (sind)?

die khg-schwima hat durch den karl-heinz wahrscheinlich auch schon einige graue haare bekommen.

)so(
07
31.1.2012, 23:08
Werte Autorin, werte Redaktion!

Ich tu´ miir mittlerweile schon a bisserl schwer mit einer Überschrift a la "Neue Korruptionsvorwürfe gegen KHG..". Wegen der Übersichtlichkeit ... Vielleicht könnt´ ma eine Indexierung einführen, wie bei Software. Version 1.0, 2.0 usw. Kleinen Skandal-Ereignisse erhalten dann eine Kommanotierung, etwa 2.5. So ist der Überblick stets gewahrt und eine "Release-Chronik" auch übersichtlich einfach.

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