Vatikan: Staatssekretär unter Druck

Gerhard Mumelter aus Rom, 31. Jänner 2012, 17:18

Im Zuge der Affäre um Korruption und Intrigen im Vatikan kursieren Rücktrittsgerüchte rund um Staatssekretär Tarcisio Bertone. Nun ist zu klären, wer kritische Briefe an den Papst und Bertone der Presse zugespielt hat.

Eine Affäre um Korruption und Misswirtschaft im Vatikan bringt Staatssekretär Tarcisio Bertone in Bedrängnis. "Der Kardinal wankt", schrieb La Repubblica und berichtete von "Rücktrittsgerüchten". Im Vatikan wird befürchtet, dass die ungeschickte Amtsführung des Staatssekretärs Schatten auf das Pontifikat Benedikts XVI. wirft. Mit Nachdruck wird im Kirchenstaat nach dem Leck geforscht, durch das mehrere private Schreiben des Vatikan-Verwalters Carlo Maria Viganó an den Papst und Bertone an die Presse gelangten.

In den Briefen beklagt sich der Erzbischof über Unterschlagung, Misswirtschaft und Korruption im Vatikan und zählt eine Reihe von Fällen auf, die vom Sender La 7 in einer TV-Dokumentation aufgegriffen wurden. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi reagierte mit einem bisher einmaligen Schritt: Er drohte La 7 mit einer Klage - Gerüchten zufolge auf Bertones Weisung. Auf Viganós Vorwürfe ging Lombardi nicht ein.

Viganó, der als Finanzverwalter den Haushalt des Vatikans aus den roten Zahlen geführt hat, wurde nach seiner Kritik auf Bertones Betreiben als Nuntius nach Washington entsandt. Angesichts der Verdienste Viganós stieß die als Beförderung kaschierte Strafversetzung intern auf Kritik und Unverständnis - zumal der Betroffene den Papst ersucht hatte, nicht in die USA versetzt zu werden.

Haben anonyme Gegner des Staatssekretärs der Presse Viganós Briefe zugespielt, um Bertone zu desavouieren? Kritiker werfen dem selbstgefälligen Kardinal eigenmächtige Entscheidungen und ungeschickte Diplomatie vor.

Umstrittene Personalwahl

Der 75-Jährige erhielt sogar eine Morddrohung - ein im Kirchenstaat unerhörtes Ereignis. In dem Schreiben, das offenbar von einem intimen Kenner des Vatikans stammte, hieß es, er sei unfähig, Entscheidungen zu treffen. Mitarbeiter wähle er ausschließlich auf Basis persönlicher Freundschaft aus. Nach Gerüchten widersetzt sich Bertone derzeit der vom Papst beschlossenen Ernennung des Bischofs Francesco Moraglia zum neuen Patriarchen von Venedig und favorisiert seinen Bewerber Aldo Giordano.

Der Fall Viganó, so Vatikan-Insider Andrea Tornielli, deute darauf hin, dass "Intrigen und Machtkämpfe weiterhin anhalten". Dass Bertone nicht immer ein glückliches Händchen hat, bewies er, als er Homosexualität und Kindesmissbrauch miteinander in Verbindung brachte. Der Vatikan bemühte sich danach um Schadensbegrenzung. (DER STANDARD-Printausgabe, 01.02.2012)

hema1
 
00
23.3.2012, 13:07
Eine Schande ist das und mehr als peinlich,

wenn im Kirchenstaat Intrige und Korruption am Werk sind.
Ist Gott etwa schon ausgezogen und andere Wesen treiben dort ihre Spielchen?
http://www.hopeland.at

prigogine
02
"Der 75-Jährige erhielt sogar eine Morddrohung - ein im Kirchenstaat unerhörtes Ereignis."

von Hexenverbrennung, Inquisition und Kreuzritterkriegen mal abgesehen.

st82
01

jetzt erwarte ich eine distanzierung und protestdemos der christen

lol

K 3
02
31.1.2012, 21:51

Am Hof ist es immer das selbe Spiel zwischen verschiedenen Gruppierungen, um zumeist ganz weltliche Dinge. Wie geht es eigentlich Giuseppe Bertello ?

alla riscossa
01
31.1.2012, 21:40
der vatikan bemüht sich immer um schadensbegrenzung

und macht dadurch alles noch schlimmer!

Clarissa Goldsmithprawndown
12
31.1.2012, 19:38

Klingt fast schon wie der Plot zu einer Campaign, bei der finstere Gruppen wie die www.atheistische-religionsgesellschaft.at ihre Finger im Spiel haben könnten... ;)

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