Die Idee mit den öffentlichen Listen, Pranger 2.0, ist ausbaubar
Die Griechen haben sie schon, die Liste der Schande,
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter könnte sich so etwas Ähnliches für
Österreich durchaus vorstellen: die namentliche Veröffentlichung jener, die
gerichtlich geahndete Steuervergehen (ab 100.000 Euro) begangen haben. Zwar
wurde Kräuter von seiner Partei postwendend zurückgepfiffen - dabei ist die Idee
mit den öffentlichen Listen, Pranger 2.0, durchaus ausbaubar.
Mit einer Liste der Blauen beispielsweise, für die, die betrunken beim
Autofahren erwischt werden; wie unlängst ein Ex-Verkehrsminister (FPÖ, dann
BZÖ), für den Österreich schon lange zu klein ist. Oder die Liste der Rasenden
für die, die zu schnell Auto fahren, wie jener Parlamentarier (BZÖ), der auch
auf der Liste der Fahrer-ohne-Führerschein stünde.
Die Liste der Blauen ließe sich ergänzen um die Liste der Unverschämten, die
heute noch ewig gestrig sind. Die Liste der Lobbyisten ist schon im Werden und
könnte jene der Geldwäscher ergänzen, und die Liste der Parteifinanzierer jene
der Provisionäre.
Auch aus diversen Jobs apert eine Menge Material für populistische
Auflistungen heraus, für Bonusbanker zum Beispiel, Intervenierer, unbeliebte
Parteiposteninhaber oder beliebte Parteipostenverschaffer.
Irgendwie, zur Beruhigung des Volkes, sollte es natürlich auch eine Liste der
Ehre geben. Die Liste der Supersauberen: superkurz, aber hochweiß. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)