Stadt Wien pokert um "Paket-Lösung"

Wohnbaustadtrat Ludwig stellt dem Bund die Rute ins Fenster: "Weitere Entwicklung nur mit der Stadt denkbar"

Das Verteidigungsministerium will einige nicht mehr benötigte Liegenschaften loswerden. Eigens zu diesem Zweck wurde eine Gesellschaft namens Sivbeg gegründet, als Tochter der Bundesimmobiliengesellschaft und der Republik Österreich - so weit, so bekannt.

Diese Liegenschaften sind großteils heiß begehrt - weil sich die meisten davon mitten im bestens erschlossenen Gebiet befinden, mit intakter sozialer und verkehrstechnischer Infrastruktur; perfekt geeignet für sozialen bzw. geförderten Wohnbau, meint man bei der rot-grün geführten Wiener Stadtregierung. Allerdings: Wegen des vom Ministerium auferlegten Bestbieter-Prinzips drohen hier der Stadt diese gut erschlossenen Flächen sozusagen "durch die Lappen zu gehen", darauf machte die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou schon im Herbst aufmerksam.

Allerdings hat auch die Stadt Wien einen Trumpf im Ärmel: Als Widmungsbehörde kann sie entscheidend mitbestimmen, was mit den Liegenschaften nach einem etwaigen Verkauf - an wen auch immer - passieren soll. Im derStandard.at-Interview macht Ludwig das auch unmissverständlich klar: "Die Entwicklung eines so großen Areals kann nur gemeinsam mit der Stadt erfolgen." Er gehe davon aus, dass man im Ministerium "neben der möglichst hohen Verwertbarkeit sicher auch die gute Kooperation mit der Stadt im Auge haben" werde.

"Paket-Verkauf auch für die Sivbeg sinnvoll"

Vassilakou wünscht sich, dass die Stadt Wien alle sieben Kasernenareale, die die Sivbeg in den nächsten Jahren abgeben soll, übernimmt, weil ein Paket-Verkauf "nicht nur für die Stadt, sondern auch für das Heer sinnvoller wäre", bekräftigte sie am Dienstag gegenüber derStandard.at.

Ludwig hat im Gegensatz dazu "nicht an allen, aber an den meisten" Liegenschaften Interesse. Ein schmales Grundstück in Floridsdorf, zwischen Heeresspital und Marchfeldkanal gelegen, dürfte wohl eher schwierig zu "bespielen" sein. Eine Paket-Lösung strebt aber auch Ludwig an. "Wir haben in der Vergangenheit schon bewiesen, dass wir mit Kasernenarealen sehr gut umgehen können", sagt er unter Verweis auf die bereits umgesetzten Projekte auf den Arealen Karlskaserne (22. Bezirk) und Wilhelmskaserne (2. Bezirk).

Sivbeg- (und BIG-)Sprecher Ernst Eichinger weist darauf hin, dass es nur für eine Teilfläche der Körner-Kaserne in Penzing sowie für die Tegetthoff-Kaserne in Döbling einen offiziellen Verkaufsauftrag gebe, die in den kommenden ein bis zwei Jahren verwertet werden sollen. "Für weitere Liegenschaften gibt es noch keinen Verkaufsauftrag." (map, derStandard.at, 31.1.2012)

Hintergrund

Der Bund will über die Sivbeg, ein gemeinsames Unternehmen von Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und Republik Österreich, Liegenschaften verwerten, die bisher vom Verteidigungsministerium genutzt wurden, nun aber nicht mehr benötigt werden. Sieben dieser Areale befinden sich in Wien, vier davon sollen noch heuer in den Verwertungsprozess gehen, der Rest ab 2013.

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